Nachschau - Veranstaltung am 02.02.2017

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

ERITREA – Analysen aus einem
Hauptherkunftsland afrikanischer Flüchtlinge

Ein aktueller, persönlicher Reise- und Lagebericht

 
Referent:

Prof. Dr. Andreas Dittmann

Professor für Anthropogeographie und Geographische Entwicklungsforschung
an der Justus-Liebig-Universität Gießen
 

am Donnerstag, 02. Februar 2017, 19.00 Uhr
im Café Waldhof
Magdalenenhäuser Weg 40, 35578 Wetzlar

 
Foto: YouTube
 

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vom 04.02.2017

Dittmann: Eritrea als Schurken- und Sklavenhalter-Staat

Vortrag bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Von Lothar Rühl
Sektionsleiter Hartmut Großkreuz mit dem Referenten Prof. Dr. Andreas Dittmann von der Justus-Liebig-Universität. - Foto: Rühl

Wetzlar (lr). „Eritrea ein Schurken- und ein Sklavenhalter-Staat“. Auf diese kurze Formel brachte der Gießener Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Dittmann von der Justus-Liebig-Universität seine Einschätzung der politischen Lage. Der Professor für Anthropogeographie am Institut für Geographie berichtete vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Wetzlar/Lahn-Dill, über seine jüngste Reise in das ostafrikanische Land. Der Referent gilt als Kenner afrikanischer Staaten und ist manchem auch als Experte für die MENA-Region und Afghanistan durch viele Fernsehsendungen bekannt. Er trug bereits mehrfach im Laufe der letzten Jahre bei der GSP-Sektion in Wetzlar/Lahn-Dill vor.

Dittmann lenkte diesmal den Blick nicht nur auf die touristisch reizvolle Region Afrikas, sondern zeigte die Ursachen auf, warum Monat für Monat 5.000 junge Menschen das mit 5,8 Millionen Einwohnern kleine Land verlassen.

Dittmann sagte, der marxistisch geführte Staat lasse seine Bürger laufen, weil sie anschließend verpflichtet werden 2,5 Prozent ihres Einkommens in die Heimat zu schicken. Sollten sie dieser Forderung nicht nachkommen, so würden zu Hause Eltern, Geschwister und andere Angehörige gefoltert. Aus keinem anderen afrikanischen Land fliehen so viele Menschen wie aus Eritrea. Die jungen Leute kehren ihrer Heimat den Rücken, obwohl es keinen Hunger und keinen Krieg gibt. Aber sie werden zum Nationaldienst, also zum Wehrdienst, eingezogen, der oft bis zu acht Jahre oder länger dauern kann.

Die Militärdiktatur setzt sie als Lehrer, im Gesundheitsdienst, beim Straßenbau, im Transportwesen oder eben auch als Soldaten ein. Kein junger Mensch weiß, wann oder ob er wieder zurück in seine Familie kann. Wehrpflichtig sind übrigens alle Männer und Frauen zwischen 18 und 40 Jahren.

Diese bedrückende Situation führt dazu, dass Deutschland 93 Prozent der Asylbewerber aus Eritrea anerkennt, so der Referent, der bereits zum vierten Mal vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik sprach. Eritrea gelte gleichwohl als eines der fünf ärmsten Länder der Welt. Die Politik und die wirtschaftliche Situation seien Folgen postkolonialer Politik. Von 1890 bis 1936 war das Land italienische Kolonie.

Präsident Isayas Afewerki hält eine der letzten marxistischen Nationen und kämpft oder rüstet seit über 25 Jahren auf an der Grenze zu Äthiopien, um seinen Herrschaftsanspruch. In Deutschland kann er sich dabei auf die einst vor der Wende in die DDR geschickten Eritrear verlassen, die ein System der Überwachung ihrer geflohenen Mitbürger unterhalten. In Deutschland lebten sie deshalb nur in einer bedingten Freiheit.

Dabei sei Deutschland nicht das Hauptzielland der Eritreaer. Italien und Großbritannien, das auch einst Kolonialmacht war, haben einen größeren Anteil an Flüchtlingen. Im letzten Einparteienstaat Afrikas gebe es keine Zivilgesellschaft. Die letzte Parlamentssitzung fand im Jahr 2001statt. Unter den Religionen herrsche Frieden. Eritrea hat etwa 49 Prozent Christen und 48 Prozent Muslime. Doch Präsident Afewerki betreibe aktive Christenverfolgung gegen evangelikale Gläubige darunter. Dies resultiere aus seinem Hass gegen Amerika. Alle neueren Religionsgemeinschaften würden verfolgt, weil er durch sie amerikanische Einflüsse befürchte. Zudem wirft er ihnen Spionagetätigkeit vor. Deshalb steht Eritrea auf Rang zehn der schlimmsten Christenverfolgerstaaten weltweit. Bei der Presseunfreiheitsskala nimmt das Land am Horn von Afrika Platz 180 von 180 ein.

Die Vereinten Nationen sprechen von einer militärischen Versklavung der Bevölkerung. Eine der wichtigsten Einnahmequellen sei der Waffenschmuggel über den Sudan nach Palästina. Bislang lässt die westliche Welt den seit 1993 herrschenden Präsidenten Afewerki gewähren. Dies liege an seiner Bedeutungslosigkeit, so der Experte. Dittmann zeigte auch die Verstrickungen mit verschiedenen Terrororganisationen auf.

Die jungen Leute fliehen nicht auf dem kürzeren Weg sondern nehmen den langen, gefährlichen Weg über die Wüste bis nach Libyen, um sich von Schleppern mit überfüllten Booten nach Europa bringen zu lassen.

Der Sektionsleiter, Oberstleutnant a. D. Hartmut Großkreuz bedankte sich bei dem Referenten sowie bei der Inhaberin vom Café Waldhof, Heidi Conrady, die das Café eigens für die Veranstaltungen öffnet.

 
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