Nachschau - Veranstaltung am 31.08.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Vorausschauende Sicherheitspolitik
unter Bedingungen geopolitischer Veränderungen

 
Referent:

Prof. Dr. Joachim Krause

Direktor des Institutes für Sicherheitspolitik
an der Universität Kiel (ISPK)
 

am Mittwoch, 31. August 2016, 19.30 Uhr
in der „Oase Haus Adelheide“ (Soldatenheim)
(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
Abernettistraße 43, Delmenhorst

 

*****

 
Bericht der Sektion Delmenhorst

Renaissance der Geopolitik

Von Rolf Dieter Wienand

Professor Joachim Krause, Direktor des Sicherheitspolitischen Instituts der Universität Kiel, war am 31.08. zu Gast bei der Sektion Delmenhorst der GSP. Vor 63 Zuhörern trug er im Haus Adelheide vor zum Thema "Vorausschauende Sicherheitspolitik unter Bedingungen geopolitischer Veränderungen".

Machtpolitik und strategische Konkurrenz, so der Professor, waren in den letzten 25 Jahren kein Thema. „Politisch korrekt“ und sehr verantwortungsbewusst sowie zukunftsorientiert konnte sich die Politik der „neuen“ Herausforderungen annehmen, die weit in die Zukunft reichen wie z.B. der Klimawandel oder die Energie- und Rohstoffversorgung, in Deutschland zusammen mit der Energiewende, oder das Vorgehen gegen Organisierte Kriminalität und Terrorismus, oder die Entwicklungszusammenarbeit oder die weltweite Migration sehr vieler Menschen oder das Zusammenbrechen staatlicher Handlungsfähigkeit in vielen Staaten der Welt. Gemeinsam ist diesen „neuen“ Herausforderungen, dass sie ohne militärische Mittel angegangen und nur in internationalem Zusammenwirken gelöst werden können, mit der friedlichen Folge, dass auf diese Weise Konflikte ohne Gewaltanwendung beherrschbar sind. Gegenseitige Abhängigkeiten durch Handel und Wandel, dazu Diplomatie, verstärken die friedliche Folge. Es wäre demnach für alle von Vorteil, auf diese Weise mit uns zu kooperieren - diese Logik müsste allen Akteuren eigentlich einleuchten. Soweit die Theorie.

Wer davon sprach, dass die andere Ebene der Sicherheitspolitik, nämlich die Reaktion auf Geo- und Machtpolitik, und damit auch das Militärische ebenso wichtig weil notwendig sei, war Kalter Krieger und damit stigmatisiert.

Nun aber zeigt sich, dass beim Thema Klimawandel, in dem Internationales beispielhaft bewiesen werden könnte, die greifbaren Erfolge marginal sind. Es zeigt sich, dass Energiewende bei uns und das Fracking in den USA von Iran und Russland als Bedrohung der eigenen Rohstoffinteressen wahrgenommen werden. Es zeigt sich, dass die Betonung universaler Rechte von russischer, iranischer und chinesischer Führung als Bedrohung ihrer Existenz gesehen wird. Es zeigt sich, dass sich die „friedliche“ Einsicht in die Nutzlosigkeit militärischer Problemlösung eben nicht weltweit ausbreitet. Georgien und Ukraine samt Krim sind Beispiele aus jüngster Zeit.

Es zeigt sich, dass Russland und China „den Westen“ strategisch herausfordern, und es zeigt sich auch, dass der Iran „den Westen“ als strategischen Gegner sieht. Es zeigt sich, dass versucht wird, eine primär westlich strukturierte internationale Ordnung aufzubrechen, die an Freihandel, Gewaltverbot, internationaler gleichberechtigter Kooperation und universalen Werten orientiert ist. Hybride Kriegführung ist eines der Mittel. Hinzu kommt das Phänomen Islamischer Staat samt Al Qaida.

Am Beispiel Syriens zeigt sich, wie geopolitisches Handeln des Iran und Russlands zur Stützung des überaus brutalen Assad-Regimes in ein beispielloses Chaos führt – und Diplomatie scheint zu versagen, weil auch die Vereinten Nationen durch die Vetomächte faktisch blockiert sind.

Kann man die „neuen“ und die globalen Sicherheitsrisiken gleichzeitig bedienen?

Im Prinzip JA: man muss es nur wollen - im Prinzip JA: man muss umdenken wollen und können - im Prinzip JA: man muss bereit sein, dafür die entsprechenden Ressourcen aufzuwenden. Voraussetzungen sind allerdings Engagement, Bereitstellung ziviler und militärischer Ressourcen, Zusammenarbeit und Führung. Immerhin ist die Gestaltungsfähigkeit der westlichen Staatengemeinschaft noch größer als diejenigen aller anderen Staatengruppen.

Professor Krause sprach auch in der Fragerunde Klartext und erhielt kräftigen Applaus.

 
Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden