Nachschau - Veranstaltung am 20.09.2017

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Türkei - quo vadis

 
Referent:

Botschafter a.D. und Staatsrat a.D. Volker Schlegel

Vorsitzender NRW der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
Vorstand der Deutsch-Türkischen Gesellschaft e.V., Bonn
Foto: DGAP
 

am Mittwoch, 20. September 2017, 19.00 Uhr
Bundespresseamt - Außenstelle Bonn
Pressesaal im ersten Obergeschoss
Welckerstr. 11, 53113 Bonn

 

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Bericht der Sektion Bonn

Türkei: Zerrissen zwischen Demokratie und Einzelherrschaft

GSP- Vortrag zu jüngsten Entwicklungen am Bosporus

Von Richard Rohde
Referent Botschaftsrat a.D. Volker Schlegel - Foto: Roland Heckenlauer

Am 20. September 2017 trug Botschafter a.D. und Staatsrat a.D. Volker Schlegel bei der Sektion Bonn vor mehr als 100 interessierten Zuhörern zum Thema "Türkei - Quo vadis" vor. Der Referent ging auf die aktuellen politischen und deutlich emotionsgeladenen Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und einigen Staaten der EU, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland ein. Ohne die aktuellen Entwicklungen und Äußerungen des türkischen Präsidenten gut zu heißen stellte er gleichwohl die Frage, ob es grundsätzlich richtig sei, eigenen politische Maßstäbe auf andere Staaten zu übertragen.

Die Türkei sei erst seit 1923 eine Republik, habe mehrfache Erfahrungen mit Militärputschen, sei geprägt von der Gastarbeiterrolle von Millionen türkischer Bürger im Ausland, betrachte die Kurden im eigenen Land als Bedrohung und sei in ihrem Streben nach Demokratie oder einer „Einzelherrschaft“ eines starken Mannes innerlich deutlich zerrissen. Dies zeigt auch das letzte Referendum. In der gesamtheitlichen Betrachtung fehlen der Türkei jedoch 200 Jahre Aufklärung und 60 Jahre EU-Erfahrungen.

Dank des Sektionsleiters Richard Rohde - Foto: Roland Heckenlauer

Zielsetzung von Präsident Erdogan, der mit diesen vielfältigen Ängsten der Türkei nach Innen sehr geschickt „spielt“, sei es, zunächst die Wahlen 2019 zu gewinnen. Sein aktuelles Verhalten zeige zudem die klassische Selbstüberschätzung von Machthabern. Sollten die Wahlen durch ihn gewonnen werden, bestehe die dringende Gefahr des „Verlustes“ der Türkei aus der westlich orientierten Gemeinschaft.

Die Türkei ist nach wie vor eine wichtige Regionalmacht und es sollte die Idee sein, die aktuell politisch kaum mehr mögliche Kommunikation gezielt durch westliche Angebote der Wiederaufnahme ohne Gesichtsverlust für alle Seiten wieder aufzunehmen. Ein EU-Beitritt sei dabei definitiv keine Frage. Kooperationsprojekte sollten gleichwohl im beiderseitigen Interesse ermöglicht bleiben. Auch sei es als Zeichen möglich, Visaerleichterungen zu ermöglichen, ohne dass damit eine Visafreiheit gemeint ist. Ziel sollte es sein, die Türkei als weiterhin erforderlichen, strategischen Partner langfristig an den Westen zu binden.

Moderatoren des Bundeswehrradiosenders Radio Andernach im Interview mit dem Referenten - Foto: Roland Heckenlauer

Die anschließende Diskussion verlief trotz der spürbaren Emotionalität sachlich, zeigte das ungemeine Interesse der Zuhörer am Thema und war der Sektion insgesamt eine wichtige Anregung, auch zukünftig deutlich kontroverse Themen auf die Agenda zu bringen. Dem Referenten gebührt ein großer Dank für seinen versierten und hochinteressanten Vortrag.

 
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