Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Montag, 19.10.2020 - 19:30

Aktuelle Herausforderungen beim Wirtschaftsschutz

Gefahren für Wirtschaft und Wissenschaft aus nachrichtendienstlicher Sicht

Fremde Staaten versuchen mit Hochdruck in Wirtschaft und Wissenschaft wettbewerbsfähig zu werden. Zum Teil setzen sie dazu ihre Nachrichtendienste ein. Diese arbeiten mit ganz neuen Methoden, nicht nur digital, sondern auch in der Wahl der Mittel. Diese Gefahren zu detektieren ist eine Herausforderung, der sich das Bundesamt für Verfassungsschutz mit innovativen Ansätzen stellt. Welche Rolle Wirtschaft und Wissenschaft hierbei spielen, darum geht es u.a. in diesem Vortrag.
Webinar

Herr Dr. Trapp leitet seit 2018 das Referat Prävention in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Nach dem rechts-wissenschaftlichen Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und Tätigkeiten in einer großen Wirtschaftskanzlei folgte nach der Promotion und dem zweiten Staatsexamen die Tätigkeit als Dozent am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio.

 

Referent: Dr. Trapp , BAVerfSchutz

Herr Dr. Trapp leitet seit 2018 das Referat Prävention in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Nach dem rechts-wissenschaftlichen Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und Tätigkeiten in einer großen Wirtschaftskanzlei folgte nach der Promotion und dem zweiten Staatsexamen die Tätigkeit als Dozent am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio.

Ort: Hotel Krupp - Poststraße 4 , 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler

(von links): Oberst a.D. Schmidhofer; Dr. Trapp


Aktuelle Herausforderungen beim Wirtschaftsschutz

Die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) hat dieses Thema in den Mittelpunkt ihrer Veranstaltung am Montag, 19. Oktober 2020, gestellt. Auf Grund der Einschränkungen durch die CORONA-Pandemie, musste der Vortrag wiederum als Hybridveranstaltung durchgeführt werden. Im Hotel Krupp nahmen 26 Personen an der Präsenzveranstaltung teil, weitere Interessenten nutzten den heimischen Computer, um den Ausführungen zu folgen.

Als Referent konnte Herr Dr. Dan Bastian Trapp, Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz, gewonnen werden. Mancher Zuhörer hat sich im Vorfeld sicher die Frage gestellt: „Was hat die Gesellschaft für Sicherheitspolitik mit dem Thema Wirtschaftsschutz zu tun?“

Dr. Trapp machte sehr schnell deutlich, dass Sicherheit des Staates und Sicherheit der Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung sehr eng miteinander verbunden sind. An Beispielen zeigte er, wie intensiv Staaten und ihre Geheimdienste insbesondere aus der östlichen Hemisphäre versuchen an neuartige Entwicklungen und Forschungsprojekte heranzukommen, die für die eigene Wirtschaft entscheidende Impulse geben können. Die altbekannte Form, insbesondere attraktive weibliche Agentinnen zielgerichtet auf herausragende Spezialisten und Wissenschaftler anzusetzen, verliert in der Neuzeit immer mehr an Bedeutung.

Im Zuge der Globalisierung kommt es insbesondere bei großen weltweit agierenden Konzernen zu einer immer stärkeren Arbeitsteilung und Auslagerung von Arbeitsprozessen und Forschungsvorhaben weltumspannend. Diesem Trend kann und will heute kein großes Unternehmen mehr ausweichen. Nationale Interessen, einschließlich sicherheitsrelevanter Fragen, werden dabei oft den wirtschaftlichen untergeordnet. Diese Entwicklung birgt natürlich immer die Gefahr in sich, dass Informationen aus gemeinsamen Projekten auf legalem Wege auch an Stellen gelangen, die diese dann zum eigenen Vorteil (politisch und/oder wirtschaftlich) ausnutzen können.

Der Referent warf an dieser Stelle die Frage auf, wie kann man dieser Entwicklung begegnen, ohne generell eine gemeinsame wissenschaftliche Tätigkeit und Zusammenarbeit zu behindern? Diese Herausforderung ist nur zu bewältigen, indem gemeinsam mit den Firmen eine praktikable Sicherheitsstruktur gestaltet wird. Große, weltweit operierende Unternehmen haben dazu mit ihren eigenen Sicherheitsabteilungen über Jahre bereits entsprechende Strategien entwickelt. Schwieriger ist das jedoch für mittelständische und kleinere Firmen, die keine eigene Sicherheitskomponente unterhalten können. Hier kommt es darauf an, vorhandene Institutionen und Strukturen zu nutzen. Als Beispiel wurde dabei die Frage der IT-Sicherheit angeführt. Ohne Internet sind moderne Geschäftsprozesse nicht mehr denkbar. Aber die Beispiele der letzten Jahre zeigen, dass gerade Lücken in diesem Bereich verheerende Auswirkungen haben können bis zum Ausfall ganzer medizinischer Einrichtungen.

Dr. Trapp machte abschließend deutlich, dass es immer schwieriger wird, Angriffe auf die Wirtschaft zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Im Jahre 2019 dauerte es nach Auswertung entsprechender Vorfälle ca. 170 Tage vom Beginn eines Angriffes bis zum Erkennen und einer Gegenreaktion. Deshalb gewinnt die präventive Einschätzung von Gefahren für den eigenen Bereich eine immer größere Bedeutung: Welche Informationen sind für andere besonders von Bedeutung, und wie kann ich dort einen zuverlässigen Schutz gewährleisten. Ausländische Geheimdienste betreiben keine allumfassende Wirtschaftsspionage mehr, sondern konzentrieren sich auf solche Bereiche, für die sie im eigenen Land Nachholbedarf sehen. Das heißt, Deutschland muss seine Anstrengungen auf die Bereiche konzentrieren, wo es technologisch führend ist.

Die abschließende Diskussion zeigte, dass das Thema Wirtschaftsschutz auch für sicherheitspolitische Überlegungen von Bedeutung ist. Die Bundeswehr erhält ihre Ausrüstung von einer Vielzahl von Firmen, die sicher auch für andere Staaten und deren Geheimdienste ein lohnendes Ziel darstellen.

Dr. Trapp ist es gelungen, auf anschauliche Art die Bedeutung eines zuverlässigen Wirtschaftsschutzes für einen modernen Industriestaat wie Deutschland verständlich zu machen und gleichzeitig die Verbindung zur Sicherheitspolitik herzustellen.  

Foto: Brigitte Schmidhofer / Text: Klaus Kretzschmar   

Einzelheiten zum Vortrag entnehmen Sie bitte beigefügtem Presseartikel der Rheinzeitung vom 2. November 2020.