Nachschau - Veranstaltung am 30.05.2016

 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Robotik - ein Game-Changer
für Militär und Sicherheitspolitik?

 
Referent:

Dr. rer. nat. Marcel Dickow, M.P.S.

Leiter der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik
der Stiftung Wissenschaft und Politik(SWP), Berlin
 

am Montag, 30. Mai 2016, 19:30 Uhr
im Hotel Krupp
Poststr. 4, 53474 Bad Neuenahr

 

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vom 01.06.2016

Robotik ist die Zukunft – auch beim Militär

Vortrag: Gesellschaft für Sicherheitspolitik hatte ausgewiesenen Fachmann eingeladen

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Gerd-Heinz Haverbusch (rechts) dankte dem Referenten. - Foto: Tarrach

Bad Neuenahr. „Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Legt man diese Erkenntnis des preußischen Generals Carl von Clausewitz (1780-1831) zugrunde, so wird die Menschheit auch weiterhin nicht vom Krieg verschont bleiben. Wie aber wird dieser Krieg der Zukunft aussehen? Eine Antwort auf diese Frage versuchte Dr. Marcel Dickow, Leiter der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), innerhalb eines Vortrags- und Diskussionsabends der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Bad Neuenahr- Ahrweiler, zu geben. Rund 100 Zuhörer trafen sich dazu am Montag im Hotel Krupp in Bad Neuenahr.

Obwohl mit 41 Jahren noch recht jung an Jahren, zählt der Referent Dr. Marcel Dickow M.P.S. (Master of Peace and Security Studies), zu den profiliertesten deutschen Fachleuten auf diesem Gebiet. Seine Voraussagen lassen nichts Gutes ahnen. „Der Krieg von übermorgen wird schon heute entwickelt“, sagte er. War früher die Entwicklung neuer militärischer Waffensysteme in der Technik führend, so ist hier ein Wandel eingetreten. Zivile Anwendungen, die vom Militär übernommen werden, liegen heute vorn. Halbautonome oder vollkommen autonome Systeme werden zukünftig mit nur geringem Eingreifen des Menschen die Kriegsschauplätze bestimmen. „Robotik – ein Game-Changer für Militär und Sicherheitspolitik?“, so lautete deshalb auch der Titel des Abends.

Ein Beispiel: die amerikanische Drohne X47B. Sie hat eine Reichweite von 4000 Kilometern und kann von einem Flugzeugträger oder von Land aus völlig autonom starten und jedes einprogrammierte Ziel erreichen und bekämpfen. „Die politische Hemmschwelle, einen Krieg zu beginnen, wird für technologisch führende Staaten sinken“, prognostizierte der Referent, denn eigene Soldaten würden nicht mehr gefährdet. Und nicht jede Armee unterliege einer strengen demokratischen Kontrolle. Im Zivilbereich heute schon viel genutzt: Quadrokopter. Jeder Fotograf schätzt sie. Mit einer Kamera versehen, schießen sie wunderschöne Luftaufnahmen. Aber bestückt mit einer Giftspritze oder einer Waffe, können sie auch Menschen direkt angreifen. Oder das für den Straßenverkehr entwickelte völlig autonome Google-Auto. Der militärische Straßenkonvoi wird zukünftig ohne Fahrer auskommen. Die große Frage sei nur, ob die Menschen zukünftig noch die Kontrolle behalten können.

In Echtzeit ist das heute schon vielfach nicht mehr möglich. Die Systeme reagieren so schnell, dass der Mensch nicht mehr folgen kann. Beispiel aus dem Zivilbereich: Ein Schachcomputer besiegt heute schon in kurzer Zeit fast jeden Schachspieler. Wie sollen dann internationale Regeln der Kriegsführung, wenn sie überhaupt Beachtung finden, noch eingehalten werden? „Das Problem wird in wenigen Jahren gelöst sein“, so Dickow. Die Systeme müssten lernen, Regeln einzuhalten und diese zu verstehen.

Noch viele weitere Beispiele hatte der Referent parat – durchweg erschreckende. So entwickelte sich unter der Leitung von Sektionsleiter Gerd-Heinz Haverbusch nach dem Referat eine lebhafte Diskussion. „Warum kann man aktuell die IS-Kämpfer in Syrien und dem Irak nicht mit Drohnen bekämpfen?“, so lautete eine der Fragen. „Der IS ist ein politisches Problem und nicht durch Robotik zu lösen“, so die knappe Antwort.

 
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