Sektion Berlin

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Mittwoch, 04.09.2019 - 18:30

Der Klimawandel und seine sicherheitspolitischen Folgen

Podiumsdiskussion

Podium:  
Dr. Susanne Dröge – Senior Fellow, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin  
Dr. Kira Vinke – Projektleiterin East Africa Peru India Climate Capabilities, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung  
Achim Schkade – Referatsleiter 404 Klima- und Umwelt-Außenpolitik, Auswärtiges Amt, Berlin

Begrüßung:  
Dr. Michael Schneider - Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund  
Jessica Nies und Philipp Mühl – GSP-Sektion Berlin

Moderation:  
Jessica Nies – GSP-Sektion Berlin


von  Jessica Nies

Der Klimawandel stellt eine der akutesten Gefahren für die globale Sicherheit in der heutigen Zeit dar. Er droht unsere Lebensgrundlage zu zerstören, Regionen unbewohnbar zu machen und Ressourcen auf unvorhersehbare Weise zu verknappen und umzuverteilen. Naturkatastrophen, wie Stürme und Überschwemmungen, tendieren dazu extremer zu werden und treffen Regionen und Volkswirtschaften weltweit.

Am 4. September lud die Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Sektion Berlin in Kooperation mit der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin  zu einer Podiumsdiskussion ein um die sicherheitspolitischen Folgen für Deutschland, aber auch unter dem globalen Aspekt, näher zu beleuchten und mit dem Publikum zu diskutieren.

Zusammen diskutierten Frau Dr. Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Frau Dr. Vinke vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung sowie der Referatsleiter für Klima- und Umweltaußenpolitik im Auswärtigen Amt in Berlin, Herr Schkade zu diesem Thema.

Nach der Begrüßung durch Dr. Michael Schneider – Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Sachsen- Anhalt beim Bund, sowie durch die GSP-Sektion Berlin in Vertretung von Frau Jessica Nies und Herrn Philipp Mühl gaben die Referenten in kurzen Impulsvorträgen Einblicke in ihre Forschungen und ihre Eindrücke aus ihrer internationalen Arbeit.

Frau Dr. Dröge, die sich im Rahmen ihrer Forschungsschwerpunkte mit der deutschen und europäischen Klimapolitik sowie in erneuerbaren und nachhaltigen Wirtschaftssystemen auseinandersetzt, stellte in ihrem Kurzvortrag einen Überblick über die aktuelle Situation des Klimawandels dar und machte deutlich, dass die beiden Begriffe „Klimawandel“ und „Sicherheit“ für die breite Öffentlichkeit keine Verknüpfungspunkte aufweisen würden – hier sei Aufklärung von Nöten um die weitreichende Relevanz des Klimawandels auch im sicherheitspolitischen Bereich begreifbar zu machen.

Auch Frau Dr. Vinke betonte, dass es sich bei den sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels um langfristige Veränderungen handele, die aufgrund ihres langsam fortschreitenden Prozesses von der Öffentlichkeit nicht als akut wahrgenommen werden würden, dadurch aber nicht an Brisanz und Gefahr verlieren würden.

Zuletzt  schilderte Herr Schkade aus seinen Erfahrungen als Botschafter den  Umgang mit dem Klimawandel und daraus resultierenden Problemen im Ausland. Deutschland werde, seiner Meinung nach, als wichtiger Akteur wahrgenommen – allerdings müssten insbesondere Schwellenländer wie Indien oder aber auch industriell  intensiv agierende Staaten wie China unterstützt werden sich mit einem alternativen und nachhaltigeren Umgang im Hinblick auf Ressourcen auseinanderzusetzen.

Die Referenten betonten die Multidimensionalität der Gefahren, die vom den Klimawandel ausgehe. Neue Migrationsbewegungen würden die aktuellen Zahlen bei weitem übersteigen und durch Lebensmittelknappheit, verdorrtes Weideland und Wetterextreme zu politischer Instabilität führen. Ressourcenverknappung und -umverteilung, etwa in Flussgebieten wie Bangladesch, bergen ein erhebliches Potential hinsichtlich zwischen- als auch innerstaatliche Konflikte und bereits fragile Regionen und Staaten könnten destabilisiert werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation von Jessica Nies gingen die Podiumsteilnehmer dann näher auf ihre vorgebrachten Punkte ein. Dabei wurde erörtert, dass Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft bisher nur unbefriedigende Konzepte zur Bekämpfung der sicherheitspolitischen Folgen für die Menschen bereitgestellt habe.

Die globale Dimension des Klimawandels erfordere weitreichende, diplomatische Lösungen, die nur Schritt für Schritt zu erreichen seien. Trotz der allumfassenden Gefahr, seien die Problemfelder komplex und erforderten oftmals weitreichende bilaterale Kooperationen zwischen und innerhalb von Staaten.

Gleichzeitig werde das Problem von der Politik zwar wahrgenommen, allerdings nur zögerliche Schritte hin zu ganzheitlichen Lösungskonzepten getätigt. Herr Schkade vom Auswärtigen Amt betonte in diesem Zusammenhang die Bemühungen der Regierung, alle Politikfelder zu koordinieren, um eine einheitliche und kohärente Klima- und Sicherheitspolitik mit Blick auf den Klimawandel zu erreichen. Die Abwägung sämtlicher Primär- und Sekundärinteressen sei dabei aber kompliziert.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde die Runde  für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Besonders der Umgang in Deutschland auf politischer Ebene mit den möglichen Konsequenzen des Klimawandels wurde hierbei in Fragen an die Podiumsgäste näher beleuchtet.

Beim sich anschließenden Empfang fand ein reger und intensiver Austausch mit Gästen der Veranstaltung und den Referenten statt.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei unseren Referenten, der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin und allen interessierten Gästen bedanken.