Nachschau - Veranstaltung am 23.02.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Chinas Rolle und Position
in der neuen „Welt – Unordnung“ des 21. Jahrhunderts

Referent:

Professor emer. Dr. Gunther Schmid

Ehem. Professor für Internationale Politik
an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung,
München - Berlin
 

am Dienstag, 23. Februar 2016, 19.00 Uhr

 

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Bericht der Sektion Bonn

China – Imperium in Fernost

Von Servatius Maeßen
Ein temperamentvoller Referent: Prof. Dr. Gunther Schmid - Foto: Kalle Berg

Trotz der Krisen, die uns tagtäglich über die Medien frei Haus geliefert werden und die wir mitunter hautnah erleben (Ukraine, Syrien, Flüchtlinge und Migranten), macht es Sinn, den Blick über den Horizont in ferne Regionen zu richten. Sicherheit hat viele Facetten und globale Dimensionen, und „weit weg“ gilt nicht mehr. Und so erscheint es folgerichtig, dass die Sektion Bonn zu einem Vortragsabend mit dem Thema Chinas Rolle und Position in der neuen „Welt-Unordnung“ des 21. Jahrhunderts eingeladen hatte. Als Referent konnte Professor Dr. Gunther Schmid gewonnen werden, ein ausgemachter Experte für Internationale Politik, der sich viele Jahre beruflich intensiv mit China und Fernost befasst hat. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten fast 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im vollen Pressesaal seine Ausführungen.

„China hat eine überaus lange und reiche Geschichte als Einheitsstaat, an die heutige Großmächte oder solche, die es sein wollen, nicht annähernd heran reichen,“ stellte der Referent zu Beginn fest. Mehr als 2000 Jahre, d i e ökonomische Großmacht zwischen dem 15. Und 19. Jahrhundert, das sind die prägenden Faktoren für das Selbstverständnis Chinas.

Volles Haus - fasziniertes Plenum - Foto: Kalle Berg

Chinas politische Prioritäten liegen in der Bewahrung des Status einer Großmacht als Reich der Mitte und in der Sicherstellung der inneren Stabilität. Es will keine imperialistische Weltmacht werden. Territoriale Unversehrtheit, Partner auf Augenhöhe mit den Großen der Welt und Bewegungsfreiheit in seinen in seinen grenznahen Räumen sind Leitmotiv chinesischer Außenpolitik. Sendungsbewusstsein oder Exportabsichten für sein Staats- und Gesellschaftsmodell liegen China fern.

Sollte Chinas Anspruch auf Anerkennung auf Augenhöhe nicht entsprochen werden, wird man versuchen, durch die Errichtung von Parallelstrukturen Einfluss und Anerkennung zu sichern. Die weltweiten ökonomischen Aktivitäten und Verflechtungen sind auch unter diesem Aspekt zu sehen.

Intensive Aussprache - Foto: Kalle Berg

Das Wirtschaftswachstum stößt an seine Grenzen, Risiken erscheinen am Horizont, denen nach dem chinesischen Staatsverständnis zentralistisch zu begegnen ist. Es gilt, die sozialen Probleme – das Arm-/Reich-Gefälle, die Verelendung der Landbevölkerung, die Verarmung des Mittelstandes, die individuelle Verschuldung – in den Griff zu bekommen. Das ist die Herkulesaufgabe des amtierenden Staatspräsidenten Xi Jinping. Dazu braucht man nach chinesischer Überzeugung einen starken Staat. Individualität, Pluralität und uneingeschränkte Meinungsfreiheit würden diesem Ziel entgegenstehen.

Nach Überzeugung von Xi Jinping muss daher die Öffnung nach außen zurückgefahren werden, ist eine Stabilisierung des Systems statt Reformen von Nöten, und ist der Erhalt der Kommunistischen Partei wichtig. Diese Partei ist weniger ideologisch ausgerichtet, sondern ist zentrales Steuer- und Kontrollorgan.

„China steht vor einer Jahrhundertaufgabe von unvergleichlicher Dimension: Reform des Wirtschaftsmodells, Wahrung innerer Stabilität und internationale Wahrnehmung auf Augenhöhe,“ so das Fazit und der Ausblick von Professor Schmid.

Danke, Herr Professor! - Foto: Kalle Berg

Was der Verfasser an dieser Stelle in sehr verkürzter Form versucht hat wiederzugeben, war in der Realität ein fulminanter Vortrag von rhetorischer Brillanz und inhaltlicher Tiefe. Dank ausgezeichneter Strukturierung konnte das Plenum das komplexe Thema fasziniert aufnehmen. In der ausführlichen Aussprache ging der Professor keiner Frage aus dem Weg, und so war ihm anhaltender, verdienter Applaus sicher.

Und ein Literaturhinweis zur Vertiefung:
Sebastian Heilmann, Das politische System der Volksrepublik China, 3.Auflage, ISBN 978-3-658-07227-8

 
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