Nachschau - Veranstaltung am 16.11.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Steht der Nahe Osten vor dem Abgrund?

Versuch einer Analyse und Aufzeigen von Lösungsansätzen

 
Referent:
 

Dr. Kinan Jaeger

Lehrbeauftragter der Uni Bonn
Kinan Jaeger - Foto: Haverbusch
 

am Donnerstag, 16. November 2017, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststraße 4, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

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Bericht der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Keine Lösungen für Nahost?

Informativer Vortrag über die Krisenregion

Von Klaus Kretzschmar
Dr. Kinan Jaeger (links), Oberst a.D. Josef Schmidhofer (rechts) - Foto: Brigitte Schmidhofer

Bad Neuenahr. „Steht der Nahe Osten vor dem Abgrund? Versuch einer Analyse und Aufzeigen von Lösungsansätzen.“ Mit diesem Vortrag griff die Sektion Bad Neuenahr der Gesellschaft für Sicherheitspolitik ein sehr aktuelles Thema der Ereignisse im Nahen Osten auf. Der Referent, Dr. Kinan Jaeger, selbst in Damaskus geboren, versuchte sowohl aus internationaler aber auch aus persönlicher Sicht die Lage zu analysieren, die strategischen Interessen der Akteure aufzuzeigen und mögliche Lösungsansätze zu präsentieren. Dabei wurde deutlich, daß insbesondere Europa und damit auch Deutschland dringend zum Handeln aufgerufen ist. Der Nahe Osten benötigt einen Aufbauplan, um nach dem absehbaren Ende der Kämpfe in Syrien eine realistische Perspektive für einen hoffentlich friedlichen Aufbau zu erkennen. Mehr Sicherheit für die Menschen im Nahen Osten bedeutet auch mehr Sicherheit für Europa. Die Flüchtlingsströme würden nachlassen; und mit steigender Lebensqualität wäre auch der Nährboden für radikale Überzeugungen, wie die des IS, zumindest geringer. Das ist natürlich nicht zum Null-Tarif zu haben. Aber diese Investitionen wären sinnvoller und auch geringer als die derzeitigen Kosten der Militäreinsätze auf allen Seiten. Eine entscheidende Komponente in diesen Überlegungen ist der Abbau gegenseitiger Vorurteile und die Schaffung einer Vertrauensbasis. Der Weg dazu kann über Städtepartnerschaften, Studentenaustausch, gemeinsame Sportveranstaltungen, aber ebenso über die Integration der Flüchtlinge in den jeweiligen Aufnahmeländern und ihre Heranführung an westliche Werte und Denkweisen führen. Deutschland genießt im Nahen Osten einen exzellenten Ruf, insbesondere in Syrien. Das beruht zum einen auf fehlenden kolonialen Lasten (im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich), aber auch in der langen Tradition deutscher Aufbauhilfe in den Ländern des Nahen Ostens. Hinzu kommen die guten Kontakte der Bundesrepublik zu Israel, zur Türkei und zum Iran. Ohne diese Länder ist ein erfolgreicher Aufbau im Nahen Osten schwer denkbar. Deutschland könnte also weit mehr als bisher als Vermittler und Aufbauhelfer wirksam werden.

Bei all diesen Überlegungen darf man aber keinesfalls die Rolle Russlands, insbesondere im Syrien- Konflikt, außeracht lassen. Das zeigen die gemeinsamen Auftritte Putins mit Assad und die Erklärungen zum Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen. Rußland verfolgt in der Region eigene geopolitische Interessen, die Europa ernsthaft als Teil der möglichen Konfliktlösung im Nahen Osten einbeziehen muss. Das wird nicht gehen ohne Zugeständnisse, notfalls auch zu Ungunsten anderer Staaten in der Region (z.B. Ukraine). Zum Schluss gab Dr. Jaeger aus seiner Sicht einen kurzen Ausblick auf Syrien in zehn Jahren. Das Land wird zerbrechen, es ist in seinen bisherigen Grenzen nicht zu halten. Dabei werden Teile des Landes wohl an die Kurden gehen und die Zentralregion wäre sunnitischer Herrschaft unterworfen. Auch weitere Abspaltungen sind nicht auszuschließen. Nicht zuletzt spielen auch die Interessen der Nachbarn an den Rohstoffquellen eine wichtige Rolle. Insgesamt ein sehr informativer und interessanter Vortrag eines in der Region verwurzelten Referenten, der die vielen Risiken und offenen Fragen sowohl für den Nahen Osten aber auch für Europa aufzeigte.

Lesen Sie auch den Bericht der Rhein-Zeitung vom 25.11.2017 ...
 
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