Nachschau - Veranstaltung am 19.09.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Splendid Isolation?

Der BREXIT vor dem Realitäts-Check

 
Referent:
 

Dustin Dehéz

Managing Partner bei Manatee Global Advisors GmbH
 

am Dienstag, 19. September 2017, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststraße 4, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

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Bericht der Sektion Bad Neuenahr – Ahrweiler

Splendid Isolation?

GSP-Vortrag über die BREXIT- Folgen für Großbritannien

Von Klaus Kretzschmar
Politikwissenschaftler Dustin Dehéz (links), Sektionsleiter Josef Schmidhofer (rechts) - Foto: Brigitte Schmidhofer

Bad Neuenahr. Der BREXIT vor dem Realitäts-Check oder „Splendid Isolation?“ war das Thema eines Vortrages von Politikwissenschaftler Dustin Dehéz vor den Mitgliedern der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und interessierten Gästen.

Der Referent machte dabei deutlich, dass sich der BREXIT in eine Reihe weiterer Ereignisse einordnen lässt, wie die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA oder der Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag. Dehéz dazu: „Alle haben vor den jeweiligen Wahlen geglaubt, dass am Ende die Vernunft siegt, aber es war nicht so.“ Ursache dafür ist das Wahlverhalten einer von der Demokratie weitgehend abgehängten Wählerschaft, die ohne Hilfe des Staates nicht selbständig ihren Weg finden konnte und am allgemeinen Erfolg nur geringen Anteil hat. Politikwissenschaftler Dehéz machte auch deutlich, dass der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU auf allen Seiten nur Verlierer sieht. Die „Splendid Isolation“ (wörtlich „wunderbare Isolation“) gaukelt besonders den britischen Staatsbürgern eine Utopie vor, wie sie im vernetzten 21. Jahrhundert niemals Realität werden kann. Handel und Kooperation zwischen EU und Großbritannien könnten über Nacht zum Erliegen kommen, wenn die derzeit laufenden Verhandlungen zu keinem befriedigenden Ergebnis führen.

Die Aussagen von Premierministerin Theresa May in Florenz, lassen da wenig Hoffnung aufkommen; zeigen sie doch, dass die britischen Vorstellungen weit von denen der übrigen Europäer entfernt sind. Aber auch für Deutschland hätte ein Scheitern der Verhandlungen gravierende Auswirkungen, denn 10 % des britischen Exportes gehen nach Deutschland und ca. 15 % des Importes kommen aus Deutschland. Diese Zahlen muss man dann im Konsens mit den wegfallenden Zollvergünstigungen sehen. Experten schätzen, dass 200 Millionen Zollerklärungen pro Jahr bearbeitet werden müssten, was allein Kosten von 9 Mrd. Euro entspräche. Dehéz prognostiziert „eine massive wirtschaftliche Schädigung von Großbritannien“.

Auch der derzeitige Finanzplatz London würde seine zentrale Rolle verlieren, da einige Banken über einen Wechsel nach Amsterdam und in geringerem Umfang nach Frankfurt am Main nachdenken.

Neben den wirtschaftlichen Aspekten würde sich der BREXIT aber auch in bedeutendem Umfang auf die europäische Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur auswirken. Derzeit ist Großbritannien „der militärisch fähigste Akteur der EU“; sein Ausscheiden hat Auswirkungen auf gemeinsame Rüstungsprojekte, nachrichtendienstliches Zusammenwirken bis hin zur Polizeiarbeit. Dehéz betonte aber auch, dass nicht alle Minister der Londoner Regierung Freunde des BREXIT sind. Es hängt also auch von den weiteren Entwicklungen ab, wie sich der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU gestaltet. Auch die offensichtlichen Widersprüche zwischen den Realitäten und den Aussagen einiger Politiker gegenüber der britischen Bevölkerung, konnte der Referent nicht abschließend klären. Es war ein hochinteressanter Abend, der mit einer angeregten Diskussion seinen Abschluss fand.

 
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