Nachschau - Veranstaltung am 09.12.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Konfrontation zwischen Japan und China

Die sino-japanischen Beziehungen,
ihre Wurzeln und Perspektiven

Referent:

Dr. phil. Wolfgang Bockhold, M.A.

Gegenwartsbezogene Ostasienforschung
 

am Mittwoch, 09. Dezember 2015, 19.30 Uhr
im Offizierheim neben der Graf-Werder-Kaserne
Wallerfangerstraße 33, Saarlouis

 
Foto: Bockhold
 

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Bericht der Sektion Saar

Den Fokus auf Süd-Ost-Asien gerichtet

Vortrag über die sino-japanischen Beziehungen

Von Klaus Zeisig

Die Lage um das süd-chinesische Meer herum ist in den letzten Monaten wegen der Ereignisse in Nahost und Europa etwas aus dem Blick der Politik geraten. Sie hat dennoch nichts an Aktualität und Brisanz verloren.

Auch vor dem Hintergrund vermuteter Erdöl- und Erdgasvorkommen versucht China, seine Position in dieser Weltregion auszubauen, was zwangsläufig nicht nur zu einer Konfrontation mit den USA, sondern auch mit Japan führen muss. Dabei werden gerade die Beziehungen zwischen China und Japan bestimmend für die Zukunft Süd-Ost-Asiens sein.

Der ehemalige Botschaftsrat 1. Klasse an den deutschen Botschaften in Peking und Tokio, Dr. Wolfgang Bockhold, berichtete in der Vortragsveranstaltung der GSP-Saar zu diesem Themenkomplex vor dem Hintergrund seiner langjährigen aktiven Erfahrungen und seinem bis heute aktuell gehaltenen Interesse an dieser Region.

Um das Verhältnis Japans und Chinas zueinander zu verstehen, muss man dessen historische Entwicklung und die darin eingetretenen Verwerfungen kennen. Insbesondere die aggressive Expansionspolitik Japans bis hin zum 2. Weltkrieg hat bei den Chinesen tiefe Narben hinterlassen. Da Japan sich auch nicht zu einer ähnlichen Entschuldigungs- und Versöhnungsgeste, wie z.B. Deutschland mit den vielfachen politischen Erklärungen bis hin zum Kniefall Willy Brandts in Warschau und der Handreichung Kohls und Mitterands über den Gräbern von Verdun, aufraffen konnte, gärt dieser moralisch und politisch nie ganz aufgearbeitete Konflikt weiter.

In China hat sich de facto ein signifikanter Wechsel in der Staatsführung vollzogen. Die früher entscheidende Rolle älterer Politiker spielt unter dem derzeitigen Staatspräsidenten (und Chef der KP) Xi Jinping keine Rolle mehr. Gerade das Führungsverhalten Xi Jinpings, wie aber auch der Regierung insgesamt, zeichnet sich durch hohe Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Lage aus. Verträge und verbale Statements gelten in diesem Sinne nur für den Augenblick. Chinas Politik sollte deshalb stärker an ihrem tatsächlichen Handeln und nicht an den Worten gemessen werden.

China rüstet seit Jahren mit 2-stelligen Steigerungsraten des Militär-Budgets militärisch stark auf. Aus der Bedrohungsanalyse Chinas mit Blick auf die USA und Japan ergeben sich folgende Schwerpunkte und Zielvorgaben für das Militär:

  - Die maritime Verteidigungsfähigkeit ist bis weit in den Pazifik-Raum ausdehnen.
  - Die Luftstreitkräfte müssen zur offensiven Luftverteidigung weltweit befähigt sein.
  - Im süd-chinesischen Meer sind Chinas Interessen insbesondere gegenüber den USA kompromisslos zu verteidigen.
  - Die Militärpolitik muss auf die Sicherung der wirtschaftlichen Interessen Chinas ausgerichtet sein.

China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Süd-Ost-Asien und weltweit der Drittgrößte und hat Japan diesbezüglich seit 2002 verdrängt.

Japan hingegen will unter Ministerpräsident Abe den seit dem 2. Weltkrieg im Lande dominierenden radikalen Pazifismus eindämmen und die alte militärische Stellung Japans wieder erreichen. Und, Japan will sich nicht mehr ständig für seine Rolle im 2. Weltkrieg entschuldigen müssen!

Alle Aspekte bilden einen für eskalierende Entwicklungen brisanten Nährboden. Vermittler in der Region, einschließlich Russland, kommen aus Sicht der Akteure nicht in Betracht.

In dieser Konstellation richtet sich der Blick zwangsläufig nach Europa. Aus Sicht Chinas spielt dabei die EU allerdings derzeit keine ernstzunehmende Rolle – zu ohnmächtig und konfus wirkt die Zerstrittenheit der Europäer bei relativ nachrangigen Fragen wie z. B. Flüchtlings-/Asylpolitik. China hält sich da eher an die europäischen Führungsnationen wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Auch wenn der Interessen-Fokus der Europäer derzeit notgedrungen in Nahost, Nordafrika und Europa selbst liegt, darf die Entwicklung in Süd-Ost-Asien und im pazifischen Raum nicht aus den Augen verloren werden, um nicht ein ähnlich aufgeschrecktes Erwachen wie angesichts der Entwicklung in Nahost zu erleben!

 
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