Nachschau - Veranstaltung am 26.10.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Zukünftige Sicherheitspolitik der NATO und EU

Referent:

Alessandro Scheffler Corvaja, MLitt.

International Security Studies (MISS)
UniBw, München und George C. Marshall-Center, Garmisch-Partenkirchen
 

am Montag, 26. Oktober 2015, 19:30 Uhr

im Hotel Krupp
Poststr. 4, 53474 Bad Neuenahr

 

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vom 28.10.2015

Nato ist kein Auslaufmodell

Alessandro Scheffler Corvaja sprach bei Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Volles Haus beim Vortrag von Alessandro Scheffler Corvaja bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, die bereits seit 39 Jahren als Sektion in Bad Neuenahr-Ahrweiler aktiv ist. - Foto: Tarrach

Bad Neuenahr. Die europäische Sicherheitspolitik im Visier hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, bei ihrer jüngsten Vortragsveranstaltung im Hotel Krupp in Bad Neuenahr. Sektionsleiter Gerd-Heinz Haverbusch begrüßte als Referenten Alessandro Scheffler Corvaja aus München, wissenschaftlicher Mitarbeiter am George C. Marshall European Center for Security Studies und Master of Letters an der University of St. Andrews (Großbritannien). Er kommt zu dem Schluss: Die Nato ist kein Auslaufmodell.

Seine Ausführungen zeichneten sich dadurch aus, dass er nicht das propagierte, was von Politikern nach langen Konferenzen als großer Erfolg verkündet wird, sondern er orientierte sich an der Realität. Sein Beispiel: die sogenannte „Speerspitze“ der Nato, die innerhalb von zwei Tagen einsatzbereit und besonders bei Gefahrenlagen in den baltischen Staaten zum Einsatz kommen soll. Nach den Geschehnissen in der Ukraine wurde sie gegründet, um den Ängsten dieser Staaten vor russischen Interventionen zu begegnen. „Die Soldaten mögen das schaffen, aber was nutzt das, wenn erst sämtliche Parlamente der beteiligten Staaten den Einsatz beschließen müssen?“, fragte der Referent. Grundlage ist der Artikel 5 des Nato-Vertrages. Dort heißt es: „ …dass im Falle eines bewaffneten Angriffs jeder Mitgliedsstaat Beistand leistet und Maßnahmen einschließlich der Waffengewalt trifft, die er für erforderlich hält.“ Diese könnten in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sein. Amerikanische Interessen lägen da oft anders als die der Europäer. Einen Automatismus des Nato-Einsatzes gebe es nicht, besonders da die USA nach der Auflösung des Warschauer Paktes ihren Fokus mehr auf den asiatisch-pazifischen Raum gerichtet hätten. Von den Europäern werde mehr Eigenverantwortung verlangt, und das bei überall sinkenden Verteidigungsausgaben. Gerade eine Stationierung von Truppen in den baltischen Ländern würde extrem hohe Kosten verursachen.

Ist die Speerspitze deshalb nur Wunschdenken? Könnte die Rückbesinnung auf eigene Kräfte und das Streben nach einer europäischen Armee ohne die USA die Lösung sein? Für Alessandro Scheffler Corvaja heißt die Antwort: Beide Organisationen, Nato und EU, werden gebraucht. Auch durch die Unterschiedlichkeit der Bedrohungen in Ost und West müssten sich beide Bündnisse ergänzen. Die Basis dafür bleibe auch weiterhin die unzerbrechliche Verbindung zwischen den USA und Europa.

 
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