Nachschau - Veranstaltung am 20.02.2018

 
 
 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS)

 
Referent:

Professor Dr. med. Arno Deister

Chef der Psychiatrie des Klinikum Itzehoe
Foto: Arno Deister - Klinikum Itzehoe
 
 

am Dienstag, 20. Februar 2018, 19:30 Uhr
im Café Schwarz
Breitenburger Str. 14-16, Itzehoe

 

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Bericht der Sektion Itzehoe-Steinburg

Verwundung der Seele

GSP-Vortrag über Posttraumatische Belastungsstörungen

Von Winfred Krech

Das Thema „Posttraumatische Belastungsstörungen“, kurz PTBS, ist seit den immer gefährlicher werdenden Einsätzen von Soldaten der Bundeswehr ein Thema, das in der Öffentlichkeit Widerhall findet. Blieben anfangs die psychischen Probleme von Soldaten, die aus den Einsätzen zurückkamen, unerkannt, so stellte sich doch schnell heraus, daß Erfahrungen von Gefechten mit existentieller Angst und dem Erleben von eigener oder Verwundung von Kameraden sowie deren Tod im Einsatz in den heimkehrenden Soldaten sich so eingebrannt hatten, daß ihre Persönlichkeit sich stark änderte, sie z.T. nicht mehr dienstfähig und lebensuntüchtig wurden. Dabei stellten sich diese psychischen Erkrankungen oft erst mit Verzögerung ein. Betroffen waren nicht nur die Soldaten selbst, sondern auch ihre Familien, die in Folge auch auseinanderbrachen.

Prof. Dr. Deister führte das Auditorium souverän in die Materie ein, klärte über die Geschichte des Begriffes und sein Krankheitsbild auf. Dabei wurde schnell klar, daß PTBS nicht nur Soldaten betrifft, sondern jedem Bürger wiederfahren kann. Deister unterschied zwischen Traumata (griechisch für „Wunde“) durch Unfälle und Naturkatastrophen und durch menschliches Handeln. Dabei sind Traumata durch menschliches Handeln schlimmer und schwerer als durch natürlich Ursachen.

Besonders gefährdet sind neben Soldaten Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten sowie auch Seelsorgekräfte. Auch z.B. Lokführer, die in ihrer durchschnittlichen Dienstzeit statistisch vier Selbstmorde erleben, sind Betroffene, die im schlimmsten Fall nicht mehr dienstfähig werden. Als ganz besonders schlimme und verstörende Ereignisse erwähnte Prof. Deister Missbrauchsfälle, die u.U. erst nach Jahren ihr Krankheitsbild manifestieren.

PTBS stellt sich erst mit Verzögerung nach Wochen oder Monaten, mitunter erst nach Jahren ein. Wichtig ist eine rechtzeitige Therapie, die ggfls. auch medikamentös unterstützt, zu guten Ergebnissen führt – wenn der Betroffene seine Erkrankung erkennt und Hilfe in Anspruch nimmt. Dies ist jedoch oft das Problem, da der Erkrankte zunehmend inaktiv und depressiv wird und nur schwer seinen eigenen Therapiebedarf erkennt und sich an einen Arzt wendet. Im günstigsten Fall bringt ihn seine Familie oder soziales Umfeld dazu, Hilfe zu suchen. Der Patient neigt zunächst zu Aggressivität, Ungeduld und Erregtheit, beginnt dann sich in sich zurückzuziehen, soziale Kontakte zu meiden und depressiv zu werden mit der Gefahr zum Suizid.

Die Bundeswehr hat inzwischen zahlreiche Programme und Hilfen für Posttraumatisierte entwickelt, zusammen mit Fachkliniken und der Militärseelsorge. Auch für die anderen gefährdeten Berufszweige ist die Versorgung inzwischen entwickelt und sichergestellt.

Zahlreiche Fragen und Beiträge aus dem Plenum nach dem Vortrag zeigten, wie sehr das Thema unter die Haut ging. Prof. Dr. Deister hatte den Zuhörern Einblicke in menschliche Gefühle und Abgründe gegeben, die jedem ein tieferes Verständnis für Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen vermittelten.

 

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