Nachschau - Veranstaltung am 01.06.2015

 
 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Weißrussland –
der neue Vermittler im Osten?!

Referentin:

Dr. Astrid Sahm

Internationales Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB)
 

am Montag, 01. Juni 2015, 19.30 Uhr
im Burgwald-Kasino

 
Foto: ibb-d.de
 

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vom 09.06.2015

Belarus, ein kaum bekannter Staat

Dr. Astrid Sahm referiert bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und in der Hans-Viessmann-Schule

Frankenberg. Mit dem Vortrag „Weißrussland - der neue Vermittler im Osten?!" brachte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Waldeck-Frankenberg, für viele ihrer zahlreichen Zuhörer den weißen Fleck auf der europäischen Landkarte zum Strahlen. Am nächsten Tag profitierten außerdem 80 Schüler und Lehrer der Hans-Viessmann-Schule davon, wo der Vortrag ebenfalls zu hören war.

Als Referentin hatte die GSP Dr. Astrid Sahm eingeladen. Sie ist Jahrgang 1968 und seit 2012 Leiterin der Berliner Repräsentanz des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB). Als Achtjährige wollte die Referentin bereits wissen, wie es hinter dem Eisernen Vorhang aussieht. Sie lernte als Schülerin Russisch in der Volkshochschule und studierte die Sprache auch in Moskau.

Von 2006 bis 2011 leitete sie die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau" in Minsk, Weißrussland. Von 1995 bis 2005 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung sowie am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte der Universität Mannheim.

„Weißrussland" ist verpönt

Die Expertin erklärte zu Beginn ihres Vortrags, dass der Begriff „Weißrussland" in Belarus wegen der sprachlichen Verbindung zu Russland verpönt sei. Im historischen Rückblick nannte die Referentin zwei prägende Ereignisse: erstens die Verbindung zu Deutschland, die heute noch geprägt sei von der Besatzungszeit durch das Hitler-Regime und ihre verheerenden Folgen - ein Drittel der Bevölkerung sei umgekommen.

Das zweite Ereignis war die Katastrophe von Tschernobyl 1986: 70 Prozent des radioaktiven Niederschlags sei auf Belarus niedergegangen, 2,4 Millionen Menschen, etwa ein Viertel der Bevölkerung, wurden geschädigt. Drei Jahre lang habe es keine Aufklärung gegeben, keine Aktionen des Staates - damals die UdSSR um die Bevölkerung zu schützen. Diese Traumata wirkten bis heute.

Dem Staat fehle eine eigene staatspolitische Tradition. Vollkommen unvorbereitet habe das Land 1991 den Schritt in die Selbstständigkeit getan. Das nannte Astrid Sahm als einen der Gründe dafür, warum Präsident Aljaksandr Lukaschenko seit 1994 im Amt ist - trotz seiner autoritären Führung. Die Bezeichnung „letzte Diktatur Europas" ließ Astrid Sahm nicht gelten. Autoritär ja, aber nicht diktatorisch.

Betont würden Selbstständigkeit und Souveränität - auch gegenüber Russland. Zur Ukraine bestünden gute Beziehungen, nicht zuletzt als Handelspartner: Es gebe einen deutlichen Handelsbilanz-Überschuss gegenüber der Ukraine - jedoch einen um den Faktor drei größeres Defizit gegenüber Russland. Das Verhältnis zur EU sei nicht das beste, weil die EU „keine klare Strategie" verfolge, sagte die Referentin. Mit der Vermittlerrolle wolle Belarus auch seine Eigenständigkeit betonen und festigen. Die Möglichkeiten, die diese Rolle biete, seien aber begrenzt.

Astrid Sahm engagiert sich auch im Verein „Leben nach Tschernobyl" für das Zentrum „Nadeshda", das seit 1994 bei Minsk jährlich mehr als 4000 Kinder betreut, die von Langzeitfolgen der Tschernobyl-Katastrophe betroffen sind. Nähere Informationen gibt es unter www.freunde-nadeshda.de. - (r)

 
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