Nachschau - Veranstaltung am 25.02.2015

 
 
 

Vortragsabend

zum Thema

„Bin Laden ist tot – al-Quaida lebt“

Referent:

Rolf Tophoven

Direktor des Instituts für Krisenprävention
 

am Mittwoch, 25. Februar 2015, 19.30 Uhr
im Haus Basten
Konrad-Adenauer-Str. 118, Geilenkirchen

 

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vom 03.03.2015

Terrorismus-Experte Rolf Tophoven sprach in Geilenkirchen Klartext

Von Markus Bienwald
Terrorismusexperte Rolf Tophoven nahm bei seinem Vortrag im Geilenkirchener Haus Basten kein Blatt vor den Mund. - Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen.Er ist Historiker, Germanist und Militärgeschichtler. Und er ist bekannt für seine klaren Worte, die auch bei seinem Besuch im Geilenkirchener Haus Basten nicht fehlen durften. Rolf Tophoven pflegte auch bei seinem Vortrag auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) - Sektion Aachen/Heinsberg, in Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS) des Kreises Heinsberg und der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft das offene Wort.

Natürlich war für den oft eingeladenen Terrorismus-Experten auch an diesem Abend nur Platz für das Eine, die Entwicklung des weltweiten Terrors nämlich. „Er hat sich in nahezu spektakulärer Renaissance neu erhoben“, so Tophoven im mit 80 Gästen hervorragend besuchten Bürgersaal. Zur besseren Unterscheidung sah er dabei aktuell zwei miteinander durchaus konkurrierende Gruppen, die al-Qaida und den Islamischen Staat (IS). Beide sorgten mit ihren Ablegern dafür, dass sich der Terror auch in Afrika wie durch „Boko-Haram“ in Nigeria verbreite. Andererseits sah der Referent im IS eine Organisation, die es geschafft habe, al-Qaida noch zu toppen. „Ihr Konzept, die Rechtsordnung der Scharia mit äußerster Brutalität durchzusetzen wird durch staatliche Strukturen ergänzt“, so Tophoven. Das internationale Symbol für den Terror, das Kalaschnikow-Maschinengewehr, werde nun auch in der Bildsprache des IS weitergenutzt und zeige einen Weg auf, der auf die neue Ausrichtung des Terrors hin zu unberechenbaren Einzeltätern oder kleineren extremistischen Gruppierungen hinweise. Dank einer wie Tophoven findet „absolut durchgestylten Organisation“ und einer hervorragenden „Öffentlichkeitsarbeit“ des IS, breite sich diese Organisation schnell aus.

Josef Latour (l.) von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik - Sektion Aachen/Heinsberg und Dr. Ulla Louis-Nouvertné von der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg freuten sich über den Vortrag des Terrorismusexperten Rolf Tophoven. - Foto: Markus Bienwald

„Das ist eindeutig ein Erbe des unsäglichen Irak-Krieges von 2003“, machte Tophoven klar, „ein Krieg, mit dem man glaubte, Demokratie zu schaffen.“ Angesichts der aktuell geschätzt zirka 50.000 IS-Kämpfer aus 80 Ländern, von denen 3.000 aus Europa, davon 1.200 aus Frankreich, 700 aus Großbritannien, 600 aus Deutschland und 400 aus dem kleinen Belgien kämen, könnten nach Ansicht Tophovens die USA sich bald gezwungen sehen, in den Krieg einzugreifen und somit in den Irak zurückzukehren. Und das ausdrücklich am Boden, denn die Struktur des IS sei Gift für die bisher sehr effizienten Luftangriffe. So handele es sich bei den Offizieren des IS vor allem um Soldaten, die früher in der Streitmacht Saddam Husseins agierten. Sie nutzen nicht nur ihr Wissen um die örtlichen Strukturen, sondern schreiben auch die andere Taktik des IS fort, nicht wie al-Qaida den fernen Feind wie USA oder England zu attackieren, sondern zunächst den nahen Feind zu bekämpfen. Die viel diskutierte Frage, ob der Islam für solche Vorgehensweisen verantwortlich sei, beantwortete Rolf Tophoven auf seine Art und Weise. „Natürlich ist das der Islam, denn die Rechtfertigung kommt aus dem Islam“, sagte er, „aber nun sind Wissenschaftler gefordert, zu erklären, dass es sich um einen eindeutigen Missbrauch des Islam handelt.“ Das Gefährliche am IS sei aber nicht nur dieser Missbrauch des Islam, sondern auch die Struktur, die ein Netzwerk von Netzwerken darstelle. Dies sei unterm Strich unberechenbar, auch wenn von den 600 nach Syrien gereisten Deutschen 180 bereits zurück sind und sich unter ihnen „nur“ 30 Kämpfer befinden. „Aber es genügt ja einer, der motiviert ist, irgendwo die Bombe zu zünden“, schloss Tophoven. Und der könnte aus einer Lebenssituation, einer Sinnkrise heraus den einfachen Schritt zum Islam – das Nachsprechen des Glaubensbekenntnisses reiche ja aus – im IS die Alternative zu seinem bisherigen Leben sehen.

Und da Terrorismus heutzutage ein „low-cost-business“ sei, bei dem die Kalaschnikow als Symbolwaffe für 200 Euro zu haben sei, könne der nächste Anschlag irgendwo unvorbereitet wieder die Menschen treffen. „Denn Atomwaffen, wie George W. Bush sie im Irak vermutete, können Sie erstmal vergessen, solange der Terrorist mit selbst gebauten Bomben und Kalaschnikows auskommt, wird er sie einsetzen.“ (Mabie)

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