Sektion Delmenhorst

Sektion Delmenhorst

Mittwoch, 28.08.2019 - 19:30

Künstliche Intelligenz - Stand der Forschung und der praktischen Anwendung mit Folgen für Bürger und Bürgerinnen

Vortrag und Diskussion
Referent: Prof. Dr. Dieter Hutter , stv. Leiter von Cyber-Physical Systems im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Geboren 1959 in Heilbronn, studierte Dieter Hutter an der Universität Karlsruhe mit Diplom in 1983, wo er dann in 1991 im Bereich der Automatisierung mathematischer Beweise auch promovierte. Danach wechselte er zunächst an die Universität des Saarlandes und dort 1993 weiter an das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, wo er besonders der Frage nachging, wie sich Programme automatisch auf Korrektheit überprüfen lassen. Später befasste er sich auch mit deren Korrektheit und der IT-Sicherheit. In 2008 wechselte er nach Bremen, um Stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Cyber-Physikalische Systeme und Honorarprofessor an der Universität dort zu werden. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt seither in den Bereichen Sicherheit, formale Methoden sowie im Change Management. Dabei engagiert er sich u.a. in der „Gesellschaft für Informatik“ und in mehreren Editorial Boards, wie er auch zahlreiche Workshops und Konferenzen organisiert und Vorlesungen an der Universität Bremen hält.

Ort: "Oase Haus Adelheide" (Soldatenheim), (vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne), - Abernettistraße 43 , 27755 Delmenhorst
Organisator: Herr Oberstleutnant a.D. Rolf Dieter Wienand , Sektionsleiter delmenhorst@gsp-sipo.de
Donnermoor 48, 27777 Ganderkesee  04222 / 950221

von links: Wienand, Prof Dr. Dieter Hutter, Mauritz

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 28. August haben wir unseren fünften Vortragsabend im Jahr 2019 veranstaltet, der demThema „Künstliche Intelligenz –  Stand der Forschung und der praktischen Anwendung und ihre Folgen“ gewidmet war. Veranstaltungsort war, wie gewohnt, der Vortragssaal des Soldatenheims "Oase Haus Adelheide".
Mit 64 Teilnehmern hatten wir eine eher erfreuliche Anzahl an interessierten Vortragsgästen; trotz gewittrigen Sommerwetters mit extremem Starkregen.  

Der Berichterstattung in der Delmenhorster Presse konnten wir diesmal nur zwei Veranstaltungshinweise im Delmenhorster Kreisblatt entnehmen. Am Vortragsabend selbst haben wir (nach gepflegter Gewohnheit) abermals keinen redaktionsseitig entsandten Zeitungs-Beichterstatter wahrnehmen können. Dementsprechend kann in der hiesigen Presse darüber auch nicht berichtet werden. 

Das Thema ist seit geraumer Zeit aktuell und hat mit der Entsendung eines menschenähnlich aussehenden Roboters zur ISS in diesen Tagen eine neue mediale Bedeutung erlangt.
Mit Herrn Prof. Dr. Dieter Hutter aus Bremen hatten wir dazu einen überaus kompetenten Referenten, der sich mit der Thematik künstlicher Intelligenz schon viele Jahre wissenschaftlich befasst. In einer verständlichen Sprache bot er den Anwesenden ein reiches Informationspaket zur geschichtlichen Entwicklung intelligent funktionierender Systeme und deren heutzutage bereits möglichen Anwendungen, wie er auch einen Ausblick auf künftige Entwicklungen und sich damit ergebender Lebensveränderungen bot.
Wenn auch manche Vortragsgäste seinen Ausführungen nicht durchgehend folgen konnten, waren sie dennoch von den gebotenen Informationen beeindruckt.
Von Professor Hutter angesprochene Sicherheitsaspekte wurden von Diskutanten aufgegriffen und dominierten thematisch die Diskussion. Auch bei den Antworten überzeugte der Referent mit seiner überragenden Kompetenz.

Eigenbericht der Sektion Delmenhorst zum Vortrag vom 28.08.19 „Künstliche Intelligenz ….“

von Rolf Dieter Wienand

Wie intelligent ist „Künstliche Intelligenz“ wirklich?

Wird der Mensch in der Zukunft von Robotern beherrscht? Was ist „Deep Learning“? Wo ist Künstliche Intelligenz „schwach“ und wo „stark“? Geht das autonome Fahren wirklich?

Diese und noch mehr Fragen bewegten die 64 Zuhörer beim Vortrag „Künstliche Intelligenz – Stand der Forschung und praktischen Anwendung“ am 28.08.19 im Delmenhorster „Haus Adelheide“. Eingeladen hatten in geübter Kooperation der Standortälteste der Bundeswehr und die Delmenhorster Sektion der GSP, wie immer unterstützt vom örtlichen VdRBw. Referent war Prof Dr. Dieter Hutter, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Cyber-Physikalische Systeme in Bremen. Er gehört dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken an.

HAL, Commander Data, I Robot heißen die Science Fiction - Roboter, welche die ersten Vorstellungen zu „Künstlicher Intelligenz“ (KI) aus dem Jahr 1956 künstlerisch umsetzten. Prof Hutter vermittelte die damalige Vorstellung, dass jede Form von Lernen und Intelligenz so präzise beschrieben werden könne, dass Maschinen dieses nachmachen könnten. Die Vorstellung, das Gehirn sei nichts weiter als eine Maschine aus Fleisch und könne demzufolge nachgebaut werden, war Antriebsfeder für die Forschung. Die folgende Ernüchterung war absehbar, obwohl sich eine Menge getan hat. Gedankenexperimente wie „Das Chinesische Zimmer“ (selber googeln bitte!) weisen nach, dass der „künstliche Mensch“ Fiktion bleiben wird.

Zwar schlagen Schach- oder Go-Programme heute die menschlichen Weltmeister. Aber nur für dieses eine Problem sind die Maschinen gebaut, ein weiteres können sie nicht lösen. Ist das schon Intelligenz? Ja, so Hutter, denn die sogenannte „schwache“ Intelligenz löst Fragen, die intelligentes Verhalten, wenigstens das der Programmierer, erfordern. „Internet der Dinge“, Smart Home, „Industrie 4.0“, Spracherkennung, Suchmaschinen und Roboter in der Chirurgie sind Beispiele für immer wichtiger werdende Anwendungsbereiche. Voraussetzung ist aber, dass riesige Rechnerleistungen und Datenmengen für das „Training“ bereit stehen. Die Programme sind so komplex, dass zu ihrer Erarbeitung eigene Programme nötig sind und zu ihrer praktischen Umsetzung wieder andere Programme. Sie sind nur scheinbar „intelligent“, auch die für „E-Sport“, der für Aufregung sorgt.

Werden die Maschinen mit Hilfe von „Deep Learning“ und „starker“ KI „intelligenter“ und damit menschenähnlicher?

Anhand teils videogestützt vorgestellter Beispiele wurde die grundsätzliche Herausforderung deutlich, zu sicheren und damit „intelligenten“ Ergebnissen zu kommen – leichte Manipulationen der Daten genügen für den Misserfolg. Nachgebaute neuronale Netze, Beschreibungslogiken und Interpretation von Fakten mittels logischer Schlussregeln sollen helfen, den Maschinen eigenes Lernen zu ermöglichen.

Beispiel: Vögel können fliegen. Logische Folgerung: Fritz ist ein Vogel und kann daher fliegen? Leider nein, denn er ist ein Pinguin. Hier ist die Beschreibungslogik  fehlerhaft.
Die Möglichkeiten der KI werden überschätzt; auch in 2050 werden Maschinen nicht alle Macht übernehmen.
Nebenbei: die Bremer Uni ist mehrfacher Fußballweltmeister mit ihren Robotermannschaften.

In der abschließenden Fragerunde ging es im Wesentlichen um Fragen der Sicherheit sowohl vor der KI als auch in deren Anwendung. So ist die Erwartung auf im heutigen Verkehrsgewühl selbst fahrende Autos verfrüht. Auch ethische Fragen wie zum Beispiel. das chinesische Vorhaben, die Bevölkerung jederzeit entsprechend ihres per KI festgestellten Verhaltens mit Bonus und Malus zu sanktionieren, oder die nach den sich selbst organisierenden Schwärmen von autonomen Kampf-Drohnen wurden gestellt. Prof Hutter antwortete sowohl als Wissenschaftler als auch als betroffener Bürger detailliert und Zustimmung auslösend. Der Schlussbeifall war anhaltend und kräftig.

Am Ende der Veranstaltung, die der Sektionsleiter wegen fortgeschrittener Zeit abgebrechen musste, spendeten die Vortragsgäste Herrn Professor Hutter einen lang anhaltenden und kräftigen Applaus.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Dieter Wienand
-----------------------------------------------------------

GSP-Sektion Delmenhorst
Sektionsleiter Rolf Dieter Wienand