Nr. 05/2017

Landesbereich I

Schleswig-Holstein - Hamburg - Mecklenburg-Vorpommern

 

Neuer Vorsitzender im Landesbereich I

Auf der letzten Landesbereichsversammlung – Gastgeber war das Lufttransportgeschwader 63 in Hohn – wählten die Sektionsleiter des Landesbereichs im November Oberst a.D. Harry Preetz zu ihrem neuen Landesvorsitzenden. Er löste damit Oberstleutnant a.D. Wolfgang Ludwig ab, der in den letzten vier Jahren die Geschicke in den Bundesländern zwischen den Meeren lenkte. Oberst a.D. Preetz, ehemaliger Luftwaffenoffizier mit Dienstzeiten in der Nationalen Volksarmee und der Bundeswehr, wird damit auch im Bundesvorstand der GSP vertreten sein.

Der neue Landesvorsitzende, Oberst a.D. Preetz (rechts) mit seinem Vorgänger, Oberstleutnant a.D. Ludwig – Foto: GSP

Sind die Meere noch zu retten?

Veranstaltungshöhepunkt auf Landesbereichsebene war das 9. Maritime Expertengespräch der Deutschen Maritimen Akademie (DMA) im November 2016 in Laboe, das zum wiederholten Mal in enger Zusammenarbeit mit der GSP und dem Nautischen Verein zu Kiel stattfand. Im Mittelpunkt standen unsere Meere als größte Lebensräume der Erde und ihre globale Bedeutung für Klima, Umwelt, Wirtschaft und Ernährung. Stehen die Meere durch Verschmutzung, intensive Nutzung, Klimawandel und Ozeanversauerung vor dem Kollaps? Experten aus Wissenschaft und Politik gaben eine aktuelle Gefährdungsanalyse und diskutierten die sich daraus ergebenen Handlungsoptionen.

Zustand der Meere hat auch sicherheitspolitische Bedeutung

Nach der Begrüßung der über 100 Zuhörer durch den Präsidenten der DMA, Karl Heid, wies GSP-Vizepräsident Generalmajor a.D. Servatius Maeßen in seinem Grußwort auf die sicherheitspolitischen Aspekte des Umgangs mit den Meeren hin. Die Folgen von Klimawandel, Überfischung und Ausbeutung sind nicht regional begrenzt. In einer globalisierten Welt kann die Destabilisierung einzelner Regionen signifikante Auswirkungen auf die Politik anderer Staaten haben. Naturkatastrophen infolge der Erwärmung könnten weitere Fluchtursachen erzeugen.

GSP-Vizepräsident Servatius Maeßen beim Grußwort – Foto: Deutscher Marinebund e.V.

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Ehlers, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, beschrieb danach in seinem Impulsreferat ausführlich die Abhängigkeit der Menschheit von den Meeren - als Wasserreservoir, Klimafaktor, Energie- und Ressourcenquelle und vor allem als Transportweg. Er forderte eine zumindest umweltverträgliche Nutzung der Meere.

„Ocean Governance“ als Zukunftschance?

Unter diesem Begriff seien Ordnung und Steuerung der meeresbezogenen Aktivitäten mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung zu verstehen, so der Professor. Eine der vielen offenen Fragen sei die nach der Verantwortlichkeit, vielleicht einer übergreifenden Welt-Ozean-Organisation? Die Zeit dränge, und es sei unerlässlich, das Wissen über die Meere zu verbessern. Viele Küsten- und Inselstaaten sind Entwicklungsländer. Gerade hier müsse Entwicklungshilfe intensiviert werden. Klar ist, dass das alles Geld koste. Aber: „Jeder einzelne muss sich immer wieder fragen, was er beitragen kann, denn jeder von uns braucht die Meere“, bilanzierte Professor Ehlers.

„Green shipping“ – Umweltschutz auf hohem Niveau

MdB Rüdiger Kruse ist Beauftragter für maritime Wirtschaft der CDU/CSU-Bundestagfraktion. Auch er forderte den nachhaltigen Schutz der Ökosysteme von Küsten, Meeren und Polarregio-nen. Die maritime Industrie Deutschlands könne hier eine wesentliche Rolle übernehmen. Viele Akteure seien an einer Reduzierung der Schadstoffbelastung durch die Seeschifffahrt interessiert, um bessere Umweltbilanzen vorweisen zu können. Die Förderung umweltfreundlicher und ressourcenschonender Zukunftstechnologien im Bereich Schifffahrt, Schiffbau und Häfen – eben Green shipping - zähle für ihn zu den entscheidenden Maßnahmen, unterstrich Kruse und hob hervor, dass auch alternative Kraftstoffe einen erheblichen Beitrag zur Emissionsminderung auf See und in den Häfen leisten.

Müll auf Schiffen sammeln und recyceln

Es folgte der ehemalige Chef der Kieler Lindenau-Werft, Dirk Lindenau, der mehrfach für den Bau seiner Doppelhüllentanker ausgezeichnet wurde. Der Ingenieur hat nun ein weltweit erstes schiffsbasiertes Abfallmanagementsystem für Inselstaaten und große Städte an Küsten und Flüssen entwickelt und den Zuhörern vorgestellt. Kern des Konzepts ist die Befreiung der Meere von Plastikmüll. Rund 80% der Abfälle stammen von Land. Etwa 70% der Weltbevölkerung leben an Flüssen, Küsten und auf Inseln und nicht alle können sich eine so nachhaltige und vorbildliche Abfallwirtschaft wie etwa Deutschland leisten.

Dirk Lindenau bei seinem Vortrag – Foto: Deutscher Marinebund e.V.

Die Kapverden als Pilotprojekt

Die Inselgruppe vor der Küste Westafrikas besteht aus neun bewohnten Inseln mit gut einer halben Million Einwohnern. Zwar werde vielfach der Müll ungetrennt gesammelt, aber meist offen verbrannt – mit all den negativen Konsequenzen für Gesundheit, Umwelt und Klima, erläuterte Lindenau. Dabei gebe es auf der größten Insel Santiago mit der Hauptstadt Praia eine moderne Deponie, der Müll der anderen Inseln müsse aber irgendwie dorthin geschafft werden. Sein Konzept, so Lindenau, sieht ein „Sammelschiff“ vor, das wöchentlich den Abfall von den Inseln holt und nach Praia verbringt. Das Konzept sieht außerdem die Stationierung von zwei weiteren Schiffen in Praia vor, wo an Bord Energie, Wertstoffe, Trinkwasser und Kompost generiert und verkauft werden können. Nicht ohne Stolz erwähnt der Ingenieur, dass er auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Sommer letzten Jahres vor rund 13.000 Besuchern bei der „Woche der Umwelt“ im Park von Schloss Bellevue sein Pilotprojekt präsentieren durfte.

Es kann kein „weiter so“ geben

Abschließend fasste Jörg Alter von der DMA die Ergebnisse zusammen und betonte, dass bisher die Konzentration auf Umwelt- und Ressourcenschutz vielfach der Landmasse galt. Obwohl die Erde zu rund 71% von Wasser bedeckt ist, rückt erst jetzt der Schutz der Meere im Interesse der Menschheit in den Blickpunkt. Ein „weiter so“ dürfe es nicht geben, sonst sei schnell der „point of no return“ erreicht.

Das nächste Maritime Expertengespräch im November, an dem auch wieder die GSP beteiligt sein wird, steht unter dem Thema „Neue Brennpunkte der Maritimen Sicherheitspolitik“ und wird sich mit der sicherheitspolitischen Lage auf den europäischen Randmeeren befassen.

Textbeiträge: Deutscher Marinebund e.V.

Harry Preetz
Landesvorsitzender
In eigener redaktioneller Verantwortung

Nach oben Zurück
Veranstaltungskalender
 

GSP-Veranstaltungskalender

Legende: Termin exportieren - Zur Sektionsseite - Termininfo versenden - Terminerinnerung anfordern - Bei Veranstaltung anmelden