Nachschau - Veranstaltung am 18.11.2014

 
 

Vortragsabend

zum Thema

Der Nahe Osten -
Chaos mit oder ohne Perspektive?

Referent:

Dr. David Th. Schiller

Publizist und Dozent
 

am Dienstag, 18. November 2014, 19.00 Uhr

 
 
Eigenbericht der Sektion Bonn

„Mit ISIS in die Crisis“

Von Servatius Maeßen

Eine Vortragsveranstaltung der besonderen Art: Zum ersten Mal fand ein Vortrag der Sektion Bonn unter dem neuen Namen „Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.“ (GSP) statt. Der Sektionsleiter betonte, dass auch unter neuem Namen mit gewohntem Elan die aktuelle sicherheitspolitische Informationsarbeit fortgesetzt werde.

Start unter neuem Namen - Foto: Udo Hellermann

Die zweite Besonderheit: Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Kreisgruppe Bonn/Rhein-Sieg im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) durchgeführt. Die GSP und der VdRBw sind Kooperationspartner, weil bei beide die sicherheitspolitische Öffentlichkeitsarbeit im Aufgabenkatalog verankert ist. So war es nicht überraschend, dass der Pressesaal in der Außenstelle Bonn des Bundespresseamts bis auf den letzte Platz gefüllt war.

Synergien nutzen! GSP und VdRBw als gemeinsame Veranstalter - Foto: Udo Hellermann

Ein weiterer Grund waren sicher auch das Thema Der Nahe Osten – Chaos mit oder ohne Perspektive? und der Referent Dr. David Th. Schiller, der als auch international renommierter Nahost- und Terrorismusexperte gilt.

Dr. Schiller legte den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf den Islamischen Staat (IS)/ den Islamischen Staat im Irak und Syrien (ISIS): Mit ISIS in die Crisis“. Sehr nachvollziehbar war seine Analyse der politischen Verhältnisse in Nahost: Die Staaten dieser Region sind keine Staaten westlicher Norm: Staatsgrenzen, Staatsgebiet, Staatsverfassung, eindeutige ethnische und religiöse Verhältnisse. Vielmehr haben die Kolonialmächte bei der Entlassung ihrer Protektorate in die Autonomie willkürliche Grenzen vorgegeben, die weder örtliche und regionale Macht- und Clanstrukturen noch ethnische, religiöse und historische Besonderheiten berücksichtigten. Mit den sich nach dem Recht des Stärkeren entwickelnden diktatorischen Regimen pflegten die ehemaligen Kolonialmächte einvernehmliche politische und wirtschaftliche Beziehungen mit wechselnder West- und Ost-Lagerbildung.

Dr. David Schiller - Ein hochklassiger Referent - Foto: Udo Hellermann

Die Annahme und die Hoffnung, dass die Widerstandsbewegungen gegen die Diktatoren (Arabischer Frühling) zwar zu demokratisch legitimierten Strukturen führen würden, aber der Rest als „business as usual“ fortgesetzt werden könnte, erwiesen sich als naiv und falsch. Vielmehr brachen jetzt die religiösen und ethnischen Gegensätze auf, forderten Stämme und Clans ihr Recht und bekriegen sich in einer äußerst komplexen und komplizierten Konstellation.

„Syrien zum Beispiel ist angesichts dieser Verhältnisse ein zerfallender Staat ohne Perspektive“, so der Experte. Ca. 30 Millionen Kurden leben auf den Staatsgebieten von Türkei, Irak, Iran und Syrien. Sie kämpfen dort um ihre Gleichberechtigung und ihr Siedlungsrechte. Ihr militärischer Arm ist die 1920 gegründete Peshmerga.

Eine andere starke Gruppe ist die Moslem-Brüderschaft, die sich sunnitisch geprägt 1229 in Ägypten als anti-westliches Bündnis gründete. Al Fatah und Hamas gehören zu ihren Ablegern.

IS/ISIS ist ein Al Kaida-Ableger, der sich 2003/2004 im Irak gründete. Diese Organisation entwickelte sich rasch zu einer gut strukturierten, straff geführten Massenbewegung. Die jüngste Umbenennung in IS (Islamischer Staat) statt ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien) erfolgte, weil die Staatsnamen Irak und Syrien als kolonial vorbelastet gelten. Der salafistisch geprägte IS vertritt eine extreme, brutale Definition des Heiligen Krieges und betrachtet alle, die nicht für ihn sind als Feinde, die rücksichts- und gnadenlos zu vernichten sind.

Finanziell gut gestellt (2 Mrd Dollar/Jahr Einkünfte z.B. aus dem Ölverkauf besetzter Quellen und Spenden/Jahr) ermöglichen dem IS nicht nur Waffenkäufe im großen Stil, sondern auch eine weit über dem Durchschnitt liegende Besoldung seiner Funktionsträger. IS gilt als reichste Terrororganisation der Welt. Nach offiziellen Schätzungen westlicher Geheimdienst umfasst der IS 20-30 Tausend Kämpfer, die tatsächliche Zahl dürfte um die 200.000 liegen.

Bemerkenswert ist die professionelle Medienpräsenz des IS. Er nutzt gekonnt alle modernen Kommunikationsstrukturen zur Verbreitung von Informationen, Propaganda und Agitation. Mit seiner „Heilsbotschaft“ ist er interessant für junge Menschen in der westlichen Welt, und hier besonders für diejenigen, die in ihrer angestammten Umgebung aus unterschiedlichen Gründen gescheitert sind.

Besonderer Ausdruck des Machtanspruchs und Selbstwertgefühls war die Ausrufung des Kalifats am 29. Juni 2014, das sich in unmittelbarer Nachfolge des letzten Osmanischen Kalifats aus dem Jahr 1923 sieht. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann der IS seine terroristischen Aktivitäten auch auf das westliche Ausland erweitere, so Dr. Schiller. Dem IS sei nachhaltig nichts entgegen zu setzen, seine größte Gefährdung seien interne Machtkämpfe und Interessenkonflikte. In einer engagierten Frage- und Diskussionsrunde konnte Dr. Schiller Themen wie Rolle der Türkei, Terrorismusgefahr oder Innere Sicherheit engagiert und kompetent erörtern.

Verdienter Dank - Foto: Udo Hellermann

Der Autor hat versucht, ein paar Fakten und Zusammenhänge aus dem Vortrag zu protokollieren, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Erinnerungsstütze an eine fesselnde Darbietung dienen und zur Beschäftigung mit dem Thema und zur weiteren Diskussion anregen sollen.

Dr. Schiller, chapeau ! Ihr Auftritt war der Garant für eine gelungene Gemeinschaftsveranstaltung von GSP und VdRBw.

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