Sektion Bonn

Sektion Bonn

Donnerstag, 29.10.2020 - 19:00

Militärische Relevanz von Fake News und Propaganda

Immer häufiger nutzen staatliche, nichtstaatlich und zivile Organisationen Cyberangriffe, Propaganda und Desinformation zur strategischen Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Dieses gezielte Einwirken auf gesellschaftliche Diskurse kann als ein Aspekt der hybriden Kriegsführung gewertet werden. Die zunehmende hybride Bedrohung hat bereits das vom Bundeskabinett verabschiedete Weißbuch 2016 als eine zukünftige zentrale sicherheitspolitische Herausforderung prominent aufgegriffen. Inwiefern sind diese Aspekte für die Aufgaben der Bundeswehr von Relevanz?
Vortrag mit begrenzter Teilnehmerzahl + Videokonferenz
Referent: Oberst Harald Belz , Kommando Cyber- und Informationsraum, Abteilung Planung
Organisator: Oberst Richard Rohde , Sektionsleiter GSP-Sektion Bonn bonn@gsp-sipo.de
Walhallstraße 17, 51107 Köln  Tel. 0151 15567401

Oberst Harald Belz


v.l.n.r. Jakob Ortschig (Moderator Junge GSP), Roland Heckenlauer (stvSL Bonn), O Harald Belz (Vortragender), Christiane Heidbrink (Junge GSP), Richard Rohde (SL Bonn)


Oberst Harald Belz vom „Kommando Cyber- und Informationsraum“ trug zu ausgewählten Aspekten der militärischen Relevanz von Fake News und Propaganda vor. Diese Veranstaltung setzte die Reihe von Vorträgen und Diskussionen zum Thema „Cyber“ fort.

Rund 20 Zuhörer vor Ort sowie 60+ per ZOOM verfolgten einen lebhaft und anschaulich dargebrachten Vortrag, der nicht nur für Fachleute, sondern auch für Laien interessant und verständlich war.

Als gemeinsamer Abholpunkt wurde an historischen und aktuellen Beispielen die Dynamik und Relevanz von „fake news“  -  der gezielten Manipulation von Meinung – herausgearbeitet und die weltweite Bedrohung der freien Meinungsäußerung durch staatliche und nicht-staatliche Organisationen hervorgehoben. Insbesondere die massive und häufig unkritische, leichtsinnige Nutzung digitaler Medien macht die Verbreitung und Akzeptanz falscher Informationen einfach. Ursache ist hierfür mangelnde Medienkompetenz, also die fehlende Fähigkeit, mediale Botschaften zu bewerten und entsprechend zu handeln. Die Grenzen staatlicher Einflussnahme sind dabei durch das Spannungsfeld „Meinungsfreiheit versus Schutz der Bürger vor Fehlinformation“ beschrieben.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Oberst Belz auf die militärische Dimension der bereits heute laufenden digitalen Herausforderung einer modernen Gesellschaft und deren Verwundbarkeit ein. In der Cyber-Auseinandersetzung geht es um die hybride Bedrohung des Staates unterhalb eines bewaffneten Konflikts – nicht mehr die Besetzung eines Landes, sondern das Gewinnen der Informations- und Deutungshoheit ist das Ziel. Die Prozesse hierbei sind gekennzeichnet durch hohe Komplexität und große Dynamik. Aber auch durch Unsicherheit über den tatsächlichen Opponenten: ist ein Cyber-Angriff einer staatlichen Organisation oder privaten Hackern zuzuordnen?

Mit der Feststellung, dass die Bundeswehr auf diesem Gebiet eine Fähigkeitslücke habe, leitete Oberst Belz zum letzten Abschnitt seines Vortrages über: den Herausforderungen für die Zukunft. Dabei geht es nicht nur um individuelle Ansätze zum Schutz des einzelnen Soldaten vor digitalen Angriffen im Rahmen von Steigerung der Verhaltenssicherheit, sondern auch um strukturelle und technische Ansätze für die Streitkräfte insgesamt. Im Rahmen von CD&E gilt es die Prognosefähigkeit und kognitive Resilienz der Bundeswehr zu steigern und damit zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge beizutragen. Er verwies zudem auf Aktivitäten und Anstrengungen anderer nationaler Stellen wie der Bundeszentrale für Digitale Aufklärung sowie der NATO und EU.

In der anschließenden Diskussion wurden in verschiedenen Beiträgen erneut die Bedeutung von Medienkompetenz, d.h. die Ausbildung hierzu und die damit verbundene persönliche Resilienz, aber auch die Entwicklung entsprechender staatlicher Strukturen und Verfahren beleuchtet. Mit dem Hinweis auf eine klare Aufgabenabgrenzung zwischen den Organen der Inneren Sicherheit und der Bundeswehr auf dem Gebiet der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge bei digitalen Angriffen (z.B. Wahlmanipulation) wurde die Aussprache beendet.

Oberst Belz hat den Zuhörern ein äußert komplexes Thema dynamisch, kurzweilig und allgemeinverständlich dargebracht und damit Einsicht in die Herausforderungen an den Einzelnen und die Gesellschaft gegeben.

Der Vortrag ist als pdf-Datei beigefügt. Ergänzend wurde ein Kurzfilm zu den Fähigkeiten Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR) eingestellt.

Text: Joachim Schulz, Pressebeauftragter GSP Bonn