Nachschau - Veranstaltung am 24.10.2015

 
 

Übungsbeobachtung

bei der

VN Beobachterabschlussübung - BLUE FLAG 2015

des VN Ausbildungszentrums der Bundeswehr, Hammelburg

 

am Samstag, 24. Oktober 2015
im Raum Wülfershausen/Saal a.d.S.

 

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Bericht der Sektion Bad Kissingen

Besuch im „Krisenherd“ Rhön- Grabfeld

Bad Kissinger Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) bei Übung „Blue Flag 2015“

Von Ulrich Feldmann

Schon einmal war es der Kissinger Sektion der GSP gelungen, interessierte Bürger aus dem Landkreis an einer Übung des Vereinten Nationen(VN)- Ausbildungszentrums der Bundeswehr als Beobachter teilnehmen zu lassen. Nach der Ausbildung von Einheiten für den KFOR-Einsatz (Kosovo) in Wildflecken stand diesmal die Abschlussübung von VN-Militärbeobachtern auf dem Programm. Kommandeur Oberst Peter Uhrig hatte die GSP eingeladen, mit „Multiplikatoren“ einen Tag lang ganz nah den Ablauf der Übung „Blue Flag“ im Raum Wülfershausen/Saal a.d.S. zu verfolgen.

Die 6-tägige Übung stellt den krönenden Abschluß und zugleich die Prüfung für die 24 Teilnehmer zum „Military Expert on Mission“ dar. Dreißig Vertreter verschiedener mit Sicherheitspolitik befasster Organisationen waren dem Ruf von Ulrich Feldmann, stellvertretendem Sektionsleiter und selbst ausgebildetem VN-Militärbeobachter gefolgt und fanden sich frühmorgens zum „Mission Briefing“ am Leitungsgefechtsstand ein.

Besuchergruppe der GSP - Foto: Ulrich Feldmann

Realistisches Szenario

Bereits bei der ersten Station des von Oberstleutnant Carsten Pabst, dem Leiter der Stabsgruppe, ausgearbeiteten Besuchsprogramms fanden sich die Besucher mitten in einem der Lage im geteilten Sudan sehr ähnlichen Szenario wieder: ein Team der VN-Beobachter traf sich zu Verhandlungen über Probleme bei der Einhaltung des vereinbarten Waffenstillstands mit dem „Commander“ der „Peoples Liberation Army“ des abgespaltenen Landesteils im „Headquarter“( HQ) der VN-Mission . Schon das martialische Auftreten der Rebellen-Miliz sollte den „Team Chief“ beeindrucken und verunsichern.

Doch der smarte Offizier aus Nigeria verstand es, seine Argumente und Vorschläge höflich aber bestimmt vorzutragen und das „meeting“ erfolgreich zu beenden. Dafür erntete er auch ein dickes Lob von Oberst Uhrig und seinem Instructor aus Finnland. Die Besucher waren ebenfalls gefordert, fanden die „negotiations“ doch in der VN-Sprache Englisch statt.

Unterwegs im „Einsatzgebiet“

Dann hieß es „Aufsitzen“ und einen weiteren „incident“ (Einlage) der Übung zu beobachten: diesmal im „HQ“ der Hevellian Peoples Liberation Army (HPLA). Hier herrschte emsiges Treiben, denn deren Commander ließ gerade eine Rekrutierungs-Kampagne durchführen, um Nachwuchs für seine Truppe aus der armen Bevölkerung zu gewinnen. Dazu hatte er gepanzerte Fahrzeuge auffahren und eine Waffenschau vorbereiten lassen. Tatsächlich sammelten sich von Minute zu Minute mehr Jugendliche, um sich von einem hübschen weiblichen Werbe-Offizier über die Bedingungen und Vorteile einer Verpflichtung zu informieren. Nach einer kurzen Überprüfung der Tauglichkeit ging es zum Zahlmeister, wo die Verpflichtungsprämie, ein Essens-Paket und erste Ausrüstung empfangen wurde.

Waffenschau der HPLA - Foto: Ulrich Feldmann

Was sehe ich, was soll ich (nicht) sehen?

Gerade in diesem Moment traf eine Patrouille der VN ein, um sich über die Rekrutierungs-Modalitäten der Rebellen zu informieren. In Einzelgesprächen mit Bewerbern und Vertretern der Miliz versuchte das Team nun herauszufinden, ob die Regeln des Kriegsvölkerrechts eingehalten werden und vielleicht auch „Kindersoldaten“ verpflichtet werden- in vielen afrikanischen Krisengebieten eine gängige Praxis. Natürlich waren zu diesem Zeitpunkt keine Minderjährigen zu sehen oder zu sprechen.

Familienstreit oder Ethnische Säuberung ?

Die dritte Einlage forderte noch mehr den gesunden Instinkt eines weiteren Beobachter-Teams: Mitten in einer Ortschaft wird das Team von Posten der Miliz angehalten, hört Schreie aus einem Haus, sieht wie ein Mann, eine Frau und ein Kind von Polizisten ( natürlich Rollenspieler) aus einem Haus gezerrt, verprügelt und in einem Polizeiauto weggebracht werden. Gleichzeitig versucht der örtliche Miliz-Führer die Beobachter abzulenken und verweigert ihnen, näher an das Geschehen heranzukommen. Die Zuschauer können mithören, wie der Milizführer den Vorfall als eskalierten Ehestreit darstellt, zu dem die Polizei gerufen wurde und der nur durch hartes Eingreifen beendet werden konnte. Aber wieso schirmt Militär die Aktion der Polizei ab? Wieso werden Eltern und Kind geschlagen und mit Gewalt weggebracht? Nachdem die VN-Beobachter versucht hatten, genaue Informationen in der Umgebung einzuholen, bekamen die Besucher dann die Gelegenheit, die Lehrgangsteilnehmer und ihren Instruktor - diesmal ein weiblicher Offizier aus Mali - nach ihrer Bewertung zu fragen.

Nicht jedermanns Sache

Zum Abschluss berichtete einer der Begleitoffiziere von seinen Erfahren als VN-Militärbeobachter in der Westsahara und der Sudanesischen Krisenprovinz Darfur. Sein Bericht war beeindruckend, war er mit seinen internationalen Kameraden doch meist auf sich allein gestellt, oft bedroht durch unbekannte Minenfelder des letzten Bürgerkriegs und als Unbewaffneter konfrontiert mit schwerbewaffneten Milizen. Lebensmittel wurden auf dem örtlichen Markt gekauft, selbst gekocht und für die Unterkunft musste Jeder selbst sorgen- von den Wüstentemperaturen ganz zu schweigen- wahrlich nicht jedermanns Sache! Beim Abschluß-Briefing zeigte sich die Gruppe tief beeindruckt vom Aufwand für den Lehrgang, der mehrtägigen Abschluß-Übung und der internationalen Anerkennung des Hammelburger Ausbildungszentrums, ist es doch das einzige von den VN „zertifizierte“ der Welt. Peter Sückfull, Stellvertretender Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, gratulierte dem Kommandeur zu den gezeigten Leistungen und versicherte ihm, daß er mit seinen Soldaten stets willkommen sei. Sektionsleiter Dr. Wolfgang Klein, selbst Flottenarzt der Reserve dankte im Namen der Besuchergruppe und überreichte das Wappen der Gesellschaft für Sicherheitspolitik.

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