Nachschau - Veranstaltung am 19.09.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Splendid Isolation?

Der BREXIT vor dem Realitäts-Check

 
Referent:
 

Dustin Dehéz

Managing Partner bei Manatee Global Advisors GmbH
 

am Dienstag, 19. September 2017, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststraße 4, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

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vom 26.09.2017

Brexit, Trump und AfD, die Reihe setzt sich fort

Politische Auswirkungen allein des Brexit werden in Europa groß sein

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Auf wenig Verständnis stieß innerhalb der GSP-Veranstaltung die Haltung des britischen Außenministers Boris Johnsohn (Bildmitte). Am 16. Februar 2017 war Johnson Übernachtungsgast in Bad Neuenahr. - Foto: Jochen Tarrach

Bad Neuenahr. Trump Präsident in den USA, Großbritanniens Exit aus der Europäischen Union (EU), die AfD im Deutschen Bundestag. Alles Befürchtungen, die vor den jeweiligen Wahlen kaum jemand glauben wollte. Trotzdem sind sie wahr geworden und die Weltgemeinschaft hat nun mit den Auswirkungen zu kämpfen. Ursache dafür ist nach Ansicht von Politikwissenschaftler Dustin Dehéz in allen drei Ländern das Wahlverhalten einer von der Demokratie weitgehend abgehängten Wählerschaft, die ohne Hilfe des Staates nicht selbständig ihren Weg finden konnte und am allgemeinen Erfolg nur geringen Anteil hat. „Alle haben gedacht, dass am Ende die Vernunft siegt, aber es war nicht so“, so Dehéz. Besonders weitreichende Auswirkungen für die Europäische Union und auch für Deutschland hat der Brexit der Briten. „Splendid Isolation?“, wörtlich übersetzt die „wunderbare Isolation“, das bedeutet die Nutzung der geografischen Insellage des Vereinigten Königreichs zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes in Europa. Was im 19. und 20. Jahrhundert durchaus seine Berechtigung hatte, ist im 21. Jahrhundert im Zeichen weltweiter Vernetzung eine Utopie geworden.

Die fatalen Auswirkungen des Brexit war Thema eines spannenden Vortrages, den Experte Dehéz vor den Mitgliedern der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) im Hotel Krupp hielt. Handel und Kooperation zwischen der EU und Großbritannien könnten über Nacht zum Erliegen kommen, wenn die derzeit in Brüssel laufenden Austrittsverhandlungen zu keinem befriedigenden Ergebnis kommen. Das wäre auch für unser Land bitter, denn immerhin zehn Prozent des britischen Exports gehen nach Deutschland und 14,97 Prozent des Imports kommen aus Deutschland. Man stelle sich das vor mit den ohne Vertrag üblichen Zoll-schranken. Experten schätzen, dass 200 Millionen Zollerklärungen jährlich ausgefüllt und bearbeitet werden müssen und dass allein Kosten von neun Milliarden Euro verursache. „Es wird eine massive wirtschaftliche Schädigung von Großbritannien geben“, sagt Dehéz voraus. Mit erheblichen Konsequenzen muss das Bankwesen in London rechnen. Es würde in der britischen Hauptstadt seine zentrale Funktion verlieren. Gewinner wären hauptsächlich Amsterdam und auch in bescheidenem Maße Frankfurt.

Der Buchautor und Politikberater Dustin Dehéz (Mitte) war bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik in Bad Neuenahr zu Gast und sagte deutliche Worte zum Thema Brexit. Links Sektionsleiter Josef Schmidhofer, rechts Vorstandsmitglied Klaus Kretzschmar. - Foto: Jochen Tarrach

Neben der wirtschaftlichen Dimension gerät leicht in Vergessenheit, dass der Brexit auch die Koordinaten der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik grundsätzlich verschieben wird. „Mit Großbritannien verlässt der militärisch fähigste Akteur die EU.“ Das Herauslösen sei hier nicht so ganz schwierig, aber der Verlust signifikant. Nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, gemeinsame Rüstungsprojekte bis hin zur reinen Polizeiarbeit, alles würde einen herben Rückschlag erleiden. Als besondere Antreiber sah Dehéz hier die britische Premierministerin Theresa May und den Hardliner Außenminister Boris Johnson. Noch vor wenigen Monaten war Boris Johnson im Rahmen eines Außenministertreffens in Bonn auch Übernachtungsgast in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Johnson stehe schon in den Startlöchern, May irgendwann abzulösen um den ganz harten Brexit durchzuführen. In der Londoner Regierung sein aber trotzdem nicht alle Minister besondere Freunde des Brexit. Was treibt diese sicherlich hoch intelligenten Menschen an, derart wider alle Vernunft zu handeln und dem Volk in vielen Dingen einfach nicht die Wahrheit zu sagen? Auf diesen harten Vorwurf hatte auch Dehéz keine verbindliche Antwort. So erlebten die Zuhörer einen spannenden Abend, der in einer angeregten Diskussion endete. Aber auch dabei gab es nicht auf alle Fragen eine verbindlich erklärende Antwort.

 
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