Sektion Rheine

 

Nachschau - Veranstaltung am 08.11.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Fragile Staatlichkeit
in Osteuropa

 
Referent:

Dr. Kai Hirschmann

Hochschullehrer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundeswehr
und Stv. Direktor des IFTUS-Instituts, Essen
 

am Dienstag, 08. November 2016, 19.00 Uhr
in der Aula des Gymnasiums Dionysianum
Anton-Führer-Straße 2, 48431 Rheine

 
Foto: BMVg/Albrecht Müller
 

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vom 14.11.2016

Zerbrechliche Strukturen in Osteuropa

Direktor des Institutes für Terrorismusforschung hielt ein Vortrag am Gymnasium Dionysianum

RHEINE. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik referierte Dr. Kai Hirschmann, ziviler wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundeswehr, Hochschullehrer für Politische Wissenschaft der Universität Bonn und Stellv. Direktor des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen vor ca. 160 interessierten Zuhörern, darunter auch ca. 90 Oberstufenschülern, zu zerbrechlichen Staatsstrukturen in Osteuropa.

Um die Ursache der staatlichen Zerbrechlichkeit zu verstehen, erläuterte er zunächst die Grundlagen für ein funktionierendes und handlungsfähiges Staatswesen. Dem gegenüber stellte er Faktoren dar, die zu einem fragilen Staat führen.

Mit Blick auf das Gebier der ehemaligen Sowjetunion machte er deutlich, dass viele Staaten dort nidlt auf ethnischen, sprachlichen oder historischen Grenzen aufbauen, sondern auf früheren administrativen Verwaltungsgrenzen. Daher spielten Zuordnungen von Landesteilen - wie z.B. die Schenkung der Krim (1954) oder Teilen der heutigen Ostukraine (1922) an die Ukraine - innerhalb dieser Verwaltungsgrenzen keine wirkliche RolJe innerhalb der zentral aus Moskau geführten Sowjetunion.

An den Beispielen Moldawien, Transnistrien, Armenien Abchasien, Südossetien und der Ukraine erläuterte er, das dass Konfliktpotenzial aufgrund bestehender ethnischer, sprachlicher, religiöser, aber auch wirtschaftlicher Unterschiede innerhalb dieser Regionen weiterhin besteht. Diese Konflikte sind derzeit in keiner Weise gelöst, sondern nur „eingefroren". Mit Blick auf die Politik Putins, aber auch die der Europäischen Union, machte er deutlich, dass das Konfliktpotenzial in Teilen auch instrumentalisiert wird, um mittel- und langfristige eigene Machtu nd Wirtschaftsinteressen durchzusetzen.

Dr. Hirschmann plädierte in seinem Fazit dafür, bei der Suche nach Problemlösungen nicht starr an bisherigen Grenzziehungen festzuhalten, sondern ethnische, sprachliche sowie religiöse zusammenhänge zu berücksichtigen. Notwendig sei es, den in diesen Krisenregionen lebenden Menschen in demokratischer Selbstbestimmung zu ermöglichen, neue Formen von Staatlichkeit zu suchen. Dies könne über neue wirtschaftliche oder politische Föderationen in unterschiedlichen Ausprägungen bis hin zu neuen Staatsgrenzen entlang der ethnischen, religiösen oder sprachlichen Grenzlinien geschehen. Solche Prozesse können allerdings nur erfolgreich gestaltet werden, wenn der Wille der dort lebenden Bevölkerung nicht durch manipulative Einflussnahme von außen zur Durchsetzung eigener Interessen beeinflusst wird.

 
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