Nr. 04/2017

Selbständige Sektion Bonn

 

Sektionsleiter: Richard Rohde

Gestiegenes Interesse an sicherheitspolitischen Themen

Ist die Welt aus den Fugen geraten? Eine Antwort auf diese Frage ist an dieser Stelle sicher nicht zu erwarten und Ja-Nein hilft auch nicht immer. Es könnten übrigens vielfältig begründete Antworten sein, je nach einem Grad der Betroffenheit oder Informiertheit. Wer aus persönlicher Sichtweise heraus nicht am wirtschaftlichen Fortschritt innerhalb Deutschlands teilnimmt, der ist per se für extreme innenpolitische Sichtweisen anfällig. Schuld sind immer „die da oben". Wer meint, dass sicherheitspolitisch relevanten Themen dieser Welt ihn nicht betreffen, der ist erstaunt, dass plötzlich hunderttausende Menschen Hilfe vor Krieg, Hunger, Zerstörung und Verfolgung auch bei uns suchen. Aber auch hier ist ja nur „der Westen" oder zumindest die Bundesregierung Schuld.

Fakt ist, dass unsere Welt äußerst komplex ist und es den Anschein hat, sie gerate aus den Fugen. Diese Komplexität ist für demokratische Staaten eine besondere Herausforderung, da Entscheidungsstrukturen weniger auf Schnelligkeit als auf Recht und Gesetz basierend ausgerichtet sind. Und wo ist hierbei die Grenze zwischen Staatsrecht und persönlich garantierten Freiheitsrechten zu ziehen? Das macht bei politischen, nicht immer fehlerfreien Entscheidungen „angreifbar". Diesen Angriffen sehen wir uns aktuell deutlich ausgesetzt. Wer aufmerksam insbesondere die sozialen Medien im Informationsraum verfolgt, der findet eine Vielzahl von übernommenen Meinungen aus gezielten, internationalen Propagandaindustrien, die allesamt nur eines zum Ziel haben: Schüren von Unruhe, Zwist und Angst. Das Problem dabei ist, dass der überwiegende Anteil der Botschaften nachvollziehbare Fakten sind, die restlichen Prozente jedoch eine intelligente, implizit wirkende Propaganda darstellt, Demokratien seien schwach, gegen die Bedürfnisse der Bevölkerung gerichtet und schlichtweg im Zuge der sogenannten westlichen Dekadenz versagend. Und wieder: Wer von uns schimpft nicht manchmal auch auf „die Politiker"? Fazit: Informationen und die Vermittlung von Hintergründen sind ein wesentlicher Teil sicherheitspolitischer Arbeit.

Die Sektion Bonn der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. hat sich der Thematik des Informationsraumes mit einem Besuch bei dem Zentrum für Operative Kommunikation der Bundeswehr gewidmet. Durch weitere Vortragsveranstaltungen wurde insbesondere der Ansatz der vernetzten Sicherheitspolitik diskutiert. Die Teilnahme an den 12. Petersberger Gesprächen in Königswinter stellten hierbei mit dem Besuch des Bundesaußenminister, dem Generalinspekteur der Bundeswehr sowie dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages (um nur einige Gäste zu nennen) sicherlich einen Höhepunkt im Rahmen der Betrachtung der Perspektiven deutscher Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik dar.

Viel Prominenz bei den 12. Petersberger Gesprächen zur Sicherheit – Foto: Reiner Wehnes

Im Weiteren trug Generalleutnant a.D. Kersten Lahl als ein Vizepräsident der GSP und ehemaliger Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik zur „Migration und Sicherheit - schafft Europa das?" vor und bildete damit den europäischen Betrachtungsrahmen.

Sektionsleiter Richard Rohde dankte Generalleutnant a.D. Kersten Lahl unter dem Applaus der überaus zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer für seinen Vortrag. – Foto: Heckenlauer

Im Juni 2013 beschloss der Deutsche Bundestag erstmals die Entsendung bewaffneter deut-scher Streitkräfte zur Beteiligung an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisie-rungsmission der Vereinten Nationen in MALI (MINUSMA - Resolution 2100 (2013). Mit einem persönlichen Erfahrungsbericht als erster deutscher Kontingentführer bei dieser UN-Mission referierte Oberstleutnant Marc Vogt sehr authentisch über das breite Spektrum der internationalen, sicherheitspolitischen und zivil­ militärischen Aufgaben der Bundeswehr.

Oberstleutnant Marc Vogt referierte über die UN-Mission MINUSMA in Mali. – Foto: Heckenlauer

Mit mehr als 800 Teilnehmern an den Veranstaltungen über das gesamte Jahr ist das Interesse an sicherheitspolitischen Themen wahrnehmbar gestiegen. Und das ist gut so. Die Sektion Bonn wird auch zukünftig der ehrenamtlichen Aufgabe, ein sicherheitspolitisches Forum zu bilden, durch ein interessantes Jahresprogramm 2017 gerecht werden. Ausdrücklich erwünscht ist hierbei ein kontroverser, fairer und noch intensiver mit jüngeren Menschen durchzuführender Dialog. Denn: Die Fugen der Welt halten. Wir müssen nur alle gemeinsam daran arbeiten.

Servatius Maeßen (re.) und Peter Henle verabschieden sich aus der Führung der Sektion Bonn - Foto: Karl-Heinz Berg

Der neugewählte Vorstand möchte an dieser Stelle nochmals Generalmajor a.D. Servatius Maeßen und Oberstleutnant d.R. Peter Henle für die langjährig erfolgreiche Arbeit und Führung der Sektion Bonn sehr herzlich danken.

Richard Rohde
Sektionsleiter
In eigener redaktioneller Verantwortung

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