Nachschau - Veranstaltung am 16.03.2016

 
 

Traditionelles Jahresessen
mit Festvortrag

zum Thema

Wie hoch ist die Bedrohung Deutschlands
durch den internationalen Terrorismus wirklich?

Referent:

Jörg Ziercke

Ehemaliger Präsident des Bundeskriminalamts
 

am Mittwoch, 16. März 2016, 18.30 Uhr

im Haus am See
Huddelberg 15, Bremervörde

 

*****

 
vom 20.03.2016

Jörg Ziercke und die Gefahr des Terrorismus

GSP-Vortrag vom ehemaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes

Von Uwe Bredehöft
Sektionsleiter Werner Hinrichs (l.) freute sich, Jörg Ziercke als Festredner zum traditionellen Jahresessen der GSP begrüßen zu dürfen. - Foto: ub

Bremervörde. Über 100 Mitglieder und Gäste konnte am Mittwochabend Sektionsleiter Oberstleutnant a.D. Werner Hinrichs der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. - Sektion Elbe-Weser- im Haus am See zum traditionellen Jahresessen mit anschließendem Referat begrüßen.

Besonders freute er sich darüber, den ehemaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, zum Festvortrag gewinnen zu können. Als weitere Gäste nahmen die stellvertretende Landrätin Doris Brandt und Bremervördes stellvertretender Bürgermeister Uwe Matthias sowie Oberstleutnant Hendrick Hilgendorff, Leiter des Materialwirtschaftszentrums Einsatz der Bundeswehr der Elbe-Weser-Kaserne in Hesedorf, an der Veranstaltung teil.

In seinem Referat zum Thema „Wie hoch ist die Bedrohung Deutschlands durch den Internationalen Terrorismus wirklich?“ machte Ziercke gleich zu Beginn deutlich, dass die Sicherheit in Deutschland nicht nur durch den Internationalen Terrorismus, sondern auch durch die Organisierte Kriminalität und insbesondere durch Cyber-Crime (Verbrechen im Internet) gefährdet sei. Dieses ergebe sich alleine schon aus den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Globalisierung, des neuen Mobilitätsmusters, der Digitalisierung und Vernetzung, durch neue Technologien und vor allem auch durch die Internationalisierung der Kriminalität. Um hier entsprechend ausreichend entgegenzusteuern, sei eine Vorratsdatenspeicherung, wobei die gesammelten Daten nur in Ausnahmefällen herangezogen werden dürften, und auch eine Telefonüberwachung mehr als erforderlich.

Die Terrorgruppen und Organisationen seien aus regionalen Problemen besonders in den afrikanischen Staaten entstanden. Um diese zu lösen, müssten die Strukturen grundlegend verändert werden, meinte Ziercke. Daher befänden wir uns auch in Deutschland schon mitten in diesem Problem, da der Islamismus einen weltweiten Kampf gegen Ungläubige führe und die Länder Israel, USA und Partnerstaaten deshalb als Erzfeinde angesehen würden. Deswegen stehe auch Deutschland im Fokus des Terrorismus. Es gelte deshalb, amerikanische Einrichtungen und die Interessen Deutschlands zu schützen.

Jedes Jahr würden 60 bis 80 Verdachtshinweise aufgeklärt und gut 420 Gefährder, wie zum Beispiel Sprengstoffspezialisten, ausgemacht. Seitens des BKA werde viel Aufwand betrieben, um diesen internationalen Terrorismus zu bekämpfen, erläuterte der ehemalige Präsident des BKA. So laufen zurzeit gegen rund 850 beschuldigte Islamisten Ermittlungsverfahren, die immer wieder Verbindungen nach Deutschland haben. In diesen Fällen werde dann die Vorratsdatenspeicherung herangezogen, um zu ermitteln, wer mit wem und wie oft kommuniziert hat.

Ausführlich wurde von Jörg Ziercke auch erläutert, was bei der Terrorismusbekämpfung Bundes- und Ländersache sei, wie vernetzt diese sind und wie intensiv zusammengearbeitet wird. Es werde in jedem Fall eine Gefährdungsbewertung vorgenommen und eine Strukturanalyse zerlegt und somit ein enormer Aufwand betrieben, um die Deutschen vor Terrorattentaten zu schützen.

Nicht zu unterschätzen sei in Deutschland aber auch der Rechtsextremismus, wobei hier von einem Gesamtpotenzial von 21.000 Personen und davon 10.500 Gewalttätigen ausgegangen wird. Hier spiele die Flüchtlingskrise eine wichtige Rolle, die die Rechtsextremisten als Gelegenheit nutzen.

Hinzu kämen auch die Linksextremisten, die politisch motivierte Kriminalität, wie die PKK, Rocker und rockerähnliche Gruppen, die Italienische und auch die Russich-Eurasische Mafia, die alle nicht zu unterschätzen seien.

Aber auch die Kriminalität in der virtuellen Welt spiele eine immer größere Rolle und nehme zu. Da hier oft eine digitale Sorglosigkeit herrsche und es große Schwachstellen bei der Hard- und auch der Software gebe. Diese könne nur durch ausreichende Schutzmaßnahmen gesichert werden.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Jörg Ziercke noch zahlreiche Fragen der Teilnehmer bevor Werner Hinrichs die Veranstaltung schließt.

Zur Person

Jörg Ziercke kommt aus dem hohen Norden und wurde in Lübeck geboren. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung für den gehobenen Dienst bei der Kriminalpolizei und war unter anderem danach auch beim Landeskriminalamt Schleswig-Holstein tätig. Nach dem Studium der Kriminalgeografie und Kriminalsoziologie der jetzigen Deutschen Hochschule der Polizei in Münster wurde er zunächst Leiter der Kriminalpolizei in Neumünster. Er wechselte im Laufe der Jahre ins Kieler Innenministerium und wurde Leiter der Landespolizeischule Schleswig-Holstein.

Nach seiner Tätigkeit als Ministerialdirigent im Innenministerium von Schleswig-Holstein leitete er von 2004 bis zum Jahre 2014 als Präsident das Bundeskriminalamt (BKA). Während dieser Tätigkeit war er auch Mitglied in der europäischen Regionalkonferenz sowie der Weltkonferenzen von Interpol.

 
Lesen Sie auch den Bericht der Bremervörder Zeitung vom 18.03.2016 ...
Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden