Nachschau - Veranstaltung am 16.04.2015

 
 

Besichtigung

 

European Space Operations Centre
ESOC

Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur - ESA

 

am Donnerstag, 16. April 2015, 10.00 Uhr

Robert-Bosch-Str. 5, 64293 Darmstadt

 
Foto: Hauptkontrollraum ESOC, Darmstadt - ESA/Jürgen Mai, Lizenz: CC BY-SA 3.0 IGO
 

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Gastbeitrag eines Veranstaltungsteilnehmers

Raumfahrt hautnah

Niedernhausener Reservisten und GSP-Sektion Rhein-Main zu Gast bei der ESA in Darmstadt

Von Klaus Lehmann
Führung durch den Hauptkontrollraum ESOC von Herrn Keck (Euclid Flugkontrollteam) - Foto: ESA

Sicher, jeder kennt Satellitentechnik, Raumfahrt, Mond- und Trabantenlandungen. Leider nur allgemein und oberflächlich, ohne profundes Hintergrundwissen.
Michael Rodschinka, Leiter der GSP-Sektion Rhein-Main und Vorsitzender der Niedernhausener Reservistenkameradschaft organisiert seit Jahren erfolgreich technisch und historisch fundierte Exkursionen für Mitglieder und interessierte Mitbürger. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Vorbereitung konnte er diesmal ein kleines Meisterstück anbieten: den Besuch beim Europäischen Luft- und Raumfahrtzentrum (ESA/ESOC) in Darmstadt. Im Normalfall schon schwer zugänglich, vermittelte er den 22 langfristig vorangemeldeten Interessierten Vorträge und Führungen der Deutschen Raumfahrtspitze.

Einem ausführlichen Einführungsvortrag des Direktors der ESA, Herrn Dr. Ing. Thomas Reiter (ehem. Astronaut) über die Organisation und Position im Verbund von 20 EU-Staaten, der internationalen Zusammenarbeit, folgten im Detailprogramm Einblicke in seine umfangreichen persönlichen Erfahrungen der bemannten Raumfahrttechnik und des Missionsbetriebs.

Höhepunkt dieser umfassenden Ausführungen waren sicherlich die Bilder und technischen Details zu der am 12. November 2014 erfolgten Landung der PHILAE auf dem Asteroiden Rosetta. Der am 2. März 2004 mit einer ARIANE 5 gestartete Satellit erreichte, kontrolliert und gesteuert aus Darmstadt, sein Ziel in 600 Millionen Kilometer mit einer nicht fassbaren Präzision. Auf dem ca. 4.100 qm großen Trabanten landete das Gerät mit einer von der berechneten Position nur ca. 120 m Abweichung.

Gruppenfoto vor dem Ariane 5 - Modell - Foto: ESA

Nur Wenigen ist bewusst, dass die technisch-werkstoffbezogenen Entwicklungs-Vorlaufzeiten schon schnell 10 Jahre betragen. Anschaulich verglich Dr. Reiter diesen Zeitraum mit der für die irdische Nutzung bezogenen Entwicklungszeit für ein Handy von maximal 6 Monaten. Die in der Raumfahrt gestellten Anforderungen einer betriebssicheren Funktion unter Strahlenbelastung, extremer Temperaturwechsel je nach Sonneneinstrahlung oder Schattenbildung, die Forderung nach max. Gewichtsreduktion und eines auf ein Minimum reduzierten Energiebedarfs erfordern nicht selten Funktionstestflüge von Einzelkomponenten und Basisaggregaten vor der Weiterentwicklung.

Zum Thema Erdbeobachtung, Kometenjagd, der Planetarischen Exploration und Astronomie referierte Herr Prof. Dr. Werner Enderle, Leiter des ESA/ESOC Navigation Office. Von Darmstadt aus wurden bzw. werden 60 Missionen betreut und überwacht – mit gewissem Stolz verzeichnete man bisher keine gescheiterte Mission. Weitere 45 befinden sich in Vorbereitung oder in der Planungsphase. Mit dazu gehört auch der Abschluss der Installation des Europäischen Navigationssystems GALILEO. Bisher wurden vier Test- und Optimierungssatelliten und vier der geplanten 30 Betriebseinheiten in Position gebracht. Durch GALILEO wird das amerikanische GPS-System entscheidend verbessert – die Positionsbestimmungen können dann auf wenige cm genau bestimmt werden, was z.B. für die angedachten Straßensteuerungssysteme von größter Bedeutung sein wird.

Zur Steuerung der Satelliten betreibt die ESA ein eigens Bodenüberwachungssystem. Hierfür sind weltumfassende Groß-Antennenanlagen mit der Industrie entwickelt und errichtet worden. Herr Frank Keck, Leiter des Hauptkontrollraumes stellte uns bei einem Rundgang den Raum vor, in dem bei erfolgreicher Mission geklatscht und auch einmal Sekt getrunken wird. Dort, vom Fernsehen bekannt, liegt die Verantwortung für die Millionen-Missionen. Vor jedem Start liegen 6 Monate Trockenübungen an Duplikaten oder Modellen im Simulator.

GEO- und Wettersatelliten senden Bilder vom Eis der Polkappen, von Ozonlöchern, Überflutungen und Austrocknungen, wie z.B. des Aralsees. Wettersatelliten erlauben bei weltweiter Nutzung präzise Vorhersagen.

Unverzichtbar ist die Kontrollfunktion der Flugbahnverfolgung – nicht nur dass Winkel und Flughöhen evtl. per Steuerung korrigiert werden, sondern ca. 14.000 Altlasten und Trümmerteile fliegen zwischenzeitlich als Weltraum-Müll im All. Funktionssatelliten müssen den Partikeln ausweichen – schon wird über evtl. Einsammeln nachgedacht.

Drei Stunden intensiver Information stellten eine nicht geringe Anforderung an uns Besucher dar. Auch wenn viele von uns durchaus technische und organisatorische Vorkenntnisse haben, am Ende waren wir doch erschöpft. Da sind die von Michael Rodschinka auch organisierten Besichtigungsfahrten zu mittelalterlichen Burgen und Schlösser oder auch die beliebten „Treffen beim Wein“ in Oppenheim oder „beim Bier“ im Paulaner doch geruhsamer. Gerade diese Angebote sind es aber, die zunehmend auch die eher nicht Aktiven einladen, an den Veranstaltungen der Niedernhausener Reservisten und der Sektion Rhein-Main der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. teilzunehmen.

 
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