Nachschau - Veranstaltung am 13.04.2016

 
 
 

Sicherheitspolitischer Vortrag 2 - 2016

zum Thema

Krisenregion Naher Osten:

Syrien - ein Volk auf der Flucht

- Der Volksaufstand nach jahrzehntelanger Unterdrückung-
mögliche Zukunftsszenarien

 
Referent:

Dr. Sadiqu Al-Mouslli

Sprecher des Syrischen Nationalrats ( SNC) in Deutschland
 

am Mittwoch, 13. April 2016 , 19.00 Uhr
im Parkwohnstift - großer Saal
Heinrich-von-Kleist-Straße 2, 97688 Bad Kissingen

 
Foto: www.religionen-im-gespraech.de
 
 
Bericht der Sektion Bad Kissingen

Syrien - ein Volk auf der Flucht

Sprecher des syrischen Nationalrats (SNC) zu Gast bei der GSP

Von Ulrich Feldmann

Bad Kissingen. Erneut fand in Bad Kissingen ein Kooperationsvortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik mit der Kreisgruppe Rhön-Saale des Reservistenverbands statt. Thema: Syrien-ein Volk auf der Flucht-10 Jahre Volksaufstand-Die Interessen der Mächte-Zukunftsszenarien.

Den Veranstaltern war es gelungen, den Sprecher des Syrischen Nationalrats (SNC) in Deutschland-also der Syrischen Opposition – Dr. Sadiqu Al-Mousllie für den Vortrag zu gewinnen. Das Thema war besonders aktuell, fanden doch am gleichen Tag die vom Regime in Damaskus trotz des anhaltenden Bürgerkriegs angeordneten Wahlen statt. Außerdem wurden an diesem Tag die Genfer Friedensgespräche für Syrien fortgesetzt.

Stellvertretender Sektionsleiter Ulrich Feldmann konnte über 80 Zuhörer begrüßen, darunter zahlreiche Reservisten sowie Mitglieder des Arbeitskreises Außen-und Sicherheitspolitik, der GSP und der Europa-Union.

Die Leidtragenden des Syrien-Konflikts - Foto: twitter.com

Der in Damaskus geborene Referent stellte zunächst das Leid seines Volkes anhand erschütternder Zahlen dar: 14 Millionen Syrer sind seit Beginn des Volksaufstands in den 80er Jahren ins Ausland geflohen, 250 Tsd. Menschen sind allein in den letzten 5 Jahren des Aufstands ums Leben gekommen. Im Land selbst sind 13 Mill. Menschen auf der Flucht und über 4 Millionen in die Nachbarstaaten geflohen. Am meisten haben Libanon, Jordanien und Ägypten unter dem Flüchtlingsstrom zu leiden, aber auch die Türkei hat über 2 Mill. Flüchtlinge aufgenommen.

Mit Bildern von den durch die russische und syrische Luftwaffe zerstörten Städten Homs und Aleppo verdeutlichte Dr. Al-Mousllie dann die Lage der Zivilbevölkerung und klagte die Präsidenten beider Staaten des Völkermords und der gezielten ethnischen Säuberung an. Besonders ging er auf die ständigen Luftangriffe mit den nach dem Kriegsvölkerrecht geächteten Fassbomben auf die unbeteiligte Zivilbevölkerung und die als besonders zu verurteilende vorsätzliche Zerstörung des von der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ betriebenen Krankenhauses in Hamidija ein.

Der zweite Teil seines Vortrags befasste sich mit den Interessen der Mächte ( siehe Foto). Während Machthaber Assad unterstützt von Russland ,dem Iran und der libanesischen Hisbollah das Regime des Assad-Clans mit allen Mitteln erhalten wolle, sei das Ziel von Saudi-Arabien und den anderen sunnitischen Golfstaaten der Sturz des Regimes. „Wir haben es auch mit einem Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien um die Vormachtstellung im Nahen Osten zu tun“ so der Referent.

Im Lande selbst kämpfen sowohl moderate Gruppierungen ( die Freie Syrische Armee und zahlreiche Rebellengruppen) gegen das Regime als auch islamistische Gruppen wie die Al Nusra-Front –insgesamt ca. 200- sowie der sog. Islamische Staat. Dr. Al-Mousllie beurteilte ihre Ziele so: Während die ersteren nach dem Sturz Assads einen säkularen Staat gründen wollen, ist das Ziel der Islamisten die Errichtung eines fundamentalistischen Gottesstaats. Der IS strebt allerdings nach einem Kalifat von der Größe des untergegangenen Osmanischen Reichs ohne Grenzen.

Am Ende seines emotionalen Vortrags rief Dr. Al-Mousllie den Westen –vor allem die EU- dazu auf, eine aktivere Rolle im Friedensprozess zu übernehmen, sonst werde sie noch weit mehr unter den Flüchtlingsströmen zu leiden haben.

In der lebhaften Diskussion lehnte der Referent entschieden den Verbleib Präsident Assads als Teil einer Friedenslösung ab. Sein Credo: wie kann ein Mörder von 250 Tsd Menschen weiterhin der Präsident seines Volkes sein. Zur Behauptung des syrischen Präsidenten, die Rebellen seien Terroristen, entgegnete er: „Nein- wir sind keine Terroristen, sondern wollen nur eines: in Würde leben!“

Lang anhaltender Beifall dankte dem Referenten für seinen beeindruckenden Vortrag.

Nach oben Zurück