Sektion Saar

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Donnerstag, 20.06.2024 - 19:00

Taiwan im geostrategischen Spannungsfeld des Indo-Pazifik (auch über ZOOM)

Seit 2014 entwickelt die Volksrepublik (VR) China unter Xi Jinping eigene Vorstellungen einer Neuordnung des regionalen Sicherheitssystems und setzt diese zumindest teilweise um. Diesem Konzept lag die
zunehmende Militarisierung des Südchinesischen Meeres zugrunde sowie die Bildung weiterer Sicherheitspartnerschaften. Xi Jinping bezeichnete die US-geführten Militärallianzen als Relikt des Kalten Krieges, forderte eine regionale Sicherheitsarchitektur »von Asiaten für Asiaten«.
Als strategischer Gegenentwurf zu einer chinesisch dominierten Neuordnung der Region zählt das Konzept Freier und offener Indo-Pazifik, welches das Konstrukt Asien-Pazifik sukzessive abgelöst hat. Neben den USA hat eine ganze Reihe von Akteuren in den letzten Jahren eine eigene Indo-Pazifik-Strategie entwickelt. Zu ihnen zählen regionale Akteure wie Indien, Australien, aber auch die EU und manche ihrer Mitgliedstaaten wie Frankreich, Deutschland oder die Niederlande. China hingegen versteht das Konzept Indo-Pazifik als gegen sich gerichtete Eindämmungsstrategie unter Führung der USA und steht dem ablehnend gegenüber.
Die Entwicklung der regionalen Sicherheitsarchitektur im Indo-Pazifik ist deshalb von hoher Relevanz,
weil die Region einige sicherheitspolitische Schwerpunkte aufweist. Dies sind u.a. die maritime Auseinandersetzung zwischen Anrainerstaaten des Südchinesischen und des Ostchinesischen Meeres, der Taiwan-Konflikt oder auch der indisch-chinesische Grenzkonflikt. Eine Destabilisierung der Region hätte unmittelbare negative Auswirkungen auf deutsche und europäische Interessen u.a. wenn dadurch die Handelsströme auf bedeutenden Handelsrouten beeinträchtigt und die Lieferketten beeinträchtigt oder gar unterbrochen würden. Aus diesen Gründen sieht die Bundesregierung in ihren Leitlinien zum Indo-Pazifik unter anderem ein stärkeres sicherheitspolitisches Engagement vor, so auch die EU in ihrer Indo-Pazifik-Strategie.
Um künftig mehr europäisches Engagement in der Region zu ermöglichen, muss sich deutsche und europäische Sicherheitspolitik jedoch zuvorderst mit den im Wandel begriffenen regionalen Gegebenheiten auseinandersetzen.
Mit Herrn Prof. Jyh Wey SHIEH, dem Repräsentanten von Taiwan, Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, konnte ich einen exzellenten Experten gewinnen, der aus der Sicht von Taiwan die Entwicklungen im Indo-Pazifik und die Auswirkungen für das demokratische Taiwan insbesondere nach der kürzlichen Wahl auf der Insel präsentieren kann.
Vortrag und Diskussion
Referent: Prof. Dr. Jhy Wey SHIEH , Repräsentant von Taiwan, Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland
Ort: Intercity Hotel Saarbrücken -
Organisator: Herr Detlef W. Karioth , Leitender Polizeidirektor a.D.

v.l.n.r.: OLT d.R. Karsten Wurzer, Vorsitzender Reservistenverband der Bundeswehr, Landesgruppe Saarland, Detlef W. Karioth, GSP-Sektionsleiter Saar, Prof. Jyh Wey SHIEH, Dr. Horst Dörrenbächer, Regionalleiter DAG Saarland


v.l.n.r.; Detlef W. Karioth, GSP-Sektionsleiter Saar, Dorota Bernat, Schülerin und Jugendbotschafterin im EU Parlament, Prof. Jyh Wey SHIEH


v.l.n.r.: Prof. Jyh Wey SHIEH beim Vortrag


Prof. Jyh Wey SHIEH und Detlef W. Karioth, GSP-Sektionsleiter Saar


Prof. Jyh Wey SHIEH


Bericht zur Veranstaltung

Prof. Jyh Wey SHIEH, der Repräsentant von Taiwan, Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland stellte am Donnerstag Abend in Saarbrücken aus der Sicht von Taiwan die historischen Entwicklungen in China und Taiwan aber auch im Indo-Pazifik dar. Er erläuterte in eindrucksvoller Weise vor einem großen Zuhörerkreis die politischen Intentionen Chinas im Indopazifik und die Auswirkungen der chinesischen Hegemonialstrategie für das demokratische Taiwan aber auch für den Welthandel und die internationalen Lieferketten. Shieh warb für die Unterstützung der Demokratie Taiwans, ist sich sicher, dass die Nachbarstaaten im Indo-Pazifik die Aktivitäten Chinas intensiv verfolgen. Es braucht aber auch europäische und deutsche Unterstützung, weniger im militärischen als im politischen Sinne. Am Beispiel des 400 Meter langen Containerschiffs «Ever Given»der taiwanischen Reederei Evergreen , das am 21.03.2021 im Suezkanal auf Grund gelaufen, war, verdeutlichte er beispielhaft die Auswirkungen der chinesischen Machtpolitik auf die internationalen Handelsströme - und Wege sowie die internationalen Lieferketten.

Prof. Shieh, der auch Germanist und neuerer Literaturwissenschaftler ist, überzeugte durch eine Vielzahl von Zitaten deutscher Literatur zur greifbaren Verdeutlichung politischer Handlungsschemen im Indo-Pazifik.

Besonders hat mich die Teilnahme von Dorota Bernat gefreut, die als Schülerin der 11. Klasse des Rotenbühl- Gymnasium in Saarbrücken bereits Junior Botschafterin im Europäischen Parlament ist. Sie repräsentiert junge Menschen mit Interesse an der internationalen Sicherheitspolitik.

Die Volksrepublik (VR) China unter Xi Jinping hat eigene Vorstellungen einer Neuordnung des regionalen Sicherheitssystems und setzt diese zumindest teilweise unter zunehmender Militarisierung des Südchinesischen Meeres um. Er fordert eine regionale Sicherheitsarchitektur »von Asiaten für Asiaten«.

China und Russland streben eine geopolitische und geoökonomische Neuverteilung der Macht in der Welt“ an.

Eine Destabilisierung der Region hätte unmittelbare negative Auswirkungen auf deutsche und europäische Interessen u.a. wenn dadurch die Handelsströme auf bedeutenden Handelsrouten beeinträchtigt und die Lieferketten beeinträchtigt oder gar unterbrochen würden.

Der Petitionsausschuss des Dt.BT hat sich in einer Empfehlung 2021 für eine Intensivierung des Austausches, eine verstärkte Kooperation zwischen Deutschland und Taiwan, eine Neubewertung der außenpolitischen Position der Bundesregierung, verbunden mit der Frage der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zu Taiwan sowie die Frage der grundlegenden Anerkennung Taiwans als souveräner Staat, ausgesprochen.

Mit freundlichen Grüßen / With best regards

Detlef W. Karioth
Leitender Polizeidirektor a.D./Police Commissioner (ret.)

Leiter der GSP-Sektion Saar


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