25. Januar 2023: General a.D. Wolfgang Altenburg verstorben

25. Januar 2023: General a.D. Wolfgang Altenburg verstorben

Von April 1983 bis Ende September 1986 war Wolfgang Altenburg der achte Generalinspekteur der Bundeswehr. Als Nachfolger von General Jürgen Brandt somit der erste Offizier an der Spitze der Bundeswehr, der nicht mehr in der Wehrmacht gedient hatte.

Am 24. Juni 1928 in Schneidemühl (Pommern, heute Pila) geboren, wird er vor Kriegsende noch als Marinehelfer eingesetzt und gerät als 16jähriger in britische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung erlernt er den Beruf des Hotelkaufmanns und arbeitet ab 1951 bei den amerikanischen Dienstgruppen in der Verpflegungswirtschaft.

Im ersten Jahr der Bundeswehraufstellung 1956 entscheidet er sich für den Berufswechsel. Im Oktober tritt er als Offizieranwärter beim Artillerie-Lehrbataillon in Idar-Oberstein den Dienst an. Die Ausbildung zum Offizier, Zugführer und Batteriechef sind die nächsten Stationen der Laufbahn, bevor er 1962/64 die Ausbildung für den Generalstabsdienst (8. Lehrgang) an der Führungsakademie der Bundeswehr absolviert.

Nach zwei Verwendungen als G1 und G3, ist er von 1968 bis 1970 Kommandeur des Feldartilleriebataillon 61 in Kellinghusen. Danach wechselt er als Hilfsreferent ins Verteidigungsministerium. Von 1971 bis 1973 ist er Stellvertreter des Leiters für nukleare Planungsfragen im NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons. Danach kehrt er ins Verteidigungsministerium zurück und ist bis 1975 Referent in der Abteilung „Militärpolitik und Führung“ im Führungsstab der Streitkräfte unter dem späteren General Jürgen Brandt.

Von April 1975 bis September 1976 führt er die Panzerbrigade 7 in Hamburg. Danach wird er in seine alte Abteilung versetzt. Hier wird er im April 1978 Abteilungsleiter, was mit der Beförderung zum Generalmajor verbunden ist. Nach dem überraschenden Rücktritt Generalinspekteur Harald Wust kommt es zu einem Personalwechsel in den Spitzenpositionen der Streitkräfte.

Harald Brandt kommt aus Brüssel zurück und wird Generalinspekteur der Bundeswehr. Altenburg folgt als Generalleutnant auf den Dienstposten des „Deutscher Militärischer Vertreter“ im Militärausschuss der NATO. Diese Personalentscheidung steht im Zusammenhang mit den bündnisinternen Verhandlungen, um den am 12. Dezember 1979 in kraft gesetzten NATO-Doppelbeschluss. An der Entscheidung Bundeskanzlers Helmut Schmidt für die Stationierung atomarer Mittelstreckensysteme in der Bundesrepublik war Altenburg mitbeteiligt.

Am 1. Oktober 1980 übernimmt er das III. Korps in Koblenz und wird nach der Pensionierung General Brandts im Frühjahr 1983 dessen Nachfolger als Generalinspekteur. Mit 54 Jahren erhält er den vierten goldenen Stern und kann auf eine unvergleichliche Karriere zurückblicken. Sie ist aber noch nicht beendet, denn ab Oktober 1986 wird er Vorsitzender des Militärausschusses der NATO. Bis dahin hatte Deutschland mit den Generälen Adolf Heusinger (1961-1964) und Johannes Steinhoff (1971-1974) zweimal diese höchste militärische Position im Bündnis besetzt. 

Als „Chairman“ erlebt er die Veränderungen der Politik, besonders den beginnenden Zerfall des Ostblocks. Die Abrüstungsbemühungen der Sowjets unter Präsident Gorbatschow und der Abschluss des IFN-Vertrages vom 7. Dezember 1987, der die Zerstörung der atomaren Mittelstreckenwaffen Amerikas und Russland festschreibt, fallen in seine Brüsseler Dienstzeit.

Am 30. September 1989 verabschiedet ihn Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg nach 33 Dienstjahren mit dem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand. Das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, Kommandeur der französischen Ehrenlegion und die Kommandeurstufe „Legion of Merit“ und andere Auszeichnungen erhielt er während seiner Dienstzeit.

Tätigkeiten in verschiedenen Gremien und Organisationen, vor allem wenn es um Sicherheits- und Verteidigungspolitik geht, hat er nach seiner Pensionierung weiter wahrgenommen. Als fachkundiger Gesprächspartner wird er immer wieder gefragt. Präsident der Clausewitz-Gesellschaft ist er von 1991 bis 1994, 2008 wird er deren Ehrenpräsident.

Am 25. Januar 2023 ist Wolfgang Altenburg im 94. Lebensjahr in Travemünde verstorben. 

 

Letzte News

  • 15Apr
    Alte Bedrohungen mit neuen Mittel - 10. Sicherheitspol. Bodenseekongress

    Dieser fand am 13. April in Friedrichshafen im Graf-Zeppelin-Haus statt. Die renommierte drei Länder Veranstaltung sicherheitspolitischer, militärischer und wehrtechnischer Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz widmete sich dem aktuellen Thema: Der Ukraine-Krieg und seine Folgen für Europa – militärisch, politisch und ökonomisch. Die militärische Sicht und Lagebeurteilung, des nun schon über zwei Jahre währenden Krieges, nahm Generalleutnant Mag. Bruno Günter Hofbauer vor.…

  • 15Apr
    Schwedens Mehrwert für die NATO - Das 32. Mitglied im Atlantischen Bündnis

    Der schwedische Premierminister Ulf Kristersson hatte mit seinem Außenminister Tobias Billström die Beitrittsurkunde seines Landes zur NATO bereits im März in Washington hinterlegt. Billström ist weiterhin unterwegs, die die Abkehr von der faktischen Neutralität Schwedens nach mehr als 200 Jahren zu begründen und den Gewinn für das atlantische Bündnis zu erläutern.

    Hierzu hatte die schwedische Botschaft in Berlin gemeinsam mit der HERTIE School zu einer Veranstaltung mit ihm Ende März…

  • 25Mar
    4. April 2024 – 75 Jahre NATO. Gemeinsinn und Neuausrichtung ist nötig

    Das 75-jährige Bestehen der North Atlantic Treaty Organisation (NATO) wäre ein guter Grund zum Feiern. Doch die sicherheitspolitische Lage in der Welt, besonders die Kriege in der Ukraine und in Gaza, sind kein Grund dafür. Die NATO ist mit Finnland (4. April 2023) und Schweden (7. März 2024) auf 32 Nationen angewachsen. Aktueller Anlass war die „Spezialoperation“ der russischen Föderation am 24. Februar 2022 in die Ukraine. Seit Wladimir Putin am 18. März 2024 wieder zum Präsidenten gewählt…

  • 12Mar
    Zypern – Ausgangspunkt für Gaza-Hilfe

    „Open Arms“ mit Hilfsgütern unterwegs

    Wieder einmal steht die östliche Mittelmeerinsel Zypern im öffentlichen Interesse.  Von der Hafenstadt Larnaka, im Südosten der Insel, ist das erste Schiff mit Hilfslieferungen Richtung Gaza in See gestochen. Die „Open Arms“, gehört einer spanischen Hilfsorganisation ist mit 200 Tonnen Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten unterwegs. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der zyprische Präsident Nikos Christodoulides waren die Antreiber für…

  • 23Feb
    Wir wählen die Freiheit – Motto bei „Cafe Kyiv“ / Die Zukunft der Ukraine in Europa

    Wir wählen die Freiheit – Motto bei „Cafe Kyiv“

    Die Zukunft der Ukraine in Europa

    „Cafe Kyiv – Wir wählen die Freiheit“: unter diesem Motto veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung am 19. Februar mit 30 Partnerorganisationen, u.a. auch der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, im Colosseum in Berlin zum zweiten Male nach 2023 ein vielseitiges Programm mit Workshops, Diskussionen, Salons und kulturellen Aktivitäten.  Themen wie Freiheit, Europa, Sicherheit und Wiederaufbau der Ukraine standen…

  • 17Feb
  • 16Feb
    Furor und Harmonie. Die Kunst der Diplomatie.

    60. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) - Furor und Harmonie. Die Kunst der Diplomatie.

    Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, wird die 60. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) eröffnen. Sie findet vom 16. bis 18. Februar 2024 statt. Für das Jubiläum hat sie ihrem Kürzel-Logo eine 60 beigefügt. Gründer dieser sicherheitspolitischen Konferenz war Ewald-Heinrich von Kleist.  Unter dem Namen „Wehrkundetagung“ wurde sie 1963 erstmals in München ausgerichtet. Teilnehmer waren u.a.…

  • 03Feb
    BM Christian Lindner bestätigt Zwei-Prozent-Ziel für Vtdg-Haushalt bis 2028

     

    Der „Hüter der Schuldenbremse“ Bundesfinanzminister Christian Lindner bestätigt das Zwei-Prozent-Ziel für den Verteidigungsetat, trotz massiver Budgetzwänge, in der mittelfristigen Haushaltsplanung. Im Interview beim diesjährigen Gipfel der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall am 1. Februar bekräftigte Bundesfinanzminister Lindner das Vorhaben der Bundesregierung, bei den Beratungen für den Haushalt 2025 zur mittelfristigen Budgetplanung bis 2028 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für…

  • 30Jan
    General a.D. Hartmut Bagger, Präsident der Gesellschaft 1999/2000, verstorben

    Hartmut Bagger, Präsident der Gesellschaft 1999/2000, verstorben

     

    30. Januar 2024 Von Peter E. Uhde

     

    Vergangenen Freitag, den 26. Januar 2024 ist General Hartmut Bagger in Meckenheim verstorben. Am 8. Februar 1996 wurde er Nachfolger von General Klaus Naumann, der zum Vorsitzenden des NATO-Militärausschuss in Brüssel gewählt wurde.

    Damit erreichte die Karriere des am 17. Juli 1938 in Braunsberg/Ostpreußen geborenen ihren Höhepunkt. Ende des Krieges aus seiner Heimat vor dem russischen…

  • 24Jan
    Europa-Wahl 2024: die EVP fordert „echten“ EU-Außenminister sowie Verteidigungskommissar

    In ihrem Wahlprogramm für die anstehende Wahl zum Europäischen Parlament, welches auch Neuerungen in Kommission und Rat beinhaltet, fordert die von der konservativen Parteienfamilie gebildete EVP, der auch CDU und CSU angehören, zahlreiche Änderungen in den Kommissar-Portfolios, Gremien und der Marktintegration.

    Mit dem Ziel, die Handhabung der außen- und verteidigungspolitische Agenda der EU entscheidend zu verbessern, spricht sich die EVP für die Schaffung eines "echten"…

GESELLSCHAFT FÜR SICHERHEITSPOLITIK E.V.

Vereinsregister-Nr. 5684
beim Amtsgericht Bonn

KONTAKT

Hauptstadtbüro:              
Reichstagufer 14, 10117 Berlin  
Tel.: +49 (0) 30 20648549
praesident©gsp-sipo.de

Geschäftsstelle Bonn:  
Wenzelgasse 42, 53111 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 - 652556
Fax: +49 (0) 228 - 658093
geschaeftsstelle©gsp-sipo.de

GEMEINNÜTZIGKEIT

Die GSP e.V. ist  als gemeinnützig und spendenfähig anerkannt worden.

 

 

 

©  Gesellschaft für Sicherheitpolitik e.V.