Nachschau - Veranstaltung am 11.10.2016

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Zwischen Krieg und Frieden –
Perspektiven für den Nahen Osten

 
Referent:

Simon Jacob

Gründungsvorsitzender und Friedenbotschafter
des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland e.V.
 

am Dienstag, 11. Oktober 2016, 19.00 Uhr
in der Reinhardt-Kaserne, Olga-Saal
Hohenstaufenstraße 2a, 73477 Ellwangen (Jagst)

 
Foto: YouTube
 

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vom 13.10.2016

Als Friedensbotschafter unterwegs im Krieg

Simon Jacob spricht in der Reinhardt-Kaserne über Perspektiven für den Nahen Osten

ELLWANGEN (R.) Auf Einladung des Reservistenverbands, der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des Sprachenzentrums Süd der Bundeswehr hat Simon Jacob, ehemaliger Integrationsbeauftragter der syrischorthodoxen Kirche und Ex-Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, in der Reinhardt- Kaserne über Perspektiven für den Nahen Osten zwischen Krieg und Frieden gesprochen. Im Rahmen der von ihm initiierten „Peacemaker- Tour“ besuchte er 2015 und 2016 als Friedensbotschafter und Journalist die Türkei, Georgien, Armenien, Nordsyrien, den Nordirak und den Iran. In fünf Monaten legte er rund 40 000 Kilometer zurück und sprach mit christlichen Flüchtlingen, Geistlichen, Politikern, Jugendlichen und Folteropfern. Für seine Reise, die im Herbst 2015 in Istanbul startete, gab er einen Managerposten auf und war mit kleinem Budget und Kamera unterwegs.

Zu Beginn brach Simon Jacob, der 1978 im Südosten der Türkei geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam, eine Lanze für die Werte der Demokratie, die gegen Extremisten jeglicher Couleur verteidigt werden müssten. Um die Freiheit zu verteidigen, habe er die Peacemaker- Tour gestartet. Christen im Nahen Osten, eingekreist zwischen Sunniten und Schiiten und bedroht von wahhabitischen Gotteskriegern, drohe die Auslöschung: „Ich habe noch nie eine Religion erlebt, die so zerbombt wurde“, sagte Jacob. Grauenhafte Bilder von Massengräbern in Sindschar, in denen christliche und jesidische Frauen und Kinder verscharrt wurden, waren für die Zuhörer fast ebenso schwer zu ertragen wie für Jacob selbst vor Ort.

Für den sogenannten Islamischen Staat, der natürlich mit dem Islam zu tun habe, sei die Welt ein „Haus des Krieges“: „In Syrien ist die Menschlichkeit verloren gegangen“, so Jacob. Nährboden für Gräueltaten schlimmster Art sei vor allem die Rolle der Frau, ihre Kontrolle durch die Männer und deren damit verbundene sexuelle Frustration: „Ohne sexuelle Freiheit wird es nie Frieden geben im Nahen Osten.“ Viel zu lang habe der Westen wegen wirtschaftlicher Interessen weggesehen. Ein weltweiter Stopp der Waffenlieferungen wäre ein erster Schritt: „Religion und Waffen, das ist ein giftiges Gemisch.“ Es gehe jetzt um Perspektiven. Und darum, Terroristen zu brandmarken und über Wahhabismus saudischer Prägung zu sprechen, „ohne sich davor zu fürchten.“ Der IS werde eines Tages kollabieren. Dann habe man es mit der Al-Quaida nahestehenden Al- Nusra-Front zu tun.

Neben der Abkehr von patriarchalischen Gesellschaften mit Stärkung der Frau nannte Jacob als Perspektiven für den Nahen Osten wirtschaftliche Impulse und Bildungsoffensiven. Er mahnte ein einheitliches Agieren Europas und seiner Streitkräfte an, warnte vor dem Erstarken des rechten Rands mit Migrationshintergrund hierzulande und übermittelte die Botschaft eines gegen den IS kämpfenden Sunniten: „Wir sind nicht so. Wir leben einen anderen Islam.“ Um es mit Simon Jacob selbst zu sagen: „Der IS ist von Wahnsinnigen getrieben und will uns alle zu Wahnsinnigen machen. Es liegt an uns, wie wir uns entscheiden.“

 

Lesen Sie bitte auch den Beitrag der Schwäbischen Post.

 
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