Nachschau - Veranstaltung am 23.09.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Chinas Aufstieg zur Großmacht.
Regionale Entwicklungen mit globalen Auswirkungen

Referent:

Dr. Michael Paul

Senior Fellow, Forschungsgruppe Sicherheitspolitik
der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
 

am Mittwoch, 23. September 2015, 18.00 Uhr
im Café Schwarz
Breitenburger Str. 14-16, Itzehoe

 

*****

 
Bericht der Sektion Itzehoe-Steinburg

Chinas Aufstieg zur Großmacht

Regionale Entwicklungen mit globalen Auswirkungen

Von Winfred Krech

Vor Beginn seines Referates gab Dr. Paul einen knappen Überblick über Geschichte, Struktur, Zielsetzungen und Leistungen der beim Bundeskanzleramt angesiedelten Stiftung Wissenschaft und Politik, deren Mitarbeiter er ist.

Die Volksrepublik China, die sich in den letzten Jahren zur zweitwichtigsten Wirtschaftsmacht der Erde entwickelte, hat in den letzten Jahren damit begonnen, ihr militärisches Potenzial im rasanten Tempo auszubauen und eine Ausweitung ihres Machtgebietes anzustreben. Der Aufbau einer starken Flotte und eines entsprechenden Netzes an Stützpunkten ist hierbei das vorrangige Instrument.

Es geht hierbei auch darum, die Versorgung Chinas mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln durch den Aufbau einer global einsatzfähigen Marine abzusichern. Hierbei stößt China zwangsläufig auf die bisherige Hegemonialmacht im gesamten Pazifikraum, die USA.

Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend sein, dass sich eine Analogie zu der Entwicklung der Lage in Europa vor 1914 aufdrängte.
( 1. rasanter Aufstieg des Deutschen Reiches vor 1914 = Aufstieg Chinas?
2. Konfrontation Deutsches Reich - Großbritannien = China gegen USA?
3. Konfliktherd Balkan = überlappende Ansprüche im südchinesischen Meer? )

Aber anstatt die Nachbarstaaten zur Akzeptanz einer chinesischen Vorherrschaft im westlichen Pazifik zu bringen, ist das Ergebnis für die Chinesen bisher kontraproduktiv: eine Annäherung der Nachbarn und deren verstärkte Bereitschaft zur Rüstung usw. (Vergleichbar der "Einkreisung Deutschlands vor 1914?)

Angesichts der derzeitigen Schwäche der wirtschaftlichen Entwicklung in China stellt sich die Frage, ob eine Krise im Innern, die kommunistische Partei veranlassen könnte, durch eine aggressive Außenpolitik ihre Position zu wahren.

Eine zentrale Ursache für Probleme der Wirtschaft Chinas sieht Paul in der flächendeckenden Korruption, die durch den Monopolanspruch der Partei begünstigt wird.

Auf die Folgen der Annäherung Russland-China angesprochen, sprach Paul von der "unseligen Sanktioniererei", die Russland dazu gezwungen habe, China den Zugriff auf die russischen "Kronjuwelen" (Bodenschätze) zu erlauben. Er prophezeite eine Annäherung des chinesischen "Juniorpartners" an den Westen, da Putin sich wohl nicht ganz dem Nachbarn ausliefern wolle.

Als ein Mittel, die europäische Abhängigkeit von China zu verringern, sprach sich Paul für eine baldige Unterzeichnung der Freihandels-Abkommen aus. Der wachsenden Zahl chinesischer Investitionen in Deutschland sollte nicht mit staatlichen Maßnahmen begegnet werden, es sei denn, es handele sich um sicherheitsrelevante Bereiche.

In der hohen Verschuldung der USA gegenüber China sieht er kein drohendes Problem, da einmal ein Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit besteht und China kein Interesse daran haben kann, seine Schuldner in den Ruin zu treiben.

Zur Zeit des Kalten Krieges geisterte ja immer wieder einmal die Furcht einer Verständigung USA-SU auf Kosten Europas durch die Medien. Diese Furcht erwies sich als unbegründet. Paul geht auch davon aus, dass die USA großen Widerständen, z.B. seitens Japans, begegnen werden, wenn es zu einem Versuch der Aufteilung des Pazifiks in Einflusssphären o. ä. kommen sollte.

Zum Schluss rückte das Verhältnis Chinas zu Nordkorea in den Focus der Erörterung. Paul sieht China und die USA vorrangig daran interessiert, eine Atommacht Nordkorea zu verhindern. Wie dies geschehen soll, bleibt angesichts der machtpolitischen Verhältnisse im Norden Koreas unklar. Bei einem Zusammenbruch des totalitären Regimes sei aber mit einer gigantischen Fluchtbewegung gen Süden und einer humanitären Katastrophe zu rechnen.

Dr. Paul und seine Zuhörer waren sich darin einig, dass das Thema China weiterer Informationen und Erörterung bedarf.

 
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