Sonderausstellung im MHMBw in Dresden: KRIEG • MACHT • NATION

Sonderausstellung im MHMBw in Dresden: KRIEG • MACHT • NATION

Der Eingang zum Militärhistorischen Museum mit der aus Aluminiumteilen bestehenden Spitze des Neubaus von Daniel Libeskind (Foto: Uhde)

Katalog zur Sonderausstellung

Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden
• KRIEG • MACHT • NATION. Wie das deutsche Kaiserreich entstand.

Vor einhundertfünfzig Jahren, am 19. Juli 1870 begann der Deutsch-Französische Krieg. Sechs Monaten später, der Krieg war noch nicht beendet, wurde am 18. Januar 1871 das Deutsche Kaiserreich gegründet. Bisher nimmt sich nur dieser Thematik an, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Grund einen Blick in die Mitte des 19. Jahrhunderts und seine vergessenen Kriege zu werfen.

Die Dekaden davor waren nicht frei von großen gesellschaftlichen Erschütterungen. Eine davon war die Revolution 1848/49, auch „Frühling der Völker“ genannt und weil sich Nationen den Weg zur staatlichen Eigenständigkeit erkämpft hatten. In Italien, Frankreich und auf dem Gebiet des Deutschen Bundes, hier waren 40 Einzelstaaten, darunter Preußen und Österreich zusammengefasst, loderten Revolutionsflammen. Am 3. April 1849 nahm der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die ihm vom ersten deutschen Parlament angebotene Kaiserkrone nicht an.  Nach Ende der Aufstände 1848-51 waren die alten Ordnungen in Europa aber fast wiederhergestellt. Nur in Frankreich hatte die Regierungsform gewechselt. Napoleon III. (1808-1873), ein Neffe Napoleons I. wagte 1852 den Staatsstreich und erneuerte das Kaisertum. Er wollte Frankreich wieder zu alter Größe zurückbringen. Letztlich liefen seine europäischen Machtbestrebungen auf einen Konflikt mit Preußen hinaus. Das hatte seine politische Position in der Mitte Europas durch den Sieg im Deutsch-Dänischen Krieg (1. Februar-20. Juli 1864) mit dem Erwerb der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg gestärkt. (Siehe Begleitbuch S. 68-107). Nach diesem Erfolg erhöhten sich die latenten Spannungen zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Mitteleuropa. Schon am 28. Februar 1866 erklärte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck in der Sitzung des Kronrats „an die Spitze von Deutschland zu treten“. Im Bündnis Preußen mit Italien, das am 8. April 1866 geschlossen wurde, bereite er den Waffengang gegen Österreich vor.

Am 7. Juni marschierten preußischer Truppen in Holstein ein, Österreich hatte es kampflos geräumt. Ohne offizielle Kriegserklärung kommt es zum sogenannten „Deutschen Krieg“ zwischen Preußen und Österreich. Am 3. Juli 1866 wurde er in einer einzigen Schlacht, der von Königgrätz, für Preußen entschieden. Der Sieg Preußens über Österreich bedeutete einen Wendepunkt in der deutschen und europäischen Geschichte (S. 144-171).

Der Beginn des deutsch-französischen Nationalkrieges im Juli 1870 überraschte nicht nur den Dachauer Bauern Xaver Stegmeier „wie eine Bombe in den schönsten Friedenstraum“. Bürger auf beiden Seiten des Rheins forderten ihn sogar und Otto von Bismarck wollte durch einen Sieg über Frankreich die Vollendung der deutschen Einigung herbeiführen. Er verglich seine Haltung mit einem Mann, der „den Revolver in der Tasche und den Finger am Abzug“ hat und den Nachbarn genau beobachtet. Im Juli eskaliert der Streit um die Kandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den spanischen Thron.

Am 13. Juli wird die von Bismarck redigierte „Emser Depesche“ (S. 181) veröffentlich. Am Tag danach macht in Frankreich mobil und zwei Tage Preußen und die süddeutschen Staaten. Am 19. Juli erfolgt die französische Kriegserklärung an Preußen, Napoleon III. übernimmt den Oberbefehl über das französische Feldheer. Die beiden Heere waren von unterschiedlicher Struktur. Die französische Berufsarmee befand sich seit 1867 in einer Reorganisation. Die Kraft der Deutschen lag in der durch die allgemeine Wehrpflicht dem Berufsheer zugeführten Masse“ (Delbrück). In der Bewaffnung kann von einer Ausgeglichenheit ausgegangen werden. Eine Stärke auf dem Gefechtsfeld stellte die preußische Artillerie mit ihren gezogenen Hinterladern, dem schnelleren und weiterreichenden Feuer gegenüber den französischen Geschützen dar. Der Aufmarsch der deutschen Heere, insgesamt etwa 500.000 Mann, vollzog sich reibungslos. Die Planung des Chefs des Generalstabes Helmuth von Moltke war darauf ausgelegt, die französische Hauptmacht möglichst schnell zur Entscheidungsschlacht zu zwingen. Bei Königgrätz 1866 war das gelungen. In den ersten Augusttagen und Mitte des Monats gibt es Gefechte und Schlachten bei Saarbrücken, Weissenburg, Spichern Wörth, Gravelotte/St. Privat. Am 15. beginnt die Belagerung von Straßburg und am 20. die von Metz. Bei der Festung Sedan kommt es am 1./2. September zur siegreichen Schlacht, bei der etwa 100.000 Franzosen mit ihrem Kaiser Napoleon III. in Gefangenschaft geraten. Dieser wird zur Verbannung nach Schloss Wilhelmshöhe in Kassel gebracht. In Paris wird von Kriegsmister Léon Gambetta u.a. die Dritte Republik ausgerufen und eine Regierung der nationalen Verteidigung gebildet. Die deutschen Truppen marschieren ohne großen Widerstand auf Paris zu und am 19. September ist die französische Hauptstadt eingeschlossen und von jedem Nachschub abgeriegelt. Ab Ende Dezember wird das belagerte Paris durch Artillerie beschlossen. Mit etwa zwei Millionen Einwohnern ist es die Größte Stadt Europas. 17 Forts bilden den äußeren Verteidigungsring.  Ausbruchsversuche schlagen fehl, nach 135 Belagerungstagen kapituliert Paris. Die Hörner des letzten während der Belagerung geschlachteten Rindes sind als Ausstellungsstück zu sehen. Im Begleitbuch ist daneben eine Fotografie abgebildet, darauf ist ein kleiner Franzose. Die Beschriftung lautet:  Eines aus der Zeit der Belagerung (III). Aus unseren Knochen wird ein Rächer entstehen (S. 227).

Zurück zur Politik.
Mit Inkrafttreten der Verfassung ist der 1.Januar 1871 der Gründungstag des Deutschen Reiches. Die noch im Krieg, am 18. Januar 1871 erfolgte Kaiserproklamation im Spiegelsaal des Versailler Schlosses eine „schwere Demütigung“. Nach einer kurzen Ansprache Wilhelm I. verlas Bismarck eine Proklamation, sie schloss mit dem Versprechen des neuen Kaiser „allzeit Mehrer des Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung. Darauf folgte das Hoch des Großherzog Friedrich von Baden mit dem Ruf ausbrachte: „Seine kaiserliche und königliche Majestät, Kaiser Wilhelm, lebe hoch!“ Nach dem Vorfrieden von Versailles vom 24. Februar endete der Deutsch-Französische Krieg mit dem Friedensschluss von Frankfurt am 10. Mai 1871. Bleibt zum Schluss nur anzumerken, dass Kriege zur Nationenbildung beitragen, sie aber auch wieder zerstören können.

Der schon angesprochene Begleitband zur Ausstellung ist ein fundamentales Geschichtswerk mit Texten, Bilder und Karten im DIN A4 Format im Umfang von 432 Seiten und damit ein schweres Kaliber. Was in der Ausstellung alles gezeigt und erklärt wird, ist hier wiedergegeben. Bei einem Aufenthalt in Dresden ist der Besuch des Museums jedem geschichtsinteressierten Bürger, unabhängig von der Sonderausstellung, zu empfehlen.         

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