Nachschsu - Veranstaltung am 03.04.2017

 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Präsident Donald Trump.

Eine Zeitenwende für Europa?

 
Referent:

John Kornblum

Ehem. US-Botschafter in Deutschland
 

am Montag, 03. April 2017, 18:00 - 20.00 Uhr
im Le Manège
Am Neuen Markt 9 a/b, 14467 Potsdam

 
Foto: Flickr: John Kornblum, Lizenz: CC BY-SA 2.0
 

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Bericht der Sektion Potsdam

“Amerika zuerst“ und die Folgen für die transatlantischen Beziehungen

US-Botschafter a.D. John Kornblum beim Forum Politik & Sicherheit in Potsdam

Von Dr. Kurt Hecht
v.l. John C. Kornblum, Stephan Raabe, KAS - Foto: Hecht

Beim Vortragsabend des Forums Politik & Sicherheit konnten die Veranstalter, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V., die Deutsche Atlantische Gesellschaft und der Reservistenverband diesmal einen sehr prominenten Gast präsentieren, den ehemaligen US-Botschafter in Deutschland, John Christian Kornblum.

Der in Berlin wohnhafte pensionierte amerikanische Diplomat sprach zum Thema „Präsident Donald Trump: Eine Zeitenwende für Europa?“ Nicht einmal ein Vierteljahr nach Amtsantritt des neuen Präsidenten ein höchst aktuelles Thema. Rund 120 erwartungsvolle Zuhörer, zum Teil weit angereist, fanden sich im Potsdamer „Le Manège“ ein. Müßig darüber zu spekulieren, ob es nun die große Sorge um die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen unter Präsident Trump war oder doch eher der prominente Referent, der den Veranstaltern ein volles Haus bescherte.

Nach Begrüßung durch den Landesbeauftragten der Konrad Adenauer Stiftung, Stephan Raabe ergriff Kornblum das Wort und stellte sogleich klar, dass man das Fragezeichen aus dem Thema getrost streichen könne. Die Zeitenwende in den Beziehungen zwischen den USA und Europa sei bereits seit geraumer Zeit Fakt, betonte aber, dass nicht Trump die politische Zeitenwende verursachte, sondern diese erst Trump als Präsidenten hervorgebracht habe.

Kornblum begründete dies mit der enormen Einflussnahme und Geschwindigkeit des wissenschaftlich-technischen Fortschritts - er sprach von fortschreitender Digitalisierung - auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Verteidigung der USA und Europas. Zugleich gebe es Regionen und Staaten in Europa, teilweise auch in den USA, wo dieser enorme Schub nicht in gleichem Maße greife. Nicht nur hier gebe es Bevölkerungsgruppen, die nicht zu den Gewinnern der Zeitenwende gehörten und sich von der Politik fallengelassen fühlen.

So kommt der Wahlerfolg von Präsident Donald Trump nicht von ungefähr. Er ist ohne Frage demokratisch legitimiert, auch wenn Hillary Clinton über 2 Millionen Stimmen mehr auf sich vereinigen konnte, erläuterte Kornblum, aber das US-amerikanische Wahlsystem gewichtet die Staaten der USA gleich und nicht nach Anzahl der Einwohner der einzelnen Staaten, so dass sich Staaten mit weniger Einwohnern nicht abgehängt fühlen.

v.l. GSP-Sektionsleiter Dr. Kurt Hecht, John C. Kornblum, Stephan Raabe, KAS und OTL d.R. Jörg Schiller, Landesvorsitzender VdRBw-Brandenburg - Foto:Adamietz-Hecht

Trump hat in den Vorwahlen der Republikaner all seine Widersacher bezwungen, weil er ein sehr großes Gewicht auf aggressive Öffentlichkeitsarbeit gelegt hat. Dabei hat er aus seiner jahrelangen Erfahrungen in den Medientätigkeiten (eigene Fernsehsendung) geschöpft. Er hat den Wählern, die in den vergangenen 15-20 Jahren keine politische und wirtschaftliche Beachtung fanden, eine „Stimme“ gegeben, jenen Menschen, die durch „Überfremdung“, ausländische Waren, Kapital und Arbeitskräfte nicht am Wachstum teilgenommen hatten. Sie träumten von der ehemaligen Größe und Einzigartigkeit der USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Slogan „Amerika zuerst“ traf den Nerv seiner Wähler.

Für Kornblum ist dieses „Amerika zuerst“ eher hinderlich für die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen, die seiner Ansicht nach gerade in der jetzigen Zeitenwende eine herausragende Rolle spielen. Ohne die USA kommt Europa nicht voran und das gelte auch umgekehrt, zu komplex seien die Globalisierungen und die fortschreitende Digitalisierung.

Europa müsse sich vergegenwärtigen, dass die Zeiten der „Subventionierung“ durch die USA dem Ende entgegengehen und sich mehr auf die eigenen Stärken besinnen. Von Deutschland forderte er, mehr Führungsverantwortung zu übernehmen. Dank der engen Verzahnung des Freiheitsgedankens, Schaffenskraft, wirtschaftlichem und kulturellem Niveau sei Deutschland prädestiniert, die Zeitenwende in Europa noch aktiver zu unterstützen, so Kornblum. Es komme darauf an, die europäischen Staaten, die mit der Zeitenwende nicht Schritt halten konnten, zu subventionieren, damit die gesamte EU zu einem ebenbürtigen Partner der USA heranwachsen kann. Ein starkes Europa ist der Schlüssel zur Stärkung des transatlantischen Zusammengehörigkeitsgefühls und dies wiederum Voraussetzung, dass der Westen mit seinen Werten von Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz in der Weltpolitik auch weiterhin ein gewichtiges Wort mitsprechen kann.

Nach eineinhalbstündiger Veranstaltung wurde bei einem Umtrunk angeregt weiterdiskutiert. Die Gäste erlebten eine interessante und erkenntnisreiche Analyse der transatlantischen Beziehungen aus Sicht eines Insiders US-amerikanischer Politik.

 
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