Nachschau - Veranstaltung am 02.02.2015

 
 
 

Wintervortragsabend

zum Thema

Mythen und Herausforderungen
deutscher Sicherheitspolitik

Referent:

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl

GSP-Vizepräsident
ehem. Präsident der BAKS

am Montag, 2. Februar 2015, 19.30 Uhr
im Olga-Saal, Reinhardt-Kaserne
Hohenstaufenstraße 2a, 73479 Ellwangen

 

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vom 04.02.2015

Das „Weiter so“ reicht nicht mehr

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl spricht über Mythen und Herausforderungen deutscher Sicherheitspolitik

VON GERHARD KÖNIGER

Ellwangen. Eine kritische Analyse der deutschen Sicherheitspolitik angesichts gegenwärtiger außenpolitischer Bedrohungen nahm Generalleutnant a.D. Kersten Lahl vor. Der Vizepräsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) sprach im Olga- Saal der Reinhardt-Kaserne.

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl mit den Veranstaltern der Wintervorträge: (von links) Wolfgang Banek, Kersten Lahl, Gerhard Ziegelbauer, Standortältester Oberstleutnant Ralf Röttger. (Foto: Gerhard Königer)

Die Wintervorträge, die seit vielen Jahren die GSP, Sektion Ostwürttemberg, zusammen mit dem Reservistenverband und dem jeweiligen Kommandanten des Bundeswehrstandorts Ellwangen veranstaltet, wird fortgesetzt auch wenn die Zahl der Dienstposten in Ellwangen „signifikant reduziert“ wurde. Dies versprach Regierungsdirektor Wolfgang Banek, der Leiter des Sprachenzentrums, als er die rund 80 Zuhörer begrüßte.

Gerhard Ziegelbauer, der GSP-Sektionschef, freute sich über den Beistand und kündigte ein Vortrags- und Veranstaltungsprogramm an, das vorerst bis 2016 reicht. Unter anderem wird Dr. Kinan Jäger von der Universität Bonn über das „Chaos in Nahost“ und der ehemalige Kommandeur der Ellwanger Garnison, Christoph Ammon, über seine mehrjährige Tätigkeit in Indien sprechen.

Zunächst sollte es jedoch eine umfassende Betrachtung deutscher Sicherheitspolitik in Zeiten gefährlicher Entwicklungen im Osten, Süden und Westen der Bundesrepublik geben. Generalleutnant a.D. Kersten Lahl, der nach verschiedenen Führungsverwendungen bei der Bundeswehr in das Verteidigungsministerium wechselte und schließlich sicherheitspolitischer Berater des Bundespräsidenten war, blickte mit Sorge auf die Krisenherde in Afrika, Nahost und der Ukraine. „Wir stehen mitten in einer Zeitenwende. Jetzt ist weit mehr als das übliche Krisenmanagement nötig“, meinte er. Zumal auch zwischen USA und Europa immer mehr Misstöne zu hören seinen.

Es sei höchste Zeit, die Bündnisverteidigung innerhalb der Nato zu intensivieren, um ernst genommen zu werden: „Abschreckung ohne Verteidigungswillen ist unwirksam.“ In dem Zusammenhang kritisierte Lahl auch das Fehlen einer EU-weiten Sicherheitsstrategie. Das Bild der „Europäer in festem Zusammenhalt“ verwies er in das Reich der gefährlichen Mythen. Tatsächlich verfolgten die einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedliche Ziele, die Streitkräfteplanung müsste viel besser aufeinander abgestimmt werden und die Rüstungsexportpolitik ebenso. „Wir brauchen den Konsens, ein demokratischer Schulterschluss ist ein Mehrwert an sich“, sagte Lahl und sprach damit auch die transatlantische Zusammenarbeit an.

Die Sicherheitspolitik, nicht nur Deutschlands, sondern in der gesamten EU, sei von einer „strategischen Armut“ gezeichnet. Ein „kurzatmiges Durchlavieren“, anstatt einer echten Strategie, sei bei allen außenpolitischen Bedrohungen zu beobachten. Ob Ukraine, Afrika, IS oder Gefahren im pazifischen Raum. Ob Fragen wie Flüchtlingsprävention, Energieversorgung oder eine Einbindung Russlands, die Arbeit an Konzepten beginne meist erst unter dem Druck sich überstürzender Ereignisse. „Das Weiter so reicht nicht mehr. Wir brauchen mutige Weichenstellungen, damit wir den Ereignissen nicht mehr hinterherlaufen“, beendete Lahl seinen Vortrag.

Im Anschluss hatten die Veranstalter in das ehemalige Offizierscasino zum Neujahrsempfang mit vertiefenden Gesprächen geladen.

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