Nachschau - Veranstaltung am 24.02.2015

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Mitglieder und Freunde der Sektion,

ich lade Sie herzlich ein zur nächsten Veranstaltung der GSP-Sektion Elbe – Weser in bewährter Kooperation mit dem „Verband der Reservisten e.V.“ (VdRBw), Kreisgruppe Rotenburg und der EWE.

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Somalia und Nigeria – zwischen schwacher Staatlichkeit,
Islamismus und Piraterie

Referent:

Stefan Hansen

Institut für Sicherheitspolitik, Christian – Albrechts – Universität
Geschäftsführer und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kiel
 

Dienstag, 24. Februar 2015, 19.00 Uhr

im EWE – Kundencenter Bremervörde
Marktstr. 20 - rückwärtiger Eingang –

 

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„Ein internationales politisches Problem“

Politikwissenschaftler Stefan Hansen spricht in Bremervörde über Piraterie in Somalia und Nigeria

Von Carmen Monsees

Bremervörde. Einen hoch interessanten Vortrag zur Lage in Somalia und Nigeria – zwischen schwacher Staatlichkeit, Islamismus und Piraterie – haben am Dienstagabend die Gäste der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Sektion Elbe-Weser, des Reservistenverbandes der deutschen Bundeswehr und der EWE bei einem Vortragsabend im EWE-Kundencenter gehört.

Der Politikwissenschaftler Stefan Hansen vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel (ISPK) informierte über die Piraterie-Bekämpfung am Horn von Afrika sowie über massive innerstaatliche Probleme durch islamistische Terrororganisationen wie Al-Shabaab und „die bestialischste Terrororganisation der Welt“ (Hansen), die Islamistengruppe Boko Haram.

Der Experte gab einen Überblick über die sicherheitspolitischen Hindergründe der internationalen Beziehungen. Die Analyse Somalias und Nigerias lieferte den Zuhörern einen tiefen Einblick in die schwache Staatlichkeit der Länder und die wesentlichen Konflikte. In seinem Vortrag zeigte Hansen das jeweilige Piraterie- und Terrorismus-Phänomen auf und erläuterte vor allem die Ursachen der Piraterie in den Küstengewässern.

In den vergangenen Jahren sei es etwas ruhiger um das Thema geworden. Das heiße aber nicht, erläuterte der Referent, dass die Seewege sicherer geworden seien, insbesondere am Horn von Afrika und vor der Küste Nigerias. „Die Gewässer vor Somalia sind nicht der einzige Brennpunkt, der Unsicherheiten für den internationalen Seeverkehr birgt.“ Das Jahr 2000 sei mit weltweit über 460 Übergriffen das Jahr mit der höchsten Piraterie-Aktivität gewesen. Damals seien die Gewässer um das Horn von Afrika mit rund 22 Angriffen noch relativ ruhig gewesen. Vor Nigeria hingegen seien mehr als 30 Angriffe registriert worden. Hansen: „Bis 2009 hat sich der Schwerpunkt verschoben.“ Von über 400 Überfällen weltweit seien im betreffenden Jahr mehr als 200 somalischen Piraten zuzuschreiben.

In Somalia mit seinen Clanchefs und Warlords habe es eine anerkannte Regierung mit einem tatsächlichen Machtmonopol faktisch nie gegeben. Ebenso wenig wie Sicherheit, Wohlfahrt oder Rechtsstaatlichkeit. Ehemals vorhandene Strukturen der Staatsgewalt seien im Laufe des seit 1991 tobenden Bürgerkrieges zerfallen, und islamistische Akteure wie die Milizen der Scharia-Gerichte „Al-Shabaab” dominierten das gesellschaftliche und politische System.

In Nigeria, berichtete der Wissenschaftler, gebe es nach drei gescheiterten Republiken seit 1999 zwar einerseits eine Demokratisierung, anderseits aber gelte in zwölf nördlichen Staaten das Scharia-Gesetz.

„Die kriegsähnlichen Zustände, die aus den ethnischen Differenzen hervorgehen, forderten 2001 im Niger-Delta 15 000 Tote“, berichtete Hansen. Im Jahr 2009 habe die Islamistengruppe „Boko Haram” mit ihren Anschlägen und Aufständen begonnen. 2013 sei im nördlichen Nigeria der Ausnahmezustand verhängt worden. Hansen: „,Boko Haram‘ verübt regelmäßig Massaker mit unzähligen Toten, greift Regierungspräsidenten an, entführt und tötet Christen und Muslime.“

Mittlerweile, wusste Hansen zu berichten, operierten die Piraten mit zunehmend besseren Waffen und modernen Navigationsgeräten. Auch aus diesem Grund habe sich ihre Reichweite erhöht. Sie griffen die Schiffe nicht mehr nur von der Küste aus an, sondern auch auf Hoher See. 2010 hätten sich 500 Seeleute aus 18 Nationen in Gefangenschaft von Piraten befunden. Die somalischen Piraten hätten in diesem Jahr Lösegeld in Höhe von 238 Millionen Dollar erpresst.

Den Versuch, die internationalen Handelsschiffe vor Ostafrikas Küsten durch Militär zu schützen, hält Hansen für eine „reine Symptombehandlung”, denn „gesellschaftliche Ursachen werden gar nicht erst bekämpft”. Sein Fazit: „Durch die härtere Gangart der alliierten Marinen seit 2010 konnten mehrfach gekaperte Schiffe befreit werden und Piratengruppen ausgeschaltet werden.”

Der Wendepunkt sei im Jahr 2012 mit einem Rückgang der gemeldeten Piraterie um 64 Prozent gekommen. Langfristig jedoch ließen sich die Ursachen in Somalia und Nigeria nur mit einem erheblichen Aufwand an Material und Personal beheben, beispielsweise mit einer Friedenserzwingung und Stabilisierung durch Bodentruppen. „Doch zu diesem Wagnis ist die Staatengemeinschaft nicht bereit“, erklärte der Referent.

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