Nachschau - Veranstaltung am 29.04.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Großmacht Indien

Referent:

Dr. habil. Christian Wagner

Forschungsgruppenleiter Asien
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
 

am Mittwoch, 29. April 2015, 19:30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

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Soldatenheim

Alles Gelesene ist wahr – und gleichzeitig falsch

Indienspezialist gibt Einblicke in ein facettenreiches Land

Delmenhorst. Alles, was über Indien zu lesen ist oder gesprochen wird, ist wahr; wahr ist aber auch, dass alles, was über Indien zu lesen ist oder gesprochen wird, falsch ist. Dieses frei nach einer britischen Quelle übersetzte Fazit konnten die Zuhörer ziehen, die jüngst im Soldatenheim Adelheide Interesse am Thema „Großmacht Indien“ bekundeten. Denn dieses in jeder Hinsicht große Land mit seinen unzähligen Facetten entzieht sich jeder einfachen Beschreibung und Deutung aus unserem kleinen Blickwinkel der Erfahrungen.

Der auf Einladung des Standortältesten der Bundeswehr, der Delmenhorster Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), und des örtlichen Reservistenverbandes vortragende Dr. (habil) Christian Wagner, Indienspezialist der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Berlin, schlug einen Bogen von der politischen Lage im Inland über die Probleme mit den Nachbarn und die wirtschaftlichen Herausforderungen. Das Land mit seinen rund 1,2 Milliarden Einwohnern hat eine Fläche entsprechend von Glasgow bis Sizilien, entstand aus 500 Fürstentümern mit völlig unterschiedlichen Sprachen und entwickelte sich zu einer funktionierenden Demokratie. Es ist föderal aufgebaut und hat immer noch mehr als 3000 Kasten, deren Diskriminierung zwar verboten ist, die aber doch das Leben vor allem in den ländlichen Gebieten bestimmen. Die Familie im Patriarchat, das Dorf, die Gruppe regeln das Leben – ein Sozialstaat wie wir ihn kennen, fehlt völlig.

Ein Großteil der Einkommen stammt aus Überweisungen von im Ausland arbeitenden Indern, die in den Golfstaaten beispielsweise deren Müllabfuhr erledigen.

Wachstum und Industrialisierung bestimmen Indiens heutigen Kurs. Augenhöhe mit China zu halten, ist wichtiges Ziel der Atommacht Indien, die nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten ist – andererseits ist der Subkontinent in vielen Bereichen des Weltentwicklungsreports der Vereinten Nationen Entwicklungsland. Die in weiten Teilen der Bevölkerung fehlende Bildung, Infrastruktur, Binnenmarkt, Energie- und Nahrungsversorgung, Korruption und Bürokratie sind besondere Herausforderungen für die Regierungen, deren Koalitionen meist zehn Parteien und mehr umfassen (müssen).

Wagner ging anhand von Beispielen auf die Kolonialgeschichte ebenso ein wie auf Schwierigkeiten im Straßenverkehr, Frauenhandel, die Bedrohung durch terroristische Gruppen und die akuten Konflikte um Kaschmir und die Grenzziehung zu China, die vor Jahren noch Kriegsgründe waren.

 
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