Nachschau - Veranstaltungen am 21. und 22.09.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Mit dem Schleuser nach Europa und dann?

Referent:

Dr. Matthias Neske

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
 

Öffentlicher Vortrag

am Montag, 21. September 2015, 19.30 Uhr
im Burgwald-Kasino

 

Schülerveranstaltung

am Dienstag, 22. September 2015, 08.00 Uhr
in der Hans-Viessmann-Schule

 

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vom 30.09.2015

"Mit dem Schleuser nach Europa und dann?"

Vortrag bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Der Schulleiter der Hans-Viessmann-Schule Carsten Placht und der stellvertretende Sektionsleiter Manfred Weider begrüßten den Referenten Dr. Matthias Neske (v.l.) - Foto: pr

Frankenberg. Zu einem Abendvortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Waldeck- Frankenberg (GSP), unter dem Thema „Mit dem Schleuser nach Europa und dann?“ begrüßte der stellvertretende Sektionsleiter Manfred Weider vor 140 interessierten Gästen den Referenten Dr. Matthias Neske in der Aula der Hans-Viessmann- Schule. Als der Vortrag geplant wurde, ahnten die Organisatoren nicht, wie aktuell das Thema durch die Flüchtlingsströme nach Europa sein würde.

Die Flüchtlingsströme hatten direkte Auswirkungen auf den Veranstaltungsort des Vortrags. Dieser wurde vom Burgwald- Kasino in die Aula der Hans- Viessmann-Schule verlegt. Dazu gab der stellvertretende Kommandeur Major Stefan Burkhard in seinem Grußwort eine kurze Erklärung. Das EloKaBtl 932 musste die Köche des Kasinos zur Versorgung von Flüchtlingen nach außerhalb abstellen. Das wenige Restpersonal ist nicht in der Lage, den Betrieb in vollem Umfang aufrechtzuerhalten. Daher schließt das Kasino täglich bis auf Weiteres um 13 Uhr.

Referent Dr. Matthias Neske ist Referatsleiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und dort in der Migrationsforschung auf dem Forschungsfeld III – „Wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge“ – tätig.

Die GSP hatte mit Neske vereinbart, dass sein Referat die Grundlagen der Migration vermitteln sollte, was ihm gelang. Anhand des „Human Development Index“ zeigte er die ungleichen Einkommensverhältnisse auf der Welt auf, mit dem Hinweis, dass die Migrationsströme nicht aus den ärmsten Ländern erfolgen. Die Ursachen für Migration sind vielfältig. Ein prekärer Arbeitsmarkt, niedrige Löhne, Gefahr eines Umsturzes des politischen Systems, mangelhaftes Bildungssystem, mangelhaftes Gesundheitssystem und starkes soziales Gefälle sind die bekanntesten Gründe zur Flucht.

Aber auch Vergleichsprozesse, wie etwa soziale Spannungen oder soziale Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft, seien Ursachen, um das eigene Land zu verlassen. Das Schwierige bei diesen Ursachen sei, dass die subjektive Wahrnehmung zählt.

Im nächsten Schritt erklärte er die Wahl des Ziellandes. Historische und sprachliche Gründe sind oft ausschlaggebend. Die Arbeitsmöglichkeiten sind weitere Gründe. Somalier bevorzugen beispielsweise Norwegen und Syrer Deutschland, da hier gute Sozialstandards bestehen sowie eine gute politische Sicherheit. Es gibt jedoch mehrere Gründe, die zu einer Entscheidung zugunsten eines Landes führen.

Dann stellte der Referent die Organisation von Schleusungen vor. Er stellte klar, dass Menschen nur Schleuser in Anspruch nehmen, wenn sie sonst keine andere – vor allem legale – Möglichkeit haben. Es gilt das Marktprinzip „Angebot und Nachfrage“. Dieses Prinzip birgt für den Flüchtling hohe Risiken. Wenn die Schleusung nicht klappt, hat er alles verloren und kann den Schleuser nicht zur Rechenschaft ziehen. Als Netzwerk stellte er die „lokale Schleusung“ vor, wobei ein Migrant von Schleuser zu Schleuser gelotst wird. Dieses System ist sicherer als das Marktprinzip.

Als eine oft genutzte finanzielle Transaktion erklärte er das Verfahren „Hawala“. Ein Geldtransfersystem, das im Handel über die Seidenstraße entwickelt wurde, um den Raub von mitgeführtem Bargeld zu verhindern. Es verschleiert auch die Geldwege.

Neske stellte zudem das Pilotprojekt der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit dem Bundesprogramm „XENOS – arbeitsmarktliche Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge (BAMS) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)“ vor. Die Teilnehmer seien hochmotiviert, benötigten aber enge Begleitung, was sehr personalintensiv ist. Schwierig sei die Kompetenzdiagnose der Teilnehmer. Die Arbeitsmarktintegration ist auch für die Bestqualifizierten ein weiter Weg.

Das Fazit des Referenten war, das weitere Modell- und Pilotprojekte nötig sind. Es müssen Netzwerke aufgebaut werden, was besonders in Richtung Ministerien und anderer Gremien im politischen Raum gezielt ist. Hier spricht man nicht unbedingt miteinander. Es müssten niedrige Stellenangebote als Start realisiert werden. Das gesellschaftliche Bewusstsein müsse dafür geschärft werden, dass hier ein ganz wichtiger Invest für die Zukunft erforderlich ist. Und Investieren heißt meistens, dass man zunächst Miese macht. Die Migration müsse als integrativer Teil der Globalisierung begriffen werden. Eine Abkehr von einer rein mechanischen Sichtweise sei angesagt.

Die Diskussion lenkte dann auf die aktuelle Lage. Die Frage, ob man denn wüsste, wie viele „schlechte“ Menschen zu uns kommen, beantwortete Neske damit, dass die Flüchtlinge ein Spiegelbild ihrer Gesellschaft sind. Daher muss die Registrierung der Ankommenden schnellstens verbessert und beschleunigt werden. Aber Versäumnisse der vergangenen Jahre kann man nicht über Nacht ausgleichen. Die jüngsten Verbesserungen der Kontrollen, Registrierung und Verkürzung der Asylverfahren zeigen langsam ihre Wirksamkeit, bewertete er.

Das Angebot der GSP an die Hans-Viessmann-Schule, diesen Vortrag für die Schüler zu halten, nahm Schulleiter Carsten Placht gerne als erweiterte staatsbürgerliche Weiterbildung an. Rund 200 Schüler besuchten den Vortrag.

Die nächste Veranstaltung der GSP findet am Mittwoch, 1. November, um 19.30 Uhr im Burgwald- Kasino statt. Thema: „Islamischer Staat (IS) – Gewalt als Strategie, wie der IS handelt und wirbt – Ziele, Aufbau und Arbeitsweise des IS“. Referent ist dann Dr. des. Bernd Zywietz, M.A. (r)

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