Nachschau - Veranstaltung am 26.11.2014

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Afghanistan nach Abzug
der Internationalen Stabilisierungstruppen ISAF -
Beginn oder Ende eines Albtraums?

Referent:

Oberstarzt a.D. Dr. Reinhard Erös

Gründer und Leiter
der "Kinderhilfe Afghanistan"
 

Mittwoch, 26. November 2014 um 19:00 Uhr (!)

im Parkwohnstift - großer Saal
Heinrich-von-Kleist-Straße 2, 97688 Bad Kissingen

 

Zur Veranstaltung:

Nachdem wir uns beim letzten Vortrag mit der Krisenregion Kaukasus und den geopolitischen Interessen Russlands beschäftigt haben, werfen wir im letzten Vortrag des Jahres einen Blick auf eine für uns Europäer weit wichtigere Region: das durch Jahrzehnte andauernde Kriege ausgeblutete Afghanistan. Mehrere militärische Referenten haben uns seit 2005 über die Lage im Operationsgebiet der von der NATO geführten Internationalen Stabilisierungstruppe ISAF berichtet. Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, daß sich der seit 2001 andauernde Einsatz der bis zu 100 Tsd. Soldaten aus Dutzenden von Nationen und die dafür verwendeten Mittel gelohnt haben. Die Sicherheitslage habe sich entscheidend verbessert, so die Beurteilung der NATO und die Aussage der afghanischen Regierung. Das Land sei in der Lage, seine Sicherheit und den weiteren Aufbau von Staat und Gesellschaft ab 2015 selbst in die Hand zu nehmen. Diese Einschätzung gibt den beteiligten Nationen die Möglichkeit, ihre Kampf-Truppen –unter Wahrung des Gesichts- bis zum Jahresende 2014 abzuziehen und nur noch beratende kleine Kontingente (D: ca. 800 Sold.) für einige Jahre im Land zu belassen.

Es war wohl der kostspieligste asymmetrische Krieg der Neuzeit, nicht nur bezogen auf die Kosten von bisher ca. 900 Mrd. US $, sondern vor allem den Tribut an Menschenleben: 3500 NATO-Soldaten - darunter 54 Bw-Soldaten - verloren ihr Leben. Zehntausende erlitten körperliche und seelische Verletzungen.

Hat er sich gelohnt und wie sieht die aktuelle Lage wirklich aus? 400 Tsd. Sicherheitskräfte wurden ausgebildet und werden als zuverlässig und motiviert beurteilt. 80% der Bevölkerung halten sie jedoch laut Umfrage für unzuverlässig, korrupt und kriminell. Jedes Jahr kommen ca. 4 Tsd. bei Kämpfen ums Leben! Die UN-Mission in AFG berichtet, daß allein im 1.Hj.2014 mehr als 1200 unbeteiligte Zivilisten bei Kampfhandlungen getötet und mehr als 4000 schwer verletzt wurden- darunter 320 Kinder-damit mehr als in all den Jahren zuvor! Der schwelende Konflikt zwischen den Hauptethnien , den Paschtunen und Tajiken wurde beim monatelangen politischen Streit der selbst ernannten Sieger der Präsidentschaftswahlen, Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah deutlich und kann schnell wieder in einen Bürgerkrieg münden.

Und wie sieht es mit den Investitionen für den zivilen Wiederaufbau aus? Nur 50 Mrd. US $ wurden dafür ausgegeben! Während der Krieg pro Einwohner 30 Tsd. US $ kostete, waren es in diesem wichtigsten Bereich nur 1700 US § !-ein krasser Gegensatz!

Auf dieses krasse Missverhältnis wird unser Referent besonders eingehen und auch seine Meinung vertreten, daß der militärische Einsatz deswegen kein Erfolg war, da es nicht gelang, „to win the hearts and minds“ der Bevölkerung. Was macht ihn zu einem fundierten Kenner des Landes, seiner politischen, zivilen und militärischen Lage?

Oberstarzt a.D. Dr.med. Erös engagiert sich seit über 25 Jahren in Afghanistan. Bereits während der sowjetischen Besatzungszeit ließ er sich vom Dienst beurlauben und versorgte in den paschtunischen Bergdörfern die Zivilbevölkerung. 1998 gründete er die „Kinderhilfe Afghanistan“. Seitdem gründete er zahlreiche Projekte vor allem in gefährdeten Gebieten wie: 30 Friedensschulen in 6 Provinzen mit 55 Tsd. SchülerInnen und 1400 LehrerInnen. Nur aus privaten Spenden finanziert er deren Bau, die Ausstattung sowie die Gehälter der ausschließlich einheimischen Kräfte. Weitere Projekte sind z.B. Ausbildungswerkstätten, Kliniken oder Computer-Ausbildungszentren.

Gerade konnte er mit weltweiter Beachtung die 1. Universität in der Provinz Laghman eröffnen. Dr. Erös wird uns einige dieser erstaunlichen und ohne staatliche Hilfen verwirklichten Projekte vorstellen.

Versäumen Sie nicht die aktuellen Einschätzungen eines „Insiders“ und die Darstellung der beeindruckenden Projekte eines mutigen Einzelkämpfers für die Humanität, Internationale Verständigung und Freiheitsrechte eines leidenden Volkes!

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