Nachschau - Veranstaltung am 19.11.2015

 
 

Vortrag 5 - 2015

zum Thema

Woher kommt die Ideologie des Islamismus?

Referent:

Alexander Rieper

Orientalist, München
 

am Donnerstag, 19. November 2015, 19:00 Uhr
im Parkwohnstift
Heinrich-von-Kleist-Straße 2, 97688 Bad Kissingen

 

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Bericht der Sektion Bad Kissingen

Zuhörerrekord bei Jahresabschlussvortrag der Sektion

Thema: Ideologie und Entstehung des gewaltbereiten Islamismus

Von Ulrich Feldmann
Volles Haus beim Jahresabschlussvortrag - Foto: GSP

Für den 5. und letzten Vortrag des Jahres hatte die Sektion – ohne es ahnen zu können - ein brandaktuelles Thema gewählt - waren doch die Terror-Anschläge von Paris gerade mal wenige Tage vorüber. Der Vortragssaal im Parkwohnstift war mit 180 Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt, als stellvertretender Sektionsleiter Ulrich Feldmann die Gäste aus Politik, Vereinen, der Bundeswehr und dem Hause begrüßte. Als Referent hatte die Sektion in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung einen ausgewiesenen Islamexperten gewinnen können: Alexander Rieper, Orientalist, der während seines Studiums einige Semester in Syrien und Iran verbracht hatte

Begriffsbestimmung und Geschichte

Islamismus ist die Bezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschaft und Staatsordnung anstreben – der Islam wird damit eine Institution, welche die Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität ablehnt, erklärte der Referent . Es folgte ein Überblick über die Entwicklung des Islam ab der Eroberung großer Teile der arabischen Welt unter Mohammed im 7.Jahrhundert und der Schia- also der Spaltung der Religion-über die Eroberung Arabiens durch die Osmanen bis zur Zeit der eigentlichen Entstehung des Islamismus: dem Beginn der Europäischen Dominanz in der arabischen Welt ab dem Ende des 18.Jahrhunderts. Ereignisse, die den Muslimen ein Gefühl der Unterdrückung und Minderwertigkeit geben mussten, waren z.B. Napoleons Ägypten-Raubfeldzug um 1800, das Sykes-Picot-Abkommen über die willkürliche Aufteilung der arabischen Welt unter die Siegermächte des I.WK in 1916 und die Gründung des Staates Israel 1948. Als Folge dieser Ereignisse entwickelte sich bei den sunnitischen Arabern ein Gefühl der Entrechtung und Demütigung und des Empfindens, von der Zivilisationsgeschichte abgehängt worden zu sein, während andere Völker die Früchte des Fortschritts ernten konnten. Als Schmach und Zeichen der Schwäche und Hilfslosigkeit wurden dann schließlich noch die verlorenen Kriege gegen das kleine Israel empfunden.

Referent Alexander Rieper erklärt die vier rechtsschulen des Islam - Foto: GSP

Vordenker und geistige Väter

Als erster islamischer Gelehrter, der eine strenge Orientierung an Sunna und Koran predigte, kann Abdal-Wahhab, Gründer der Glaubensrichtung des Wahhabismus bezeichnet werden. Durch sein Bündnis mit dem Emir von Dariyya 1744 ( Saud) entstand das heutige Saudi-Arabien. Ein weiterer wichtiger Vordenker war dann in Ägypten nach dem I.WK Sayyid Qutb, der Theoretiker der sog. Muslimbrüder. Sein Kernsatz: Gott ist der absolute Souverän , daher kann es weder einen Nationalstaat, noch Demokratie oder Volkssouveränität geben. Er predigte das Konzept vom „Jihad“ und wurde damit geistiger Vater des militanten politischen Zweigs des Islam: des islamistischen Terrors, so Rieper in seiner Einschätzung. Dieses Konzept realisieren wollte dann Hassan-al-Banna, Gründer und geistlicher Führer der Muslimbrüder- sein Credo: zurück zum ursprünglichen Islam und den Ruhmeszeiten der mittelalterlichen islamischen Zivilisation, des Kampfs und der Eroberung durch Errichtung einer islamischen Ordnung, in der die Gläubigen wieder stolz auf ihre Religion sein können.

Fazit

Vor diesem Hintergrund versteht man die Ideologie des sog. „Islamischen Staats, der als wahre Gläubige nur die Muslime anerkennt, die sich zum ursprünglichen Islam Mohammeds bekennen, keine staatlichen Grenzen anerkennen und die Errichtung eines weltweiten Kalifats unterstützen. Der Referent fasste seinen Vortrag mit den Worten zusammen: nicht der Islam ist das Problem. Er ist pluralistisch wie andere Religionen auch. Die islamische Welt besitzt eine alte Rechtstradition, die dem Extremismus entgegensteht. Die Herausforderung ist: Entflechtung von Politischem und Religiösem. Daher sprechen wir besser von Djihadisten als von Islamisten.

 
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