Nachschau - Veranstaltung am 24.11.2014

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Gewalt als Strategie.

Wie Extremisten handeln und werben

Referentin:

Dr. Dorothee Dienstbühl

Lehrbeauftragte
für Politikwissenschaften an der TU Darmstadt
 

am Montag, 24. November 2014, 19.30 Uhr

im Hotel Krupp
Poststr. 4, 53474 Bad Neuenahr

 
 
Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Dorothee Dienstbühl in Bad Neuenahr - Foto: Haverbusch
 
Pressebericht
vom 06.12.2014

Extremismus ist wachsende Gefahr

Vortrag: GSP suchte nach Gründen, warum junge Menschen zu Extremisten werden

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach

Kreisstadt. Diesmal waren es nicht die reinen Fragen der militärischen Sicherheitspolitik, die im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsabends der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) standen, sondern die des Extremismus aller Couleur, der auch in Deutschland um sich greift. Wie immer zu den höchst interessanten Abenden der GSP und ihrer Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler fanden sich jüngst wieder rund 100 Zuhörer im Hotel Krupp in Bad Neuenahr ein. Aktive Soldaten, Ehemalige, interessierte Bürger und auch einige Schüler des Are-Gymnasiums waren dabei, um sich gemeinsam mit Sektionsleiter Gerd-Heinz Haverbusch mit Hintergründen des Extremismus zu beschäftigen.

Die Kriege und Auseinandersetzungen im Ausland nehmen zunehmend Einfluss auf das extremistische Geschehen in Deutschland. Im Sommer verursachte der Gaza-Krieg eine Welle des Antisemitismus, wie man ihn in Deutschland eigentlich überwunden glaubte. Auch die Kampfe zwischen Kurden und islamischer Extremisten der IS in Syrien und dem Irak finden in Deutschland immer mehr begeisterte junge Anhänger. 2013 tummelten sich in Deutschland rund 21.700 Rechtsextremisten, etwa 27.700 Linksextremisten sowie 43.000 radikale Muslime. Vermutlich rund 450 von ihnen sind nach Syrien ausgereist, um an den brutalen Kämpfen um ein erträumtes islamisches Kalifat teilzunehmen.

Die Referentin Dr. Dorothee Dienstbühl und GSP-Sektionsleiter Gerd-Heinz Haverbusch freuten sich über die große Resonanz auf das Thema des Abends. - Foto: Jochen Tarrach

Schwarz vermummte und gewalttätige Antifa-Kämpfer der linken Szene sind dagegen regelmäßig auf den deutschen Straßen zu finden und neuerdings verstärkt auch die sogenannten Hooligans. Während die Sicherheitsbehörden immer mehr unter Druck geraten, vermarkten Extremisten jeglicher Couleur ihre Aktionen insbesondere im Internet als besondere Heldentaten.

Was sind das für junge Menschen, die Gewalt als Strategie des menschlichen Zusammenlebens ansehen und was treibt sie an? Eine Antwort auf diese Fragen versuchte Dr. Dorothee Dienstbühl zu geben. Die junge Wissenschaftlerin promovierte zu diesem Thema erst 2014 an der Humboldt-Universitat in Berlin und ist derzeit als Leiterin der Abteilung Bedrohungsmanagement an der TU Darmstedt tätig. „Die extremistischen Ereignisse und Hintergrundtätigkeiten der Extremisten aller Ausrichtungen im Jahr 2014 erfüllen mit Sorge", stellte sie gleich zu Beginn fest. Da werde ungehindert in Moscheen blanker Hass gepredigt, auf Schulhöfen CDs mit rechtsradikalen Liedern verteilt oder auf Universitäten unverhohlen für die linke Gegen-alles-Ideologie geworben.

Extremismus bedeute in der letzten Form, Macht über andere Menschen ausüben zu wollen und, wie von den Islamisten der IS praktiziert und ebenso geschickt wie werbeträchtig filmisch vermarktet, die Entscheidung über Leben und Tod anderer Menschen als höchste Form der Macht. Dabei seien alle lediglich verblendet von falschen Vorbildern und fehlgeleiteten Ideologien, von der Gesellschaft und ihrem Leben enttäuschte Menschen oder süchtig danach, aus geordneten familiären ebenso wie staatlichen Bahnen auszubrechen. Besonders gefährdet seien auch leicht beeinflussbare, ziellose junge Menschen, denen durch Misserfolg ein Lebenssinn fehlt.

Noch viele weitere Einzelaspekte nannte die Referentin, hatte aber auch nur wenige Vorschläge, wie dem zu begegnen sei. Das sei ein schwieriger und langwieriger Prozess, bei dem Eltern und Betroffenen jegliche Hilfe gewährt werden müsse. Helfen würde auch in vielen Fällen die Erfahrung, dass alles eben doch nur ein sinnloser Traum war. Aber das könne dauern.

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