Sicherheitspolitische Forum Süd des VdRBw

Sicherheitspolitische Forum Süd des VdRBw

Das WIR stärken – das Ich fördern! - Unter diesem Motto stand das Sicherheitspolitische Forum Süd des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) Mitte Juli in Veitshöchheim. 2016 und 2018 noch zentral in Berlin organisiert, hatte die Landesgruppe Bayern die Ausrichtung und die inhaltliche Gestaltung diesmal übernommen.

Helmut Kaltenhauser, Joachim Hanisch, Volkmar Halbleib, Jürgen Gläser, Kerstin Celina, Richard Graupner u. Manfred Ländner v.l. (Foto: Peter E. Uhde)

Oberst d. R Achim Veith, Präsident des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V., bei seinem Vortrag

Von Peter E. Uhde, Medienbeauftragter der GSP

Ausgangspunkt für das Motto ist die seit 2016 existierende Forderung des Verbandes nach Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht in Deutschland. Dieses Thema wird in der Öffentlichkeit entweder gar nicht oder kontrovers, je nach politischer Ausrichtung, diskutiert. Für den Verband mit seinen rund 110.000 Mitgliedern ist es inzwischen ein Schwerpunkt der Sicherheitspolitischen Arbeit geworden, erklärte Oberst d. R Achim Veith, M.d.B., (Foto Hückelheim) in seiner Begrüßung. Der Reservistenverband, Zuwendungsempfänger des Bundes, hat den Auftrag die Betreuung und die Aus- und Fortbildung aller Reservisten zu organisieren. Rund 3.800 sicherheitspolitischen Veranstaltungen werden im Jahr von ehrenamtlichen Mandatsträgern durchgeführt. Das hauptamtliche Verbandspersonal auf Landes-, Bezirks- oder Kreisebene ist unterstützend tätig. Im nächsten Jahr kann der Verband das sechzigjährige Bestehen feiern Das monatlich erscheinende Mitgliedermagazin für Sicherheitspolitik „.loyal“, berichtet über globale, überregionale, regionale und lokale Ereignisse. Der Verband sieht sich als Mittler und als Impulsgeber der gesellschaftlichen Resilienz und will das erwähnte Thema in die Gesellschaft hineintragen. Mit Anmerkungen auf die Situation in Syrien, Krim und die Vorfälle in der Meerenge von Kertsch wurde der Bezug zur Wirklichkeit hergestellt. Benötigt werden der sachliche Dialog, Information und Aufklärung. „Sicherheit gibt es nicht geschenkt“, so Veith. In dem Positionspapier zur Einführung eines allgemeinen Gesellschaftsdienstes hat der Verband seine Ansichten dargelegt. Seine Sorgen verhehlte der Verbandspräsident aber nicht. Für die junge Genration hat Gesellschaft heute eine andere Bedeutung, der Individualismus rangiert weit vor dem Allgemeinwohl. Dass andere Länder auch mit diesem Phänomen zu tun haben, ist bekannt. Frankreich versucht jetzt einen Weg zu gehen, der in seinen Auswirkungen beobachtet werden sollte. Mit dem „Service national universel“ (SNU) wird ein vierwöchiger Dienst für 15 bis 16-jährigen Jungen und Mädchen eingeführt.

In einer ersten Diskussionsrunde waren auf dem Podium vertreten (Foto Kloepping v.l.), Frank Drescher Malteserhilfsdienst, Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Jürgen Gläser, Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis und Christian Faul, Vizepräsident des Verbandes für Politische Bildungsarbeit. Durch die sachlich geführte Debatte um ein „Für oder Wider“ einer allgemeinen Dienstpflicht führte Jürgen Gläser vom Bayerischen Rundfunk. Einig war man sich, dass es dringend notwendig ist, das Thema auf die politische und gesellschaftliche Tagesagenda zu bringen. Ein erster Schritt könnte die Verbesserung der Attraktivität des Bundesfreiwilligendienstes und des Freiwilligen Sozialen Jahres sein. Die Bereitschaft sich ehrenamtlich längerfristig einzubringen, lässt nach, so Hasselfeldt. „Eine Anerkennung des Staates ist der erste Schritt, um auch in der Gesellschaft eine Akzeptanz zu schaffen“, meinte der Vertreter der Malteser. Für Christian Faul ist klar, dass die Debatte jetzt geführt und nicht verschoben werden darf, ad hoc Lösungen gibt es nicht dafür. Modelle müssen erarbeitet und diskutiert werden. Welches sich dann durchsetzen wird, ist nicht vorhersehbar. Hier sollten auch Erfahrungen aus dem Ausland eingeholt werden. „Wir müssen die Resilienz festigen, die sozialen Dienst leistungsfähiger machen und die Integration verbessern.“ Der Verband ist mit vier Bundesministerien (Arbeit, Verteidigung, Gesundheit und Innen) im Gespräch über die Erstellung einer wissenschaftlichen Studie zur Themenproblematik.

Helmut Kaltenhauser, Joachim Hanisch, Volkmar Halbleib, Jürgen Gläser, Kerstin Celina, Richard Graupner u. Manfred Ländner v.l.

Für die zweite Diskussionsrunde hatten die Organisatoren Vertreter der Parteien und Vereinigungen aus dem Bayerischen Landtag auf dem Podium zusammengeführt. Manfred Ländner (CSU) ist gegen einen Pflichtdienst, weil er glaubt, dass dieser sich politisch nicht durchsetzen lässt. Über die Aufhebung der Wehrpflichtaussetzung, so Richard Graupner (AfD), könnte man sich einer allgemeinen Dienstpflicht nähern. Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein Fehler, der nicht rückgängig zu machen ist. Er hält die Durchsetzung einer Dienstpflicht für machbar. Kerstin Celina, (Bündnis 90/Die Grünen) sieht verfassungsrechtliche Gründe für die Durchsetzung. Zudem auch das Problem, bei einer Million Schulabgänger pro Jahr, diese bei der Bundeswehr oder in sozialen Einrichtungen unterzubringen. Die Vertreter der FDP, Helmut Kaltenhauser, und SPD Volkmar Halbleib sehen in ihren Parteien große Skepsis und den falschen Ansatz junge Menschen für einen Dienst am Gemeinwohl zu begeistern. Für die Beantwortung von Fragen der Zuhörer blieb zu wenig Zeit. Christian Faul verwies in seiner Zusammenfassung und den Schlussbemerkungen nochmals auf das Positionspapier des Verbandes hin. Der Landesverband Baden-Württemberg ist für die Ausrichtung des nächsten Sicherheitspolitische Forum Süd 2021 vorgesehen, dessen Vorsitzender Joachim Fallert die Teilnehmer schon einlud.

Peter E. Uhde

 

 

          

 

 

 

Letzte News

  • 03Dec
    Verminte Gräben in der NATO – Brückenbauer sind gefragt

    Wenn es nach der Aussage des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron geht, ist das Nordatlantische Bündnis nicht mehr am Leben. Über seine „Hirntod“ Feststellung wird es sicher kontroversen Gesprächsstoff beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschef am 3./4. Dezember in London geben. Befürchtungen, dass Frankreich die militärische Integration in der beenden wird, gibt es aber nicht. Mitte der sechziger Jahre war das der Fall. Das führte 1966 zur Verlegung des politischen und…

  • 03Dec
    hr-iNFO Aktuell: Ist die Nato noch zu retten?

    70 Jahre. Das ist heutzutage ein rüstiges Alter. Aber trotzdem stellen viele rund um diesen Geburtstag die Frage: Wie lange macht sie es wohl noch, die NATO? Ein Gespräch mit Prof. Johannes Varwick, Politikwissenschaftler an der Uni Halle.

  • 19Nov
    Online-Petition fordert Bundeswehrstärkungsgesetz

    Die FAZ berichtet über die Petition für ein Bundeswehrstärkungsgesetz, bei der auch der Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Erstunterzeichner ist -- und darüber, dass wir noch viel mehr Unterstützung brauchen!

    Zum Bericht der FAZ            Zur Online-Petition für ein Bundeswehrstärkungsgesetz

                                              

  • 18Nov
    5. Bremer Symposium zur Sicherheit - EUropäische Verteidigung 2030

    Die internationale Ordnung ist im Umbruch. Die Europäische Union, selbst in der Krise, steht vor einer Vielzahl gewaltiger Herausforderungen, Risiken und Bedrohungen, auf die sie zeitnah angemessene und glaubwürdige Antworten finden muss.

    Wo Geschlossenheit erforderlich wäre, wachsen die zentrifugalen Kräfte. Es gilt, gemeinsam Strategien zu entwickeln und beschreitbare Wege aus den Krisen und Konflikten zu suchen.

    Welche Rolle will und kann die EU im Umgang mit den dominierenden Mächten USA,…

  • 14Nov
    USA und Türkei: "Schmutziges Lehrstück Realpolitik"

    WDR 5 Morgenecho - Interview. 14.11.2019 - 06.52: "Die Türkei geht dem Westen von der Leine", sagt Politologe Johannes Varwick. Die USA versuche nun mit ihrer Macht, die Situation nicht noch schlimmer werden zu lassen. Wir sollten nicht alles verdammen, nur, weil es von Trump käme.

  • 09Nov
    Varwick: Macrons Nato-Kritik ist kontraproduktiv !

    Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick von der Universität Halle an der Saale und Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. hält eine Stärkung des Transatlantischen Verteidigungsbündnisses ebenfalls für notwendig. Macrons Äußerungen über eine hirntote und unkoordinierte Nato seien da absolut kontraproduktiv gewesen, sagte Varwick im SWR.

    Tatsächlich sei es dem Präsidenten nicht darum gegangen, die Nato-Partner wach zu rütteln, sondern viel mehr die eigene Führungsrolle in…

  • 23Oct
    "Deutschland muss runter von der Zuschauertribüne"

    Die türkischen Militärschläge gegen die nordsyrischen Kurden - bisher Verbündete des Westens - sowie Ankaras Schulterschluss mit Moskau wecken Zweifel an der Nato-Bündnistreue der Türkei. Zugleich sorgt die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit ihrer Idee einer "Sicherheitszone" für Streit. Alessandro Peduto - Freie Presse / CHEMNITZ - sprach darüber mit dem Präsidenten der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, Johannes Varwick.

  • 17Oct
    SWR2-Forum/Planlos in der Krise - Wer stoppt Erdogans Krieg in Syrien?

    GSP-Präsident diskutiert im SWR-Forum das Thema:                         17.10.2019 - 17:05 h
    Planlos in der Krise – Wer stoppt Erdogans Krieg in Syrien?

     Es diskutieren:

    Reinhard Baumgarten, ehem. ARD-Korrespondent für die Türkei
    Kristin Helberg, Nahost-Expertin, Berlin
    Prof. Dr. Johannes Varwick,Politikwissenschaftler, Universität Halle und Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik 

    Gesprächsleitung: Gregor Papsch

    „Wir werden niemals eine Waffenruhe erklären“, sagt Präsident…

  • 17Oct
    Horst Kläuser: Dass ich das mal schreiben würde ...

    von Horst Kläuser                                                                                      

    Die Rat- und Tatenlosigkeit von EU und NATO angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in Syrien ist meines Erachtens auch dem völligen Fehlen eines geostrategischen Verständnisses der führenden Politiker in der Bundesrepublik und der Vernachlässigung unserer Verteidigungsfähigkeit geschuldet.

    Unser Land gefällt sich seit Jahrzehnten darin, eine halb-pazifistische Haltung einzunehmen…

  • 14Oct
    Türkische Syrien-Offensive: „Schwere Krise der intern. Sicherheitspolitik“


    Die Kritik am US-Rückzug und am Einmarsch der Türkei in Nordsyrien sei „etwas wohlfeil“, sagte der Politikwissenschaftler Johannes Varwick im Dlf. Man müsse die türkischen Sicherheitsinteressen ernster nehmen und dürfe die Türkei nicht noch weiter von der NATO und Europa entfernen.
    Johannes Varwick im Gespräch mit Mario Dobovisek

    Hier finden Sie das Interview im Deutschlandfunk vom 14.10.2019