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Reise des GSP-Bundesvorstandes zum Multinational Corps in Stettin.
14. - 16.10.2026
von links: Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb, Vizepräsident der GSP, Julia Smernowa, Researcherin beim Berliner Think Tank CeMAS, und GSP-Präsident Dr. Hans-Peter Bartels beim Vortrag über russische Desinformationskampagnen. Foto: Frank Jungbluth
Station 1: Berlin - Vortrag von Julia Smernowa, Researcherin beim Berliner Think Tank CeMAS
Gute Kampagne, schlechte Kampagne: Wie Russland intensiv falsch informiert
Von Frank Jungbluth, Medienbeauftragter der GSP
Berlin, 14.10.2026, ab 18:00 h:
Julia Smirnowa unterscheidet bei ihrem Vortrag beim Vorstand der GSP in Berlin deutlich und macht dabei klar – die Kampagnen von russischen IT-Spezialisten, die gegen den Westen, vor allem gegen Deutschland und die Ukraine mobil machen, sind manchmal plump schlecht, aber verfangen trotzdem. Die Stimmung in Sachen Ukraine-Unterstützung ist in der Bundesrepublik durchwachsen, sie schwindet sogar. Dafür sorgen auch staatliche Medien in Russland, wie Sputnik und Russia Today, aber auch private Unternehmungen wie Struktura und die „Social Design Agency“, die gezielt so genannte Doppelgänger aufbaut.
Dr. Hans-Peter Bartels, Präsident der GSP, und Reiner Schwalb, Brigadegeneral a.D. und Vizepräsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, begrüßten Julia Smirnowa zum Auftakt der Reise des GSP-Bundesvorstandes zum Multinational Corps in Stettin.
Smirnova ist Senior Researcherin beim Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) in Berlin. Das Zentrum erkennt und analysiert Desinformationskampagnen und entwickelt für seine Stakeholder Strategien, wie man wirksam entgegensteuert.
Internetseiten der Tageszeitung WELT, Titelseiten der BILD mit falschen Nachrichten über angebliche Umtriebe von Bundeskanzler Friedrich Merz – die Facetten der russischen Fälscher sind vielseitig. Seit Beginn der Großinvasion in der Ukraine im Februar 2022 agieren und agitieren die Propandagisten intensiv, aber wie effektiv und effizient?
Vorwürfe des Wahlbetrugs im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026, vor allem die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD im Visier, 25 Millionen Besucher auf der Social-Media-Seite „X“ – die Maßnahmen der russischen Propaganda sind sichtbar erfolgreich auch Influencer mit großer Reichweite lassen sich einspannen, wie Juli Smirnova weiß: „Die Aktionen sind umfangreich, Künstliche Intelligenz wird von Russlands IT-Aktivisten gezielt und in großer Frequenz eingesetzt. Das Ziel ist klar – die Unterstützung für die Ukraine soll geschwächt werden, Russland inszeniert sich bei diesen Kampagnen als angegriffenes Land, das von Faschisten bedroht wird.“
Beispiele, wie das versucht wird, sind gezielte Angriffe auf den CDU-Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten seiner Partei vor der Landtagswahl und Sachsen-Anhalt, Doppelgänger-Aktionen, die deutsche Nachrichtenseiten mit Falschmeldungen kopieren und weitere Desinformationskampagnen. „Was man als Gegenmaßnahmen braucht, das ist eine langfristige Gesamtstrategie, man muss die Einflussinfrastruktur der Russen stören. Zudem müssten Unternehmen, die KI anbieten und Soziale Netzwerke in die Verantwortung genommen werden: Wir müssen Resilienz aufbauen gegen die Angriffe aus Russland, die nicht nur unsere kritische Infrastruktur betreffen, sondern auch das Netz in großem Ausmaß“, wie Julia Smirnova betont. Sie ist in Russland geboren, hat aus Moskau unter anderem für die WELT berichtet. Sie weiß, wovon sie spricht.
Station 2: Stettin, Stab Multinationale Korps Nordost (MNC), 15.10.2026
„Wenn die Krise kommt, beginnt sie hier“
Brigadegeneral Ullrich Spannuth hat während seiner 40 Dienstjahre in der Bundeswehr alles gesehen, genau das macht den 62-jährigen Brigadegeneral sicher: „Die Botschaft in den Kreml ist klar. Das Multinationale Korps Nordost (MNC) ist bereit und reaktionsschnell.“
Der General ist Stabschef beim MNC und hier in Stettin, knapp 15 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, hat die NATO zuverlässige Augen und Ohren an der Ostflanke, die unweit von hier, an der Suwalki-Lücke im Grenzbereich von Masuren und Litauen beginnt. Nördlich stehen die Streitkräfte Russlands im alten Ostpreußen. „Wenn die Krise kommt, dann beginnt sie hier bei uns in Stettin beim MNC“, sagt er ohne Zweifel.
Vor Dr. Hans-Peter Bartels, Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, und die Mitglieder des Bundesvorstandes liegen wichtige Stunden, als sie das Hauptquartier der NATO-Truppe unweit der Stettiner Altstadt betreten. Ein Lageraum mit 150 Plätzen und einem Dutzend Großbildschirmen und ein entschlossenes Quartett von hohen Offizieren, die an diesem Tag erklären, wie wichtig das MNC geworden ist, seit Russland einen hochaggressiven Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Genau genommen machen das die Truppen des russischen Diktators Wladimir Putin seit 2014, in den Dimensionen, die inzwischen fast eine Million russische Soldaten als Opfer gefordert haben, seit Februar 2022, den Tag, den niemand mehr vergisst, dem die Sicherheit Deutschlands und des NATO-Bündnisgebietes wichtig ist.
Generalmajor Biran Nissen ist stellvertretender Kommandeur des MNC Nordost. Der dänische Offizier dient seit 1989 in den Streitkräften des Königs: „Ich freue mich, den Bundesvorstand der GSP hier zu sehen. Sie haben eine wichtige Aufgabe, damit auch alle Menschen in Deutschland verstehen, wie die Lage ist.“ Sie ist ernst. Die Ostflanke der NATO ist 2000 Kilometer lang – „das ist die Frontlinie“, macht der deutsche Stabschef klar. „Wo sie Rauch sehen, sehen wir Feuer“, erklärt der die Mission des MNC Nordost. Er sagt auch: „Die Russen können unsere Lage in den NATO-Staaten beobachten, wir sind offene Gesellschaften, aber seien sie sicher, wir wissen ebenso sehr genau, wie Russland aufgestellt ist, welche signifikanten Truppenbewegungen es gibt.“ Das klingt in diesen bedrohlichen Zeiten beruhigend.
Polen, Deutsche, US-Amerikaner, Dänen und Litauer machen das MNC aus, sie widerspiegeln auch den Korpsgeist der NATO, sie machen auch gemeinsam deutlich: „Das Bündnis ist nicht nur wachsam, es wird auch schlagkräftig und schnell sein, wenn es darauf ankommt. Egal, was passiert. Werden wir angegriffen, dann kämpfen wir und schlagen zurück“, sind sich die Partnernationen einig. In Dänemark ist das der Befehl, bis der König etwas anderes befiehlt.
Drohnen, Drohen und wieder Drohnen – der moderne Krieg, jeden Tag an den Fronten in der Ukraine und dank der Schlagkraft der tapferen ukrainischen Verteidiger zwischen Bug und Donbass auch im russischen Hinterland, in St. Petersburg und Moskau zu erleben, ist schnell, unkonventionell und davon abhängig, wer die bessere Software zur Hardware hat. Am Ende aber, so sagen die vier NATO-Generale beim Besuch des GSP-Bundesvorstandes ebenso deutlich, wird es darauf ankommen, was die Bodentruppen leisten können. Ohne die ist auch im 21. Jahrhundert kein Krieg zu gewinnen – und den Verlust der Ukraine will hier niemand erleben.
Station 3: Innenstadt von Stettin
Der anschließende Besuch, nach offener Diskussion im Hauptquartier des MNC führt die Besucher der GSP in die Stettiner Innenstadt, die von den vernichtenden Spuren des Krieges zwar immer noch gezeichnet, aber inzwischen auch ein Symbol für den Aufstieg und das Selbstbewusstsein Polens ist. Das Schloss der pommerschen Herzöge ist liebevoll restauriert, wir erfahren, dass nicht wenige Polen inzwischen jenseits der Grenze in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leben und die dortigen Grenzregionen bereichern; es lebt sich hierzulange inzwischen preiswerter als in der polnischen Boomregion Hinterpommern mit seiner Hauptstadt Szczecin, wo ein Quadratmeter Eigentumswohnung inzwischen beinahe so viel wie im 120 Kilometer entfernten Berlin kostet.
Fazit:
„Das waren unschätzbare Einblicke in die wichtige Arbeit des Multinationalen Korps“, resümiert GSP-Präsident Dr. Hans-Peter Bartels den beeindruckenden Besuch an der entscheidenden Stelle, die im Ernstfall Garant für die Freiheit vor der russischen Diktatur sein kann.