Nr. 07/2016

Landesbereich II

Niedersachsen - Bremen

 

Landesbereich

In den letzten Monaten gab es bei drei Sektionen des Landesbereichs Niedersachsen und Bremen einen Wechsel in der Sektionsleitung. So hat Herr Engelhard die Leitung der Sektion Hannover von seinem langjährigen Vorgänger Herrn Pratje übernommen, der die Sektion künftig als Stellvertreter unterstützen wird. Für den im Januar viel zu früh verstorbenen Wilhelmshavener Sektionsleiter Fregattenkapitän a.D. und Diplom-Physiker Dieter Wilde, der nahezu 20 Jahre die Sektion führte und zu den "Urgesteinen" unserer Vereinigung gehörte, übernimmt nunmehr Herr Heinz Lutz kommissarisch die Leitung. Die Sektion Oldenburg wird seit Anfang des Jahres durch Herrn Ahnesorg geleitet.

Der kommissarisch eingesetzte SL Nienburg / Aller – Weser wurde in der Zwischenzeit vom Zentrum zivilmilitärische Zusammenarbeit versetzt und steht der GSP für diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung. Die Sektion wird bis zur Wahl eines Nachfolgers ihre Aktivitäten dort erst einmal einstellen.

Weiterhin musste der Landesverband die Sektion Göttingen auflösen, da seit Jahren keine Aktivitäten in dieser Sektion stattfanden.

Trotz der vielfältigen Änderungen im Landesverband II führte dieser im Jahr 2015 dennoch über 60 Veranstaltungen mit gut 4000 Besuchern durch. Dies konnte nur mit Hilfe von Kooperationspartnern und einem großen ehrenamtlichen Einsatz der Sektionsleiter und deren Teams ermöglicht werden.

Erstmals fand im November 2015 ein sehr erfolgreiches und gut besuchtes Symposium zur Sicherheit in Bremen zum Thema „Klimawandel, Migration und Phänomene der Globalisierung – Sicherheit im 21. Jahrhundert“ statt. Zu dieser Tagesveranstaltung des Landesverbandes trugen namhafte Referenten vor und durch eine sehr gelungene Moderation sowie einem abschließenden Panel mit allen Referenten war dies eine Veranstaltung, die in diesem Jahr eine Fort-führung erfährt und zwar nunmehr mit der Konrad Adenauer Stiftung als aktiven Kooperationspartner, zum Thema „Europa – Quo vadis“ am 26. Nov. 2016 als 2. Bremer Symposium zur Sicherheit.

Teilnehmer des sicherheitspolitischen Symposium von links nach rechts: Jörg Ziercke - ehem. Präsident des Bundeskriminalamts, Prof. Dr. Joachim Krause - Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK), Julia Weigelt - Fachjournalistin für Sicherheitspolitik, Prof. Dr. Michael Brzoska - Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH), Ulrike Merten - Präsidentin der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP), Werner Hinrichs – Landesbereichsleiter Niedersachsen - Bremen (GSP), Rüdiger Krause – Sektionsleiter der GSP in Bremen, Dennis Tänzler - Director International Climate Policy bei adelphi, Institut für Politikanalyse und Strategieberatung und Dr. Martin Kohls - Bundesamt für Flüchtlinge und Migration – Foto: Aranka Szabó

Aktuelle sicherheitspolitischer Probleme, z. B. neue geopolitische Konstellationen, die brisante Entwicklung der Staatenwelt, die Finanz- und Wirtschaftskrisen, Migration und Flüchtlinge und die Macht der Nationalstaaten sowie das Fähigkeitsspektrum der Bundeswehr geben vielfältige sicherheitspolitische Themen auch im Jahre 2016 vor, die in der Fläche weiter sehr erfolgreich durch Veranstaltungen der Sektionen angeboten werden. Die Zuhörer danken es durch ihre lebhaften Beiträge und ihrem Verständnis, dass Sicherheitspolitik uns alle angeht.

Grafik: Jürgen Rann, Foto Europe: © Julien Eichinger– fotolia.com, Europakarte: © Tanja Bagusat – fotolia.com

Für das gemeinsam überzeugende Ziel, Frieden in Freiheit und die Souveränität Deutschlands zu schützen sowie den Gefahren der inneren Schwächung des freiheitlichen Selbstbehauptungswillens entgegenzuwirken, ist es dem Landesbereich II mit seinen Beiträgen gelungen, in manchen Bereichen den Stellenwert der Sicherheitspolitik im öffentlichen Diskurs zu festigen, Akzeptanz zu erhöhen, Grundlagenkenntnisse zu vermitteln und Nachdenklichkeit zu wecken. Die Sektionen des Landesbereich Niedersachsen und Bremen sorgen auch weiterhin für ein breites, abwechslungsreiches und konträres Informationsangebot.

 

Sektion Oldenburg
Sektionsleiter: Oberstleutnant Dipl.-Päd. Martin-Gerhard Ahnesorg

Die Sektion Oldenburg wurde mit etwas Vorbereitung mit Beginn des Jahres 2016 wieder zum Leben erweckt. Gerade eine Stadt wie Oldenburg, die über eine jahrhundertealte militärische Tradition verfügt und bis zu den 1980er Jahren zweitgrößte Garnisonsstadt war, ist ein guter Ausgangspunkt für manchen sicherheitspolitischen Diskurs. Nicht nur die militärischen Angehö-rigen ehemaliger Verbände oder der aktuellen 1. Panzerdivision fühlen sich davon angesprochen. Auch als Universitätsstadt bietet Oldenburg mit unterschiedlichen Studiengängen (so auch Politikwissenschaften) einer durchaus interessierten Klientel die Möglichkeit, seine Infor-mationen nicht nur über die Medien zu gewinnen. Hier will die Sektion ansetzen und Möglichkeiten ausschöpfen, um Verbindungen herzustellen und das Gespräch zu suchen. Herr Scheder, der die Sektionsführung aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr so wie gewohnt führen konnte, suchte über den ehemaligen Sektionsleiter Herrn Schmuhl die Tuchfüh-lung zur in Oldenburg „neuen“ 1.Panzerdivision und wurde schließlich fündig. Mit Herrn Ahnesorg fand sich ein aktiver Offizier zur Übernahme des Amtes bereit und steht nun an der Spitze der Sektion Oldenburg mit dem langjährigen Wissensträger Herrn Schmuhl an der Seite.

Erste Schritte wurden unternommen. So konnte als erster Vortragender nach über einem Jahr Pause Prof. Dr. Hans-Henning Schröder gewonnen werden, der zuletzt bis zum Jahre 2014 beim Deutschen Institut für internationale Politik und Sicherheit in Berlin tätig war und dort bis 2012 die Forschungsgruppe Russland/GUS als Wissenschaftlicher Direktor leitete. Nach seiner Pensionierung baut er zurzeit im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Berlin ein Institut für Osteuropaforschung auf.

Oberstleutnant Dipl.-Päd. Martin-Gerhard Ahnesorg (li.), neuer SL in Oldenburg und Oberstleutnant a. D. Dipl.-Päd. Ralph Schmuhl, ehemaliger SL - Foto: GSP

Prof. Dr. Schröder macht gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass man bei den Perspektiven der Krisenbewältigung zwischen Russland, der Ukraine und Europa den Blick auf alle drei Akteure richten muss. Aus seiner Sicht ist der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in Russland ein innenpolitisches Problem und Präsident Wladimir Putin reagiert nur auf die Reaktionen der europäischen Staaten und insbesondere der NATO. Die Landressourcen in Russland sind gewaltig, da dieses der größte Flächenstaat der Erde mit gut 140 Millionen Einwohnern und somit 47 Mal größer als die Bundesrepublik Deutschland ist. Dagegen ist das wirtschaftliche Potenzial weder groß und stark noch leistungsfähig und liegt damit weit hinter der BRD zurück.

Der zweite Vortrag durch Dr. rer. pol. Dieter Budde stand Anfang Juni mit einer Thematik an, die sich mit der Menschenrechtsfrage in der globalisierten Welt auseinandersetzte. Generalmajor a.D. Budde wies dabei auf eine einseitige Sichtweise der westlich demokratischen Vorstellung hin und beleuchtete die weiteren Vorstellungen zum Thema. Religiös oder stattlich geprägte Vorstellungen kommen aus unterschiedlichem Verständnis. Ob Südamerika, Asien oder Afrika – auf den verschiedenen Kontinenten unterliegen die Menschenrechte einer unterschiedlichen Interpretation, die häufig nicht mit dem der europäischen Vorstellung identisch sind. Zudem sind nicht nur politische, sondern auch religiöse Grenzen in der Rechtslage treibend. Nur wer andere Interpretationen versteht, kann eigene Sichtweisen besser einschätzen und auch mögli-che politische Erfolge erzielen. Dies trifft aktuell besonders die großen Fluchtbewegungen in Richtung Europa.

In der zweiten Jahreshälfte stehen Veranstaltungen zu den Themen Geopolitik sowie der Möglichkeit für einen Plan für den Nahen Osten auf der Agenda. Gerade die Geopolitik unter dem Betrachtungswinkel der präventiven Sicherheitspolitik sollte hier den Blick erweitern. Die Dynamik der politischen, gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen hat deutlich zugenommen und verändert signifikant die Rahmenbedingungen der europäischen und deutschen Sicherheit.

Ein weiterer Vortrag wird sich mit einem möglichen Aufbauplan für die Krisenregion im Nahen Osten – speziell Syrien beschäftigen. Denn die bisherigen Hilfsprogramme stellen nur punktuelle Hilfen dar und binden regionale Akteure nicht genügend ein. Natürlich versucht jede engagierte Partei eine bestmögliche Ausgangsposition für Verhandlungen zu erreichen. Doch letztendlich wäre ein Aufbauplan, der wirtschaftliche, soziale, politische und militärische Komponenten enthalten würde, eine Möglichkeit, der Region eine Perspektive zu geben. Unter dem Aspekt des finanziellen Aufwands für militärisches wie auch humanitäres Engagement wäre ein Aufbauplan ein Investment für die Zukunft, wenn machtpolitische Interessen nicht die Überhand gewinnen.

Mit diesem Angebot soll der Neubeginn der Sektion Oldenburg gelingen. Ob mit den Inhalten und den Referenten der „Nerv der Zeit“ getroffen wurde und das interessierte Publikum erreicht wurde, wird sich Ende des Jahres zeigen.

Werner Hinrichs
Landesvorsitzender
In eigener redaktioneller Verantwortung

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