Nachschau - Veranstaltung am 15.03.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Ein kalter Krieg in Nahost -

Iran, Saudi Arabien, ISIS und die Neuauflage des schiitisch-sunnitischen Konfliktes.

Referent:

Dr. Michael Rohschürmann

Politik- und Islamwissenschaftler
 

am Dienstag, 15. März 2016, 19.30 Uhr
im Café Schwarz
Breitenburger Str. 14-16, Itzehoe

 

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Bericht der Sektion Itzehoe - Steinburg

Iran, Saudi Arabien, ISIS und die Neuauflage des schiitisch-sunnitischen Konflikts

Politik- und Islamwissenschaftler spricht bei der GSP in Itzehoe

Von Winfred Krech

Nach dieser Veranstaltung stellte sich wohl keiner der ca. 50 Anwesenden die Frage, ob nun noch ein weiterer Vortrag zur Lage im Nahen Osten notwendig war.

In einer mit großer Aufmerksamkeit verfolgten faktenreichen und präzisen Power-Point-Präsentation entwickelte Rohschürmann vor einem "vollen Haus" die vielfältige und z. T. äußerst komplexe Ursachengeschichte der derzeitigen Situation im Nahen Osten, wobei er besonders auf die Geschichte des Irans, Saudi Arabiens, Syriens, Afghanistans, des Libanons und des Jemens einging.

Die aus Streitigkeiten um die Nachfolge Mohammeds erwachsene Spaltung des Islams in Schiiten und Sunniten und die damit verbundene weitere Zerfaserung in zumeist verfeindete religiöse Gemeinschaften kann als Hauptursache der Konflikte und Entwicklungen im Nahen Osten gesehen werden.

Eine grafische Darstellung der am Syrien-Konflikt beteiligten Staaten und Gruppierungen und deren Verhältnis zueinander machte in überzeugender Weise die komplexe Situation im derzeitigen Konflikt deutlich.

Hierzu gehören auch das Eingreifen westlicher Staaten und deren Einfluss auf politische und kulturelle Entwicklungen. Während es den USA in erster Linie um die Sicherung ihrer Rohstoffversorgung geht, hat Europa bisher kein einheitliches Ziel gefunden.

Rohschürmann wies nachdrücklich darauf hin, dass in Europa der Bedeutung der religiösen Komponente der Konflikte bisher zu wenig Beachtung geschenkt worden ist.

In seinem Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung in dieser Krisenregion geht Rohschürmann davon aus, dass die Konflikte sich nicht in der Weise lösen lassen werden, wie es sich die Europäer wünschen, da insbesondere die vielfältigen, dynamischen Entwicklungen des Verhältnisses zwischen Sunni und Shia (und ihren Untergruppierungen) zu einer Verschärfung führen werden.

Ein "Dreißigjähriger Krieg" ist wahrscheinlicher als die erhoffte friedliche Entwicklung. Innerhalb dieser Auseinandersetzung geht Rohschürmann von einem Sieg des Irans, der bisher einzigen erfolgreichen Staatengründung des Islams, und einem Niedergang Saudi Arabiens (R.: ein Koloss auf tönernen Füßen) aus.

Der zu erwartende Niedergang des Islamischen Staates, mit dem angesichts seiner religiösen Grundhaltung nicht verhandelt werden kann, wird neue Probleme schaffen, da sich seine Kämpfer voraussichtlich verteilen und an einer Ausweitung des asymmetrischen beteiligen werden. (Ein Selbstmord-Attentäter ist wesentlich preiswerter und zielgenauer als eine Cruise Missile!)

Auch die die möglichen Konsequenzen des Endes der Kämpfe in Syrien auf das Verhalten der Kurden versprechen neue Konflikte.

Aufhorchen ließ die These des Referenten, dass Bildung nur dann pazifizierend wirkt, wenn sie mit einem wirtschaftlichen Aufstieg verbunden ist.

Nach der Rolle Deutschlands befragt, meinte Rohschürmann, dass Deutschland - wie die übrigen westlichen Staaten auch - sich aus diesen Konflikten heraushalten sollte, in die es vor allem auch US-Interessen verwickelt haben.

Vor allem sollte Deutschland seine außenpolitischen Ziele definieren, seine Hilfen stärker an Gegenleistungen binden und sich die Frage stellen, welchen Nutzen die bisherigen Kämpfe usw. gebracht haben.

 
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