Sektion Rheine

 

Nachschau - Veranstaltung am 12.04.2016

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Eine politische Analyse des Afghanistaneinsatzes

mit Folgerungen für weiteres internationales Engagement
der Bundesrepublik Deutschland

Referent:

MdB a.D. Winfried Nachtwei

Verteidigungsexperte (Bündnis90/Die Grünen)
 

am Dienstag, 12. April 2016, 19:00 Uhr
in der Volkshochschule Rheine
Neuenkirchener Str. 22, 48431 Rheine

 

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vom 18.04.2016

„Die Weltlage wird immer komplexer”

Winfried Nachtwei spricht über Herausforderungen an die künftige deutsche Außenpolitik /Bildung junger Menschen sehr wichtig

RHEINE. Der bekannte Wehrexperte und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, Winfried Nachtwei, legte in einem Vortrag in der Volkshochschule Rheine vor rund 100 Zuhören auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik dar, welche Lehren sich aus dem deutschen Engagement in Afghanistan für die deutsche Politik ergeben. Allein 18 mal hat er dort staatliche und nichtstaatliche deutsche Organisationen besucht: "Als MdB habe ich dem Einsatz in Afghanistan zugestimmt und trage daher Veranrwortung für die Soldaten, Polizisten und zivilen Kräfte, die durch einen Parlamentsbeschluss beauftragt worden sind, in Afghanistan zu helfen."

In seiner Analyse machte er deutlich, dass das deutsche Engagement dort zum Teil sehr blauäugig und ohne klare Vorstellung begonnen wurde. Die politischen Ziele wurden kaum operationalisiert und die Sicherheitslage lange Zeit "schön geredet". So wurde nicht erreicht, den internationalen Terrorismus nachhaltig einzudämmen. Ebenso sei es nicht dauerhaft gelungen, sichere staatliche und politische Strukturen aufzubauen. Eines der Hauptprobleme, die Korruption, beherrscht weiterhin das Tagesgeschehen. Der militärische Rückzug der internationalen Truppen verlief zwar überraschend gut, so Nachtwei, hat aber die Lage politisch und auch wirtschaftlich weiter destabilisiert.

Auf der „Positivliste" verbuchte Nachtwei den in Teilen gelungenen Aufbau einer medizinischen Versorgung, insbesondere auch durch zivile oder private Initiativen. Darüber hinaus stellte er erfolgreiche Projekte im Bereich der Berufsausbildung von Jugendlichen und der Alphabetisierung der afghanischen Polizei vor. Er erwähnte hier, dass insbesondere die Projekte erfolgreich und ungestört von Anschlägen und Terror verwirklicht werden konnten, die auf lokaler Ebene mit den verantwortlich handelnden Personen abgestimmt wurden. Weitestgehend unbeachtet in den westlichen Medien wenden sich auch immer mehr Afghanen gegen die Spirale der Gewalt. So fanden in Kabul 2015 Demonstrationen von über zehntausend Afghanen gegen den Terror statt. Für Nachtwei „ein hoffnungsvolles Zeichen".

Aus einer zunehmend komplizierteren „Weltlage" zieht er Folgerungen für die weitere deutsche Politik: Internationale Einsätze müssten klarer rnit der UN abgestimmt sein. Auch gelte es, fremde Kulturen stärker zu berücksichtigen. Er forderte, dass Soldaten, Polizisten, Berater und Entwicklungshelfer vor Ort besser zusammenwirken, denn „keiner schafft es alleine". Dieses müsse durch schnelleres und koordiniertes Handeln der betei ligten Ministerien und Institutionen sichergestellt werden. Bei dem gerade in Krisenregionen vorliegenden Überhang an Jugendlichen sei es von wesentlicher Bedeutung, den oft chancenlosen Jugendlichen durch Bildung und Ausbildung eine Zukunft in ihrem eigenen Land zu eröffnen. Hierüber kam es zu einer lebhaften Diskussion, unter anderem über die Rückführung afghanischer Plüchtlinge. Nachtwei steht dem kritisch gegenüber, zugleich wurde deutlich, wie die Situation in Afghanistan die Flüchtlingsdiskussion auch vor Ort in Rheine betrifft und wie komplex Politik heute ist.

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