Bedrohung Russland?

Vortrag bei der Sicherheitspolitischen Hochschulgruppe der Universität Mannheim
über die Sicherung der NATO-Außengrenzen am Beispiel Estlands

Von Tim Huber

Die sicherheitspolitische Ausrichtung der NATO unterliegt derzeit einem umfassenden Wandel. Die Annexion der Krim durch die Russische Föderation hat lange für überholt gehaltene Szenarien wieder auf den ‚Kartentisch‘ gebracht. Im Zuge der Flexibilisierung der Bündnisverteidigung wurde mit Blick auf die Ostgrenzen der NATO im Herbst 2014 der sogenannte "Readiness Action Plan" verabschiedet, dem die Gründung einer "Very High Readiness Joint Task Force" folgte. In dieses politische Umfeld eingebettet, wollte die Sicherheitspolitische Hochschulgruppe der Universität Mannheim das Augenmerk auf die sicherheitspolitische Situation der Länder des Baltikums legen.

Am 10.03.2016 hatte die Sicherheitspolitische Hochschulgruppe der Universität Mannheim den Oberst der Reserve Dr. Heinz Neubauer von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik aus Heidelberg zu Gast. Er war im Auftrag der Bundeswehr jeweils im Sommer 2014 und 2015 für einige Wochen in Estland, um den Ausbau der verteidigungspolitischen Kooperation mit der NATO ("Host Nation Support") zu begleiten und berichtete über seine dort gemachten Erfahrungen.

Zunächst stellte Neubauer einleitend geschichtliche und kulturelle Besonderheiten des Landes vor, um anschließend die Neuausrichtung der estnischen Verteidigungsstrategie zu erläutern. So habe Estland sich in der Vergangenheit auf die Sicherung der östlichen Landaußengrenzen fokussiert und dabei die Sicherung "rückwärtiger" Inselgruppen im baltischen Meer auf der Westseite vernachlässigt. Diese Strategie habe jedoch eine wesentliche Lücke offenbart, da auf diesen Inseln im Falle einer feindlichen Invasion Radarsysteme positioniert werden könnten, die den Luftraum für NATO-Kräfte unzugänglich machen würden. Dieses wahrgenommene Defizit solle in Zukunft korrigiert werden.

Dr. Heinz Neubauer beim Vortrag - Foto: Huber

Neubauer unterstützte seine Ausführungen mit zahlreichen Karten und Fotografien; zudem erhielten die gut 20 Zuhörer Einblicke in die besonderen historischen, ethnischen und kulturellen Charakteristika der betreffenden Inseln. Anschließend führte der Referent Beispiele für logistische Anpassungen der estnischen Infrastruktur an die Anforderungen des Host Nation Supports an und zeigte auf, wie zahlreiche zivile Einrichtungen im Verteidigungsfall einen militärischen Zweck erfüllen könnten. Des Weiteren schilderte Neubauer die Besonderheiten der estnischen Landesverteidigung, bei der eine wichtige Rolle den militärischen Freiwilligenverbänden, sogenannt Katseliit (‚Verteidigungsliga‘), zukomme, deren Landes- und Ortskenntnisse sowie oftmals vorhandene Erfahrungen im Umgang mit Jagdwaffen diese trotz der geringen Mannstärke potentiell zu schlagkräftigen Guerilla-Einheiten machten.

Abschließend hatten die Gäste Gelegenheiten, Neubauer weitere Fragen zu stellen. Hier zeigte sich eine hohe Bandbreite an Interesse, von möglichen ethnischen Spannungen über die historische Prägung durch die Zugehörigkeit zur Sowjetunion bis hin zur Bewaffnung und Ausbildung estnischer Soldaten. Neubauer zeigte ein breites Hintergrundwissen auch zu spezielleren Themen und konnte mit seinen Antworten den Vortrag zu einem gelungenen Gesamtüberblick abrunden.

Dr. Heinz Neubauer, Oberst d.R. mit der Vorstandschaft der SHSG Mannheim - Foto: Huber
 
 

Veranstaltungen 2014

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