Sektion Ulm

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Montag, 08.07.2019 - 19:00

Auf einmal war die Grenze offen – der Mauerfall vor 30 Jahren aus Sicht eines Oppositionellen in der DDR

„Die Mauer ... wird in fünfzig und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben", erklärt Erich Honecker noch Ende Januar 1989. Tatsächlich erscheint die DDR den meisten Zeitgenossen zu dieser Zeit stabil, obwohl das aufziehende wirtschaftliche Desaster am Zustand der Industrieanlagen, der Bausubstanz der Altstädte, der Straßen sowie der Luft- und Wasserverschmutzung erkennbar wird. Zehn Monate später, nach zahlreichen (Montags-) Demonstrationen in mehreren Städten der DDR, verliest am Abend des 09. November 1989 der Sprecher des SED-Zentralkomitees, Günter Schabowski, eine Pressemitteilung für die „vorübergehende“ Reiseregelung. Ab 19.05 Uhr verbreitet die westdeutsche Presse, dass die DDR-Grenze offen sei. Wie es aber überhaupt dazu kam, wird der ehemalige Pfarrer und Bürgerrechtler Rainer Eppelmann als Zeitzeuge eindrucksvoll vortragen.
Vortrag und Diskussion
Referent: Rainer Eppelmann , Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin

Rainer Eppelmann (* 12. Februar 1943 in Berlin) ist ein deutscher evangelischer Pfarrer, Bürgerrechtler und früherer DA- bzw. CDU-Politiker. Nachdem er innerhalb der DDR Bekanntheit als Oppositioneller erlangt hatte, war er 1990 Minister für Abrüstung und Verteidigung in der letzten DDR-Regierung. Seit 1998 ist er Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

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Ort: Bürgersaal - Im Mittelbühl 25 , 89160 Dornstadt
Organisator: Oberstleutnant a.D. Wolfgang Goetze goetze.w@gmail.com
07348 / 948299


von OTL a.D. Wolfgang Goetze, GSP-Sektionsleiter Ulm

„Auf einmal war die Grenze offen – der Mauerfall vor 30 Jahren aus Sicht eines Oppositionellen in der DDR“. Wie es aber überhaupt dazu kam, hat der ehemalige Pfarrer und Bürgerrechtler Rainer Eppelmann, der von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) eingeladen war, als Zeitzeuge eindrucksvoll vortragen. Der Leiter der GSP-Sektion Ulm, Wolfgang Goetze, präsentierte zu Beginn der Veranstaltung eine Fotoschau mit eindrucksvollen Bildern zum Thema und als Begleitmusik die sehr emotionale Friedenssymphonie „Wir sind ein Volk“. Im Dornstadter Bürgersaal waren 230 Gäste, die den Ausführungen von Hr. Eppelmann, der selbst aktiv an der friedlichen Revolution beteiligt war, gespannt zuhörten.

Ausgehend von der Frage „woher kommen wir und wohin gehen wir“ spannte er den Bogen vom ersten Weltkrieg über den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur zum Zusammenbruch der sozialistischen Diktatur in der DDR. Neben den geschichtlichen Ereignissen stellte er jedoch immer wieder den Menschen in den Mittelpunkt seiner Betrachtung, sei es durch persönliche Erlebnisse oder die Darstellung der Veränderung des Menschen durch das politische Umfeld. Die Prägung des Menschen zum „Flüsterer“, der viele Bereiche des täglichen Daseins nicht offen ansprechen kann. Er setzte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen kausalen Kontext und Verglich heutige politische Aussagen (z.B. PEGIDA) mit der politischen Realität in der DDR. Der 9. November 1989, an dem der „antifaschistische Schutzwall“ geöffnet wurde, wird als der markante Wendepunkt gesehen.

Herr Eppelmann stellte aber auch den 4. November in den Vordergrund. An diesem Tag fand in Berlin eine Demonstration von über 750.000 DDR Bürgern statt. Eine friedliche Demonstration mit Kundgebung auf dem Alexanderplatz. Die Demonstranten schenkten den Polizisten Blumen und die Redner sprachen von der Ladefläche eines LKWs. Auch Mitglieder des Politbüros sprachen, wurden aber ausgepfiffen. Herr Eppelmann, der als Ordner eingeteilt war, stand direkt in der Nähe des Rednerpultes und konnte beobachten, dass die Mitglieder des Politikbüros bleich wurden und zitterten. Da wurde ihm bewusst, dass die Tage der DDR Diktatur gezählt waren.

Der Vortragsabend bleibt den Besuchern sicher noch lange in Erinnerung.


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