Nachschau - Veranstaltung am 23.09.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Brasilien -
viel mehr als das B in BRICS

Referentin:

Frau Dr. Claudia Zilla

Leiterin Forschungsgruppe Amerika,
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
Foto: SWP
 

am Mittwoch, 23. September 2015, 19.30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

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Eigenbericht der Sektion Delmenhorst

Ein Riese voller Widersprüche

Erhellender Vortrag über das Schwellenland Brasilien

Von Rolf Dieter Wienand
Monumento Christo Redentor auf dem Berg Corcovado über Rio de Janeiro - Foto: Artyominc

Der fünftgrößte Staat der Erde, mit 202 Mio. Einwohnern auf Platz sechs in der Welt liegend, war Thema von Dr. Claudia Zilla, Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin, die auf Einladung des Standortältesten der Bundeswehr, der Sektion Delmenhorst in der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des örtlichen Reservistenverbandes der Bundeswehr am 23.09. vor 60 Zuhörern im Haus Adelheide unter der Überschrift „Brasilien – mehr als das B in BRICS“ vortrug und, besonders in der Fragerunde, teils erstaunliche Details preisgeben konnte.

11 Millionen-Metropole São Paulo - Foto: Roger Wollstadt

Brasilien ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen, legt Wert auf seine Größe, sieht sich im Verbund mit Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) nicht unter Gleichgesinnten sondern unter Gleichgewichtigen und unterhält eine eigene Entwicklungsbank mit größerem Umfang als die Weltbank. Brasilien beteiligt sich derzeit an zehn Missionen der Vereinten Nationen und ist Führende Nation bei zweien (Haiti und Libanon). Damit stellt es fast ein Drittel der lateinamerikanischen Beteiligung. Das Land beansprucht einen Ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

In São Paulo, der 11-Millonenmetropole, sind mehr deutsche Firmen vertreten als sonst irgendwo auf der Erde, Deutschland eingeschlossen.

Nach der seit 1988 gültigen Verfassung ist Brasilien, wie Deutschland, ein föderaler Bundesstaat mit 26 Ländern, teils reich in jeder Hinsicht, teils bitterarm und menschenleer. Das Präsidialsystem, in dem Präsident/in und Stellvertreter direkt vom Volk gewählt werden und den beiden Kammern des Parlaments keine Rechenschaft schuldig sind, führt zu den bekannten Massenprotesten gegen die Präsidentschaft anlässlich der Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016. Das Parteiensystem ist zersplittert, benötigt Koalitionen mit mehreren, manchmal vielen, Partnern, viele Ministerien und Minister und ist gegen grassierende Korruption und Günstlingswirtschaft nicht gefeit. Andererseits unternimmt das Land große Anstrengungen, mit hohen Sozialausgaben das Gefälle in Wohlstand, Bildung und Gesundheitswesen sowohl in den Ländern als auch in der Bevölkerung zu mindern. Berüchtigt sind dennoch die immer noch bestehenden Favelas und die Organisierte Drogenkriminalität.

Rocinha Favela - Armenviertel in Rio de Janeiro. - Foto: chensiyuan

Brasilien spürt die derzeitige Schwäche der Weltwirtschaft und wird von den Ratingagenturen argwöhnisch beobachtet, hat aber immer noch ein moderates Wirtschaftswachstum, wenn auch binnenmarktgetrieben und inflationsgebremst, aber relativ stabil. Das größte Energieunternehmen, die staatliche Petrobras, verfolgt trotz hoher Schulden weiter ehrgeizige Ziele in der Ölgewinnung im Atlantik. Demgegenüber fehlen Investitionen in Infrastruktur, Wissenschaft und Innovationen, wie überhaupt Mangel an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in seiner geschlossenen Volkswirtschaft besteht. Im Umweltschutz gilt es als Fortschritt, wenn der Raubbau in den Regenwäldern verlangsamt wird: Brasilien ist Schwellen- und Entwicklungsland gleichzeitig.

Amazonas Regenwald - Foto: libasi

Bei seiner Größe und 10.000km langen Grenzen unterhält Brasilien ein lediglich 334.000 Aktive umfassendes Militär und gibt 3% seines Haushalts dafür aus. Es exportiert Rüstungsgüter an seine lateinamerikanischen Nachbarn. Brasilien hat in seiner Wahrnehmung keine Feinde, aber nächstes Ziel ist der umfassende Schutz vor Cyberangriffen.

Brasilien ist ein Riese voller Widersprüche. Das Wissen der Zuhörer darüber erweitert zu haben ist der Referentin gelungen und wurde mit starkem Applaus belohnt.

 

Fotonachweis:
Cristo Redentor - Rio de Janeiro. Autor: Artyominc. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
São Paulo, 1974. Autor: Roger Wollstadt. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons
Amazonas Regenwald. Autor: libasi. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons
Rocinha Favela - Armenviertel in Rio de Janeiro. Autor: chensiyuan. Lizensiert unter GFDL über Wikimedia Commons

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