Sektion Goslar

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Montag, 19.10.2020 - 15:45

KRIEG UND FRIEDEN • DIE WELT UND DER HARZ ALS SCHAUPLATZ MILITÄRISCHER KONFLIKTE

19. - 23.10.2020 Bildungsurlaub Internationales Haus Sonnenberg in Kooperation mit der GSP-Sektion Goslar

Bildungsurlaub für alle Menschen, die mehr über die Verwicklung des Harzes in historische militärische Konflikte wissen wollen. Besonders der Zweite Weltkrieg hinterließ schreckliche Spuren durch die Rüstungsproduktion des NS-Regimes. Aber auch in früheren militärischen Konflikten war der Harz aufgrund seiner spezifischen Lage in Mitteleuropa häufig Schauplatz von Krieg.

Kursleitung:
Claus Jähner, Erster Kreisrat a.D., GSP-Sektion Goslar; Clemens Wirries, M.A., Historiker, IHS

SEMINARBESCHREIBUNG

Wir leben in einer friedlichen Zeit. Der Satz mag zunächst als gewagte These erscheinen, wenn man an die Reideologisierung der Innen- und Weltpolitik der letzten Jahre denkt. Denn die Anzahl der Kriege mit schrecklichen Opferzahlen, die es früher permanent in der Menschheitsgeschichte gegeben hat, sinkt seit Jahren. Früher aber waren Europa und besonders auch der Harz, zentral auf dem Kontinent gelegen, bereits in der Frühzeit Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Religiöse, wirtschaftliche und soziale Konflikte, die letzten Endes zu
neuen Staats- und Gesellschaftsbildungsprozessen führten, kamen nicht ohne Krieg aus. Der Bauernkrieg der Reformationszeit tobte im Harz und im Harzvorland, der Dänisch-niedersächsische Krieg, ein zentraler Bestandteil des Dreißigjährigen Krieges wurde bei Lutter am Barenberge entschieden.

Von den Opfern, die der Erste Weltkrieg forderte, zeugen noch heute viele Denkmäler. Aus derselben Zeit stammt auch das Denkmal für das Wirken des „Afrikaforschers“ Herrmann von Wissmann in Bad Lauterberg, der im heutigen Tansania in Wahrheit einen grausamen Kolonialkrieg führte. Im Zweiten Weltkrieg war der Harz ein Zentrum der geheimen Rüstungsproduktion des NS-Regimes, bspw. das KZ Dora-Mittelbau bei Nordhausen und das „Werk Tanne“ bei Zellerfeld. Nach 1945 zeugen die militärischen Sperranlagen und Abhöranlagen beiderseits der deutsch-deutschen Grenze von der Abschottung im Kalten Krieg.

Sowohl durch eine ausführliche Beschäftigung mit den historisch-politischen Kontexten als auch durch PKW-Exkursionen im Umland soll ein Bewusstsein für den Themenkomplex „Krieg und Frieden“ erzeugt werden.

Das detaillierte Programm, die Preise, die Anmeldemodalitäten und die Anfahrtsskizze entnehmen Sie bitte der Einladung (download)


Am Denkmal von Hermann Wilhelm Leopold Ludwig Wissmann (seit 1890 von Wissmann); deutscher Afrikaforscher, Offizier und Kolonialbeamter.


Der Harz als Schauplatz militärischer Konflikte

von Claus Jähner, Sektionsleiter GSP-Sektion Goslar

Ein besonderes Bildungsurlaubsangebot machte die GSP Sektion Goslar vom 19. bis 23. Oktober in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Haus Sonnenberg, Heimvolkshochschule und Europahaus in St. Andreasberg:
Nachgegangen wurde der Verwicklung des Harzes in militärische Konflikte seit der Antike (Schlacht am Harzhorn) über den Bauernkrieg in Thüringen und im heutigen Sachsen-Anhalt, den Dänisch-Niedersächsischen Krieg als Teil des 30jährigen Krieges (Schlacht bei Lutter am Barenberge) bis in die Neuzeit.
In seinen Grundzügen konzipiert war dieses Seminar vom Leiter der GSP Sektion Goslar, Claus Jähner. Referenten waren Prof. Thomas Klingebiel, Göttingen, Dr. Friedhart Knolle, Spurensuche Harzregion e.V., Clemens Wirries, Bildungsreferent im IHS und Jähner selbst.
Zum Konzept  gehörte es, dass etliche Exkursionen mit Referaten vor Ort verbunden wurden. So fuhren die Teilnehmenden zu Werner Tübkes Bauernkriegspanorama nach Bad Frankenhausen, zum Kyffhäuser-Denkmal, zu den Ehrenfriedhöfen Oderbrück und Werk Tanne, zum Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik Werk Tanne selbst und zum Wissmann-Denkmal nach Bad Lauterberg.
Am Denkmal für den Kolonialherren Wissmann in Bad Lauterberg zeigte sich besonders, wie aktuell historische Ereignisse sein können. Die seit mehr als 100 Jahren im Südharz stattfindende unkritische Verherrlichung des früheren Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika und der hinhaltende Widerstand der Kommunalpolitik vor Ort gegen eine Korrektur dieser Sichtweise machten die Seminarteilnehmer doch sehr betroffen.
Ein gelungenes Format zur politischen Bildung, gerade auch in Zeiten der Pandemie, das Wiederholung finden soll.