Periodischer Beitrag - ES&T

 
Nr. 03/2016

Landesbereich VI

Bayern

 

Sektion Augsburg - Lechfeld
Sektionsleiter: Oberst d.R. Dietmar Paun

 

Große Bandbreite sicherheitspolitischer Aktivitäten

Die Vortragsreihe der Sektion Augsburg-Lechfeld erreichte dieses Jahr mit der fulminanten Auftaktveranstaltung des 1. Augsburger Sicherheitsdialogs ihren Höhepunkt. Der Sicherheitsdialog wurde von unserem Landesvorsitzenden, Brigadegeneral a. D. Hans-Georg Schmidt, initiiert und kräftig gefördert. Die aufwändige Veranstaltung wurde zusammen mit dem Verein Augsburg International und dem Reservistenverband Schwaben ins Leben gerufen. Sie stand unter dem Motto: „Der Nahe und Mittlere Osten – Ein Gordischer Knoten mit Brisanz!“ Nach einem Grußwort des Dritten Bürgermeister Augsburgs, Dr. Stefan Kiefer, stellten die ausrichtenden Vorsitzenden ihre Organisationen vor. Die Vortragsreihe moderierte Rainer Bonhorst, ehemaliger Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen. In der abschließenden Podiumsdiskussion stellten sich die ausgewiesenen Experten den Fragen der vielen Teilnehmern.

Sektionsleiter Dr. Walter Laudes eröffnet den „1. Augsburger Sicherheitsdialog“. Foto: Wolfgang Leetz

Den Auftakt übernahm Dr. Heino Matzken, Oberstleutnant i. G., mit einem historischen Überblick. Seinen Vortrag betitelte er: „Der Nahe Osten versinkt im Chaos! – Konsequenz verkorkster Staatengründung?“ In der verkorksten Staatengründung nach dem Ersten Weltkrieg sieht er eine Ursache des heutigen Chaos. In einer Tour d’horizon ging Matzken durch die Geschichte des Nahen Ostens, besonders des Osmanischen Reichs. Er erläuterte den religiösen Zwist und die internen arabischen Streitigkeiten und Rivalitäten sowie die unterschiedlichen Vorstellungen der auswärtigen Mächte. Im Abkommen vom Mai 1916 legten der britische Außenminister Mark Sykes und sein französischer Amtskollege Georges Picot die Aufteilung des Nahen Ostens in englische und französische Interessensphären fest. Durch diesen Vertrag „schufen die Kolonialmächte künstliche Grenzen, die weder den soziologischen noch den politischen Realitäten entsprachen“ und sich bis in die Gegenwart hinein problematisch auswirken. Mit der Frage, wer denn den Gordischen Knoten zerschlagen könne, untersuchte Matzken Akteure, wie die USA, die Araber und die Weltgemeinschaft, auf ihre Fähigkeit die Region ordnen und befrieden zu können. Sein ernüchterndes Fazit lautete: “Heute scheint also weder eine externe noch eine interne Macht willens und in der Lage zu sein, die nach dem Ersten Weltkrieg gemachten Fehler in der Staatengründung zu bereinigen.“

Prof. Dr. Shabo Talay, Inhaber des Lehrstuhls Semitistik und Arabistik an der Freien Universität Berlin, nannte sein Thema: „Der gegenwärtige Umbruch im Vorderen Orient und seine Bedeutung für die nicht-muslimischen Minderheiten“. Der in der Türkei geborene Wissenschaftler stellte klar, dass bis in die jüngste Vergangenheit in den vorderorientalischen Staaten zum Teil große nichtmuslimische Minderheiten existierten. Diese lebten seit der Gründung der arabischen Staaten in der Regel in friedlicher Koexistenz mit ihren sunnitisch-muslimischen NachNachbarn. Mit den mittlerweile veränderten politischen Verhältnissen änderte sich auch die Rolle der orientalischen Christen unter dem Islam. Die Existenz aller Minderheiten sei nunmehr in Gefahr. Talay erwähnte, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad mit seiner Elite als Alawit selbst zu den Minderheiten in Syrien gehöre. In seinem Vortrag betonte Talay, dass, welche Verbrechen man dem Machthaber auch immer zur Last lege, unter ihm Christen niemals verfolgt worden seien. Unter einem Regime der sogenannten „gemäßigten“ Rebellen oder gar des sogenannten „Islamischen Staats“ müssten sie dagegen um ihr Leben fürchten.

Podiumsdiskussion: (v.l.n.r.) Moderator Rainer Bonhorst, Dr. Heino Matzken, Oberst a. D. Nikolaus Schmeja, Prof. Dr. Shabo Talay, Dr. David Schiller. Foto: Wolfgang Leetz

Mit der ambivalenten Rolle der Türkei beschäftigte sich Oberst a. D. Nikolaus Schmeja. Zu seinem Beitrag schreibt Wolfgang Holzhauser in der Augsburger Allgemeinen vom 2. November 2015: „Vor allem die Türkei steht in dem Verdacht, ein Strippenzieher in diesem Konflikt zu sein. Experten werfen dem Land vor, Waffen und Personal von Islamisten nach Syrien zu schleusen. All das könnte ein Teil einer globalen Strategie der Türkei sein. Doch was will die islamische Demokratie damit erreichen?“ Der Autor des Zeitungsartikels meint, dass nach Nikolaus Schmeja die Türkei primär nach dem Glanz des ehemaligen Osmanischen Reiches strebe, welches bis 1918 fast die komplette Arabische Welt umspannte. Die politische Führungsrolle im arabischen Raum sei für die Türken ein wichtiges Ziel. Dafür unterstütze man sogar Terroristen. Die Türkei spiele viele Nationen im Nahen Osten gegeneinander aus. Mehr als zwölf ethnische Minderheiten leben in der Region um Syrien. Viele davon, vor allem die Kurden, befinden sich im Konflikt mit der Türkei. «Durch den IS hoffen die Türken, dass sich einige Probleme von alleine lösen werden, » kritisierte Schmeja.“ Soweit die Augsburger Allgemeine.

Das Thema "Al Qaida und IS - neue Strategien im Jihad, Bilanz und Ausblick" bildete den Abschluss der Vortragsreihe. Hierüber referierte Dr. David Schiller, ein ausgewiesener Experte im Kampf gegen Terrorismus. In einem äußerst authentischen Vortrag beschrieb er Entstehung, Werdegang sowie Vorgehensweise des sogenannten islamischen Staats (IS). „Der IS mit seinem hierarchischen Führerprinzip ist elitär, rassistisch und totalitär in seinem Anspruch auf den Wahrheitsgehalt und die Auslegung der Glaubenslehre“, sagte Schiller. Und weiter: „Strategisch strebt der IS mit dem Westen einen apokalyptischen Endkampf an, an dessen Ende die islamische Weltherrschaft und der totale Sieg stehen.“

Im Rahmen der Bundesversammlung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e. V. (GSP) wurde heuer Michael Mäusly mit dem Journalistenpreis der GSP ausgezeichnet. Mäusly wurde von der Sektion Augsburg-Lechfeld für diesen gefragten Preis vorgeschlagen. Wir freuen uns mit ihm über diese würdige Auszeichnung! Die Präsidentin der GSP, Frau Merten, bedankte sich vor den über 100 anwesenden Sektionsleitern und Präsidiumsmitgliedern bei Mäusly für sein Engagement in der sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit und überreichte ihm den begehrten Journalistenpreis. In ihrer Laudatio hob die Präsidentin hervor: „Ich danke Ihnen, dass Sie sich der Themen der Sicherheitspolitik annehmen und unsere Öffentlichkeitsarbeit begleiten. Wir wissen alle, dass Sie ein schwieriges Thema bearbeiten und sicher keinen leichten Stand in ihren Redaktionen haben, wenn sie sicherheitspolitische Themen platzieren wollen. Sicherheitspolitik gilt leider nicht als auflagefördernd.“ Leider wahr, dem kann ich aus meiner Sicht als Sektionsleiter nichts hinzufügen. Durch die Preisverleihung unserer Präsidentin erhoffe ich mir, dass die sicherheitspolitischen Aktivitäten unserer Sektion in Zukunft noch stärker als bisher in den Medien herausgestellt werden.

Oberstleutnant a. D. Dr. Walter Laudes
In eigener redaktioneller Verantwortung

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