Nachschau - Veranstaltung am 26.08.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Großmacht Indien? -

Welche Rolle spielt Indien bei den Global Playern,
wohin marschiert Indien?

Referent:

Dr. habil. Christian Wagner

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
 

am Mittwoch, 26. August 2015, 19.30 Uhr
im Burgwald-Kasino

 

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vom 02.09.2015

Indiens Platz in der internationalen Politik

Vortrag bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Dr. Christian Wagner hat bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik einen Vortrag über die Bedeutung Indiens gehalten. - Foto: pr

Frankenberg. Zum Vortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Waldeck-Frankenberg (GSP), unter dem Motto „Großmacht Indien - welche Rolle spielt Indien bei den Global Playern, wohin marschiert Indien?" hieß Sektionsleiter Holger Schmör den Referenten Dr. Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin willkommen.

Die Forschungsgebiete weisen ihn als Indienspezialisten aus: Bangladesch, Indien, indo-pazifischer Raum, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Südasien, regionale Zusammenschlüsse und Kooperationen, Sicherheitskooperation in Südasien, Demokratie / Demokratisierung, Minderheitenkonflikte. Seine letzte Reise nach Indien fand im Frühjahr statt und im Oktober wird er wieder vor Ort sein.

Mit einer sehr einnehmenden Art, mit feinem Humor nahm er die Zuhörer mit auf eine sehr spannende Reise in dieses Land, dessen Namen jeder kennt. Die Indische Union ist mit 1,2 Milliarden Menschen das zweitgrößte Land und wird bis Mitte des 21. Jahrhunderts die Volksrepublik China überholen.

Der Hinduismus ist zu 80 Prozent verbreitet

Sie ist die größte Demokratie mit föderalem System. Die Stabilität dieses Staates mit einer Verfassung in 22 Sprachen bei über 100 gesprochenen Sprachen erklärte Dr. Wagner mit dem unverrückbaren Vertrauen in die Demokratie.

Das System der Kasten ist offiziell abgeschafft, lebt aber in der Bevölkerung weiter. Der Hinduismus, ein Sammelbecken vieler religiöser Strömungen, ist zu 80 Prozent verbreitet. 13 Prozent Muslime und viele andere Religionen sind hier heimisch.

50 Prozent der Einwohner sind jünger als 35 Jahre. 30 Prozent der Bevölkerung leben in den Städten. Durch die Armut auf dem Land existiert ein stetiger Zug in die Städte. „In der Stadt ist unter den dort herrschenden schlechten Lebensbedingungen immer noch besser zu leben als auf dem Land", beantwortete Wagner die Frage, wovon Menschen in der Stadt leben.

Prägend für die Wirtschaft ist eine Mittelschicht von 50 bis 150 Millionen Menschen, die meist im Ausland leben. Wagner machte immer wieder an den Zahlen deutlich, welche Dimensionen dort herrschen.

2010 mussten 68,8 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar am Tag leben. Beim globalen Hunger-Index steht Indien an 65. Stelle von 79 Staaten. Als größte innenpolitische Bedrohung nannte der Referent die maoistischen Aufstandsbewegungen. Indien ist Nuklearmacht. Das Land besitzt zwei Flugzeugträger (China hat nur einen) und hat mit 1,3 Millionen Soldaten die drittgrößte Streitmacht der Welt. Die Außenpolitik Indiens ist geprägt von dem Postulat „Wir sind Großmacht". Dies ist schon seit Nehru (1946) parteiübergreifender Konsens.

Wirtschaftlich zu China aufschließen

Ein Parameter der indischen Politik ist unverrückbar die Feststellung der Gleichrangigkeit mit China. Hierzu führte Wagner die wesentlichen Unterschiede zum wirtschaftlich stärkeren Nachbarn an. Indien ist ein stabile Demokratie mit einem privaten Kapitalismus, keinem Staatskapitalismus. Es sei als „defensive" Großmacht anzusehen, die keine territorialen Ambitionen jenseits der Grenzen hat. Indien verstehe sich als „schnellst wachsende Demokratie" und wolle mit einer stärkeren Industrialisierung in den nächsten Jahren auch wirtschaftlich zu China aufschließen. Das hohe Wirtschaftswachstum solle dazu beitragen, die anhaltenden Probleme von Armut und Unterentwicklung dauerhaft zu überwinden. International fordert Indien eine größere Mitsprache, beispielsweise durch einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN). Dr. Wagner sieht Indien auf diesem Weg. - (r)

 
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