Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Dienstag, 20.10.2026 - 19:00

Syrien im Nahostkonflikt – Interne Neuordnung inmitten geopolitischer Umbrüche

Die Arabische Republik Syrien, seit 1948 Feindstaat des neu gegründeten Staates Israel und seit 1967 der Golanhöhen verlustig, wurde seit 1971 – nach jahrelangen Machtkämpfen innerhalb der Baath-Partei – durch den Staatspräsidenten Hafiz al-Assad mit eiserner Hand regiert. Die militärische Niederschlagung des Aufstands der Muslimbrüder in der mittelsyrischen Staat Hama in 1982 begründete schließlich Assads unumschränkte Machtposition. Nach dem Tod von Hafiz al-Assad, wurde sein zweitjüngster Sohn Baschar al-Assad am 10. Juli 2000 zum nächsten Präsidenten gewählt. Unter ihm begann der Damaszener Frühling, der demokratische Reformen zum Ziel hatte. Jedoch führten innenpolitische, vor allem ethnische Auseinandersetzungen, die mehr und mehr in Gewalt ausarteten, Baschar al-Assad auf einen Kurs, der dem Handeln seines Vaters sehr ähnelte. Ab März 2011 kam es zu Protesten gegen die Regierung Assads, die sich im Laufe der Monate zu einem Bürgerkrieg entwickelten. Um an der Macht zu bleiben, nahm Bashar al-Assad enorme Zerstörungen in Kauf, ließ über die Hälfte der Bevölkerung vertreiben, hunderttausende Menschen verschwinden und sogar Chemiewaffen einsetzen. Willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Doch trotz massiver militärischer Unterstützung durch Russland und durch Iran stürzte das Assad-Regime innerhalb von weniger als zwei Wochen im Dezember 2024 aufgrund einer von den Milizen HTS (salafistisch-dschihadistische Organisation zur Befreiung Syriens) und SNA (von der Türkei unterstützte Syrische Nationale Armee) angeführten Großoffensive. Seither führt Übergangspräsident Ahmad al-Scharaa, zuvor Anführer der Miliz HTS, auf den die USA ein hohes Kopfgeld ausgesetzt hatten, die Geschicke des Landes.
Die Übergangsregierung steht vor enormen Herausforderungen. Die Grundversorgung der Bevölkerung ist nicht gewährleistet, Gewaltexzesse staatlicher Kräfte haben das brüchige Vertrauen in die Übergangsregierung erschüttert. Außenpolitisch verzeichnet al-Scharaa hingegen wichtige Erfolge. Syrien ist von der Liste staatlicher Unterstützer von Terrorismus gestrichen worden, die Sanktionen gegen das Land sind weitgehend aufgehoben – und obwohl Israel den Zusammenbruch des Assad-Regimes sofort zur massiven militärischen Bekämpfung der syrischen Streitkräfte nutzte und seine Besatzung auf den Golanhöhen erweitert hat, laufen erstmals seit Jahrzehnten wieder Verhandlungen.
Syrien steht nun auch im Zentrum der geopolitischen Umbrüche. Mit dem Sturz des Assad-Regimes verlor Iran den einzigen staatlichen Partner der selbst ernannten „Achse des Widerstands“ und den Zugang zur libanesischen Hisbollah auf dem Landweg. Geht mit der militärischen Schwäche des Iran auch ein Ende von dessen Einmischung in der Levante einher? Was bedeutet die immer offener hervortretende türkisch-israelische Rivalität für Syrien, insbesondere angesichts dessen, dass beide Länder die Souveränität Syriens missachten? Und wo stehen die Golfstaaten in diesem Konflikt?
Die Interessen der Großmächte lassen keine einheitliche Linie erkennen. Die USA unter Trump suchen im Wesentlichen nach „Deals“, nach Geschäften in und mit Syrien. Russland trachtet zuvörderst danach, seine militärstrategische Position in Syrien zu halten (Marinestützpunkt Tartus und Militärflugplatz Hmeimim als „gemeinsame Ausbildungszentren“). China ist darauf bedacht, den Einfluss der USA in der Region zu unterlaufen und möchte sich Beteiligungen am Wiederaufbau des Landes sowie an Handelsrouten sichern; aufgrund seiner wirtschaftlichen Interessen ist China vor allem an einem politisch stabilen und kontrollierten Syrien mit grenzüberschreitender Stabilität interessiert.
Wird es Syrien gelingen, seine äußerst schwierige innenpolitische Lage zu bewältigen, sich wirtschaftlich zu entwickeln, einen Wiederaufbau des Landes zu konzipieren und sich dabei in seiner komplexen außenpolitischen Klemme zu behaupten? Könnte ein „Sicherheitsabkommen“, ein „Abraham-Abkommen“ oder gar ein Friedensabkommen mit Israel gelingen? Oder kommt es erneut zu bewaffneten Auseinandersetzungen im Land und gegen das Land?
Vortrag und Diskussion

Referent: Dr. Bente Scheller , Leiterin des Referats Nahost- und Nordafrika der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin.

Zur Referentin: Bente Aika Scheller, geboren 1975 in Bremen, wuchs im Raum Zeven auf und studierte nach dem Abitur Politikwissenschaften. Von 2002 bis 2004 arbeitete sie als Referentin für Terrorismusbekämpfung an der Deutschen Botschaft Damaskus und promovierte danach mit einem Graduiertenstipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Freien Universität Berlin zur syrischen Außenpolitik. In 2008 war Dr. Scheller kurzzeitig Leiterin des Syrien-Programms des Aspen Instituts Berlin. Von 2008 bis 2011 leitete Dr. Scheller das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Afghanistan. Von 2012 bis 2019 war sie Leiterin des Regionalbüros Mittlerer Osten der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut, das für Libanon, Syrien und Irak zuständig ist. Seit 2019 leitet Dr. Scheller das Referat Nahost und Nordafrika der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Dr. Schellers sicherheitspolitische Expertise zum Nahen Osten ist medial stark nachgefragt. Sie publiziert in namhaften Zeitungen und Zeitschriften und analysiert aktuelle Ereignisse in der ARDTagesschau, in ZDFheute, bei Markus Lanz oder bei Maybritt Illner.

Dr. Scheller ist verheiratet mit einem Journalisten und Kriegsberichterstatter, hat zwei Kinder und wohnt in Berlin.

Ort: Gorch-Fock-Haus - „Johann Kinau Saal“ - Viktoriastr. 15 , 26382 Wilhelmshaven

Die Veranstaltung findet im „Johann Kinau Saal“ statt. Der Zugang zum Haupteingang des Gorch-Fock-Hauses erfolgt von der Viktoriastraße und der Virchowstraße aus. Parkplätze des Gorch-Fock-Hauses befinden sich auf dessen Gelände an der Ostseite der Virchowstraße sowie hinter einer beschrankten Zufahrt an der Südseite der Bremer Straße (Code für die Ausfahrt im Gorch-Fock-Haus erhältlich). Öffentliche Parkmöglichkeiten befinden sich in den umliegenden Straßen.

Der Veranstaltungsort kann auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Das Gorch-Fock-Haus ist nur ca. zwölf Gehminuten vom Bahnhof Wilhelmshaven entfernt gelegen. Am Bahnhof Wilhelmshaven befindet sich auch der Zentrale Omnibusbahnhof, der z. B. mit den Buslinien 121, 219 oder 251 erreicht werden kann. Die Buslinie 111 wiederum führt zur Haltestelle Bülowstraße, die nur sieben Gehminuten vom Gorch-Fock-Haus entfernt ist.

Organisator: Kapitän zur See a.D. Berend Burwitz , Sektionsleiter Wilhelmshaven/Friesland, Berend.Burwitz@gsp-sipo.de
0171 4727 146


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Mitglieder und Freunde der Sektion,

als in 2026 siebte Veranstaltung bietet die Sektion Wilhelmshaven/Friesland einen Vortrag zum Kernthema „Nahostkonflikt“ mit dem Fokus auf die Arabische Republik Syrien, deren Rolle im Konflikt, deren Niedergang und deren Entwicklungsperspektiven. Es handelt sich wie immer um eine Präsenzveranstaltung.

Mit Dr. Bente Scheller konnte als Vortragende eine im Nahen Osten überaus bewanderte Politikwissenschaftlerin mit hohem Renommee als Publizistin gewonnen werden. Ihre Einschätzung der politischen Situationen in Syrien, im Libanon bzw. im Nahen Osten wurde in Medien wie Foreign Policy, Focus, der Zeit, dem Deutschlandfunk, dem SRF und dem Standard veröffentlicht. Daneben hat sie in mehreren Fachpublikationen publiziert. Die Sektion Wilhelmshaven/Friesland würde sich freuen, Sie als Teilnehmer bzw. Teilnehmerin an dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Bitte weisen Sie auch Freunde und Bekannte auf diesen Termin hin und empfehlen ihnen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Die Anmeldung kann über diese Internetseite der GSP erfolgen (https://www.gsp-sipo.de/organisation/landesbereich-ii/wilhelmshaven). Bitte klicken Sie auf das unten befindliche Feld „Anmeldung“. Beachten Sie, dass Sie nach erfolgter Anmeldung eine E-Mail mit der Bitte um Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten. Diese Bestätigung muss innerhalb einer Stunde erfolgen; ansonsten müsste die Anmeldung verfallen. Mit diesem Verfahren sollen vorsätzliche Falschanmeldungen unterbunden werden.

Die Sektion nimmt Ihre Anmeldung auch per E-Mail an Berend.Burwitz@gsp-sipo.de oder per SMS, WhatsApp oder telefonisch (0171-4727146) an den Sektionsleiter entgegen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Anmeldungen, die auf diesen Wegen erfolgen, grundsätzlich nicht quittiert werden können. Wegen der erforderlichen organisatorischen Vorbereitung im Gorch-Fock-Haus wird um Anmeldung bis zum Montag, 19. Oktober 2026, einschließlich gebeten.

Mit freundlichem Gruß

Berend Burwitz

Sektionsleiter